Do., 20.04.2017

NRW-Ministerpräsidentin besucht zehn Städte in drei Tagen Hannelore Kraft auf Wahlkampf-Tour in OWL

Hat ein gutes Blatt beim Kartenspielen mit Philipp (6) und Bozhin (5, von links): Die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (Mitte) sucht in der Gütersloher Kindertagesstätte des Vereins Aksom das Gespräch mit Mädchen und Jungen sowie Erzieherinnen, während Leiterin Gisela Meisner (62, links) zuschaut. Rechts: Güterslohs SPD-Landtagskandidatin Susanne Kohlmeyer (50).

Hat ein gutes Blatt beim Kartenspielen mit Philipp (6) und Bozhin (5, von links): Die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (Mitte) sucht in der Gütersloher Kindertagesstätte des Vereins Aksom das Gespräch mit Mädchen und Jungen sowie Erzieherinnen, während Leiterin Gisela Meisner (62, links) zuschaut. Rechts: Güterslohs SPD-Landtagskandidatin Susanne Kohlmeyer (50). Foto: Carsten Borgmeier

Paderborn/Höxter/Espelkamp/Herford/Bünde/Bielefeld/Gütersloh (WB). NRW-Ministerpräsidentin und SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft ist auf Wahlkampftour und das führt sie auch in die Region. Zehn Kommunen in drei Tagen – ein straffes Programm.

Im Gespräch mit Bürgern auf dem heißen Sofa hat Hannelore Kraft am Mittwochnachmittag in Bünde platz genommen, ehe sie am Abend in Bielefeld zu Gast in der Ravensberger Spinnerei ist. Zum Abschluss ging es nach Gütersloh.

Zu Besuch in der Kita

Dort besuchte Kraft die Kindertagesstätte (Kita) des Vereins Arbeitskreis Sozialer Minderheiten (Aksom) in Gütersloh-Blankenhagen. Bei einem Gang durch das bis 1986 als Gefängnis genutzte Gebäude suchte die Politikerin das Gespräch hauptsächlich mit dort beschäftigten Erzieherinnen, um Rückmeldungen auf das landesweite Förderprogramm »Kein Kind zurücklassen« zu erhalten.

Die Fachkräfte der Einrichtung beklagten sich gegenüber der Ministerpräsidentin beispielsweise über seit Jahren steigende Dokumentationspflichten und eine zu geringe Personalausstattung. Die Aksom-Kita besuchen etwa 40 Mädchen und Jungen aus 15 Nationen.

Kraft macht die Moderatorin in Bielefeld

Nicht auf dem heißen Stuhl, sondern vielmehr auf dem heißen Sofa hat Hannelore Kraft am Mittwochnachmittag in Bünde platz genommen, ehe sie am Abend in Bielefeld zu Gast in der Ravensberger Spinnerei ist.

Talk statt programmatische Reden sind dabei die Devise gewesen. »Hier soll keiner vorne stehen und euch die Welt erklären«, stellte Kraft klar. Sie selbst übernahm die Rolle der Moderatorin. Nach Veranstalterangaben hörten ihr 280 SPD-Anhänger zu. Von einer Handvoll demonstrierender Jungliberale vor der Tür hatte sich der Wahlkampftross zuvor nicht aus dem Konzept bringen lassen.

In Bünde aufs Sofa

Auf Tuchfühlung ging Kraft wenige Stunden zuvor schon in Bünde: Beim »Dialog auf dem Roten Sofa« in der Fußgängerzone suchte die Ministerpräsident das Gespräch mit den Passanten. Dabei wurden unter anderem Thema behandelt wie fehlende Kita-Plätze, die Asylpolitik, Abschiebung, aber auch die GEZ-Gebühren und der Naturschutz.

Waldemar Schendel von der Bürgerinitiative Muckum kritisiert etwa scharf die Erweiterung der Küchenfirma Häcker im Landschaftsschutzgebiet.

Energiegeladen in Herford

Friedlicher ging es bei der Archimedes Facility-Management GmbH in Herford zu. Geschäftsführer Marc Euscher stellte der Ministerpräsidentin die 1998 gegründete familiengeführte Unternehmensgruppe als führenden regionalen Systempartner im Gebäude- und Energiemanagement vor.

Gesprächsthemen waren unter anderem die dezentrale Erzeugung von Energie und Wärme in mittelständischen Unternehmen, Nachhaltigkeit im Gebäudemanagement und die Bedeutung von Ausbildung mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel in technischen Berufen.

Großes Potenzial sieht die Unternehmensgruppe im Bereich der Elektro-Mobilität: Hier werden gemeinsam mit heimischen Firmen Nutzungskonzepte für gewerbliche Fahrzeugflotten entwickelt. Kraft kündigte in diesem Zusammenhang für die neue Legislaturperiode eine Landesförderung für elektrisch betriebene Busse und Transportfahrzeuge an.

