Mi., 13.09.2017

57-jähriger Libanese bedroht Pfleger der LWL-Klinik »Ich knall euch ab«

Symbolfoto.

Symbolfoto. Foto: dpa

Von Ulrich Pfaff

Paderborn (WB). Er habe eine Waffe und »ich knall euch ab«. Dem war zwar nicht so, aber die leere Drohung hat einen 57-Jährigen aus Paderborn dennoch vor Gericht gebracht. Denn der Mann ist krank – und hat eine Vorgeschichte, die seine Worte in anderem Licht erscheinen lässt.

Im Jahr 2000 hatte der Libanese in Münster mit einer Schusswaffe einen Menschen getötet. Er wurde zwar nicht wegen Totschlags verurteilt, aber schuldunfähig aufgrund einer psychischen Erkrankung in die Forensik eingewiesen. Dort blieb er – inklusive einer Langzeitbeurlaubung – bis 2012.

Seither wird er nach eigenen Worten psychotherapeutisch betreut und war mehrere Male auf eigenen Wunsch in der LWL-Klinik in Paderborn.

Mitte März kam es dort zu dem Vorfall, dem der 57-Jährige die Anklage wegen Bedrohung zu verdanken hat. Er soll in seinem Zimmer Pflegern gegenüber gesagt haben, er habe eine Waffe und werde sie »abknallen« – was die Männer angesichts der bedrohlich in einer Nachttischschublade verborgenen Hand des Mannes und der ihnen bekannten Vorgeschichte sehr ernst nahmen.

»Wir waren massiv angespannt«, berichtete ein 32-jähriger Mitarbeiter der Klinik im Zeugenstand. Er sei nach dem Erlebnis für eine Woche nicht arbeitsfähig gewesen und habe danach jeglichen Kontakt mit dem Angeklagten vermieden. Auslöser war nach Worten des Pflegers der erregte und aggressive Zustand des 57-Jährigen, aufgrund dessen er zunächst in sein Zimmer verwiesen worden sei, um sich zu beruhigen und seine Mitpatienten nicht nervlich zu belasten. Eine Waffe sei bei einer Überprüfung nicht gefunden worden.

Der Angeklagte selbst schilderte den Vorfall anders: »Ich habe doch nichts gemacht«, die Pfleger seien unvermittelt in sein Zimmer gekommen und hätten gefragt, ob er eine Waffe habe. »Ja, wahrscheinlich«, habe er in seinem erregten Zustand geantwortet – woraufhin die Polizei gekommen und er fixiert worden sei.

Um sich mehr Klarheit über den 57-Jährigen zu verschaffen, vernahm die 1. Große Strafkammer auch einen Wohnungsnachbar aus der städtischen Obdachlosen-Unterkunft, in der der Angeklagte derzeit wohnt. Der 54-Jährige hatte im Mai dieses Jahres eine ähnlich bedrohliche Begegnung mit dem Libanesen, der nachts ständig randaliere und in seiner Wohnung »fast täglich Gegenstände an die Wand haut«. Er habe vor der Tür gestanden, als der Angeklagte plötzlich mit einem Messer vor ihm herumgefuchtelt und gerufen habe »ich stech euch alle ab«. »Der ist aggressiv und gewalttätig«, sagte der Zeuge, der sich daraufhin mit dem hochfahrenden Angeklagten noch ein lautstarkes Wortgefecht lieferte. »Du gehörst in die Psychiatrie. Ganz weit weg«, knallte schließlich der 54-Jährige dem Libanesen an den Kopf.

Genau darum geht es auch in dem Verfahren: Dem 57-Jährigen droht erneut die Einweisung in die Forensik. Allerdings sah sich der psychiatrische Gutachter Michael Hintersdorf noch nicht in der Lage, abschließend etwas zu sagen – zunächst muss die behandelnde Ärztin über Medikation und den aktuellen Krankheitsstand befragt werden. Das soll Ende September geschehen.

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