Fr., 07.07.2017

Christoph Borowski will in Paderborn »aufgeschobenen« Kaffee etablieren Geschenkter Genuss

Christoph Borowski will allen Menschen den Genuss einer Tasse Kaffee im Café ermöglichen. Mit Isabell Lyssaris (Café Röhren) hat er die erste Unterstützerin gefunden.

Christoph Borowski will allen Menschen den Genuss einer Tasse Kaffee im Café ermöglichen. Mit Isabell Lyssaris (Café Röhren) hat er die erste Unterstützerin gefunden. Foto: Besim Mazhiqi

Paderborn (WB). Für Christoph Borowski ist es selbstverständlich, beim Stadtbummel mit der Familie eine Pause in einem schönen Café einzulegen. »Das sollte es eigentlich für jeden Menschen sein«, meint der 45-Jährige. Deshalb hat er die Initiative »Aufgeschobener Kaffee« in Paderborn gestartet.

Seit geraumer Zeit ist es bereits möglich, beim Café-Besuch in Paderborn etwas Gutes für diejenigen zu tun, die sich einen Besuch nicht leisten können. Die Vorgehensweise ist dabei denkbar einfach: Der Kunde kann zu seiner persönlichen Auswahl eine weitere, »aufgeschobene« Bestellung ordern, die jemand anderes bei Bedarf in Anspruch nehmen kann.

Christoph Borowski, der als Softwareentwickler und IT-Projektleiter tätig ist, stieß im Internet auf den Erfahrungsbericht einer Dortmunderin, die das Projekt dort für Cafés koordiniert, die der deutschlandweiten Organisation »Suspended Coffee« angehören. Zurück geht es auf die schon seit etwa 100 Jahren in Neapel verbreitete Geste des »Caffè Sospeso«. »Da es in Paderborn erst wenige Cafés gibt, die bei Suspended Coffee mitmachen, und das Projekt hier eher schleppend läuft, will ich das als Koordinator vor Ort befeuern«, beschreibt Borowski seine Motivation, sich in diesem Bereich zu engagieren. »Es soll auch hier selbstverständlich werden, so ein Angebot zu nutzen, doch das erfordert Werbung.«

Deshalb machte er es sich zur Aufgabe, weitere Betriebe zum Handeln zu überreden. »Der Café-Besuch muss eine Selbstverständlichkeit sein«, meint der 45-jährige Marienloher, der seit vielen Jahren mit Sorge das Auseinanderdriften der Gesellschaft beobachtet. »Wenn dem nicht so ist, haben wir ein gesellschaftliches Problem.« In den vergangenen Jahren habe sich die Mittelschicht verkleinert und es seien mehr prekäre Lebensverhältnisse entstanden. Er will den Betroffenen Teilhabe ermöglichen, indem sie sich auch mit Freunden ganz selbstverständlich auf einen gemütlichen Kaffee treffen können.

Aufgeschobene Kaffees gibt es derzeit in den Cafés Röhren, Kleidsam, Maritz und Meyerbeer sowie dem Eiscafé Artusa und dem Fairtrade-Laden La Bohnita. Um weitere Mitwirkende bemüht sich der Gründer, indem er bei potenziellen Cafés direkt nachfragt. Erfolg hatte er auf Anhieb bei Isabell Lyssaris, Inhaberin des Café Röhren. Aber er erntete auch Absagen. »Manche Betreiber haben leider Vorbehalte, dass sie damit Publikum anlocken, das andere Kunden vertreiben könnte.«

Diese Befürchtung teilt Isabell Lyssaris nicht. »Die meisten wollen doch nur friedlich einen Kaffee trinken«, erwartet sie keine Probleme. Drei Wochen nach dem Einstieg liegen im Café Röhren bereits die ersten Gutscheine bereit. »Ich wünsche mir jetzt, dass auch Leute kommen, um sie einzulösen.«, sagt die 34-jährige Inhaberin, die im August ihr Zehnjähriges feiert.

»Das Problem ist, dass sich viele für ihre ärmliche Situation schämen«, vermutet Christoph Borowski, der die teilnehmenden Betriebe mit Gutscheinen, Handzetteln und weiteren Werbemaßnahmen ehrenamtlich unterstützt. Spender seien derzeit deutlich leichter zu gewinnen als Menschen, die sich trauen, das Geschenk anzunehmen und sich einfach über eine nette Geste zu freuen.

Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es hier .

 

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