Mit 260 Mitarbeitern (darunter zehn Auszubildenden) in sieben Gesellschaften erzielt Archimedes nach Angaben der Geschäftsführung einen Gruppenumsatz von 32,8 Millionen Euro.

Gespräche in Espelkamp

Zuvor hatte Kraft ihre Tour genutzt, um sich von der Organisation der evangelischen Stiftung Ludwig-Steil-Hof (LSH) ein Bild zu machen. Sie bezeichnete die Struktur des LSH mit all seinen Facetten – von der Internats- und Flüchtlingsbetreuung bis hin zur Altenpflege – als spannend.

»Man spürt, dass die Menschen hier mit viel Herzblut dabei sind.« Der Mensch stehe im Ludwig-Steil-Hof ganz klar im Mittelpunkt. Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes sagte sie, dass es in NRW ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent gebe.

Damit liege das Bundesland nur 0,1 Prozentpunkte hinter dem Bund. »Wir sind auf einem guten Weg.« Sie sprach die Bedeutung der Ausgaben für Familienpolitik und Infrastruktur an. Beim Besuch der Bischof-Herman-Kunst-Schule im Ludwig-Steil-Hof unterhielt sie sich mit Kindern verschiedener Wohngruppen sowie mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und machte deutlich, dass die Bildung der Kinder und Jugendlichen eine zentrale Bedeutung besitze.

Paderborn interessiert Bürokratieabbau

Gleich zwei Stunden Zeit nahm Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am Dienstag in Paderborn für einen Besuch des IT-Unternehmens Connext Vivendi. Dort werden mit inzwischen 200 Mitarbeitern Softwarelösungen für das Sozial- und Gesundheitswesen entwickelt. »Wenn wir das Pflegegesetz ändern, müssen Sie das für ihre Kunden umsetzen«, stellte die Ministerpräsidentin im Gespräch mit Geschäftsführer Jörg Kesselmeier fest.

Der gab Kraft mit auf den Weg, dass sich gerade in ländlichen Regionen noch einiges in Bezug auf Ausbau der Infrastrukturtun müsse. Auch der Bürokratieabbau, für den OWL Modellregion ist, sei noch ausbaufähig, sagte er.

Am Donnerstag besuchte sie Borchen und das dortige Mehrgenerationenhaus der Kolping-Akademie für Gesundheits- und Sozialwesen. Dort leben 20 Senioren und 72

Hannelore Kraft besucht Borchen und trifft auf Windkraftkritiker. Foto: Besim Mazhiqi

Kinder einer Kindertagesstätte unter einem Dach – eine Wohnform, die nach Angaben des Trägers in dieser Form bundesweit einmalig ist.

Am Rande des Termins nutzten Windkraftkritiker die Gelegenheit, die Ministerpräsidentin zu einem Politikwechsel in Sachen Windkraft aufzufordern. Mit annähernd 500 Anlagen habe der Kreis Paderborn sein Soll mehr als erfüllt.

Kraft erwiderte, dass die Politik zwar die Rahmenbedingungen (Abstandsregelung und Höhenbegrenzung) festlege, die Diskussion über einzelne Anlagen und Windparks vor Ort geführt werden müsse. »Wir machen die Grundregeln, können Euch aber nicht vor Konflikten vor Ort bewahren«, sagte sie wörtlich.

Türkei auch Thema in Höxter

Dann ging die Reise am Dienstag nach Höxter, wo sie den Antriebsriemen-Hersteller Arntz-Optibelt besuchte. Hannelore Kraft ließ sich durch die Produktion führen. Am Rande äußerte sich auch über den knappen Ausgang des Türkei-Referendums: »Das Land und die hier lebenden Türken sind gespalten. Das bereitet uns Sorgen.«

Protest in Detmold

In Detmold protestierten Vertreter der Gewerkschaft Verdi anlässlich des Kraft-Besuchs in der lippischen Stadt »gegen Lohndumping in Landeseinrichtungen«. So erhielten Sozialarbeiter in der Flüchtlingsbetreuung »510 Euro unter Tarif«. Am Abend war Kraft unterdessen in Bad Salzuflen.

Kommentare

Landesmutter in OWL

Schon erstaunlich wie zufrieden die Menschen in OWL bzw. Bielefeld mit ihrer Landesmutter sind??!! Vor Wochen wo der AFD Verein in der Spinnerei war, gab es eine Riesengegendemo mit dem bekannten Slogan: "Bielefeld ist Bunt und Weltoffen" Gestern nichts von allem..... keiner Demo, wegen dem Riesenschuldenberg, den Kraft und Co.in sieben Jahren angehäuft haben, verfehlte Schulpolitik, da dümpelt NRW am Tabellenende und die fehlende Sicherheit der Bürger ,bezogen auf die vielen Wohnungseinbrüche in Bielefeld und Umgebung. Ganz zu schweigen von den Ängsten, besonders von älteren Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln.

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