Do., 09.11.2017

Wer das Software-Update verweigert, geht bald zu Fuß – Paderborner Gotthard Rammer wurde Frist gesetzt Ämter drohen mit Stilllegung von Dieseln

Update-Verweigerer Gotthard Rammer hat es schriftlich: Ohne neue Software wird sein Skoda stillgelegt.

Update-Verweigerer Gotthard Rammer hat es schriftlich: Ohne neue Software wird sein Skoda stillgelegt. Foto: Besim Mazhiqi

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Im Dieselskandal droht jetzt den ersten Autofahrern, die aus Angst vor Folgeschäden ein Software-Update verweigern, die Stilllegung ihres Wagens.

Im Januar 2016 kaufte Gotthard Rammer (65) aus Paderborn einen gebrauchten Skoda. »Der Händler sagte, dass der Motor das Update brauche, sobald es verfügbar sei, und ich war einverstanden.« Später habe er erfahren, dass die neue Software dem Wagen möglicherweise schade. »Darum habe ich sie doch nicht aufspielen lassen.«

Das meldete Skoda dem Kraftfahrtbundesamt, und das setzte dem Paderborner eine Frist: Wenn der Wagen nicht umgerüstet werde, informiere man am 1. Februar 2018 das örtliche Straßenverkehrsamt. Das könne den Betrieb des Fahrzeugs wegen der »unzulässigen Abschalteinrichtung« gebührenpflichtig untersagen. Im Fall eines anderen Autobesitzers aus Paderborn kam es fast schon zur Zwangsstilllegung. »Der Halter hat dann doch noch eingelenkt und die Software aufspielen lassen«, sagt Kreis-Sprecherin Michaela Pitz.

Anwalt: Skepsis ist berechtigt

Die Skepsis Gotthard Rammers ist nach Meinung des auf Dieselklagen spezialisierten Anwalts Torsten Schutte berechtigt. »Nachzuweisen, dass ein Schaden von der neuen Software verursacht wurde, ist natürlich schwer. Aber ein Mandant hat zum Beispiel von VW nach der Umrüstung seine kaputte Einspritzanlage ersetzt bekommen, obwohl der Wagen sechs Jahre alt war. Diese Kulanz gibt zu denken.«

Schutte kritisiert, dass Autobesitzer vom Staat gezwungen würden, ihren Wagen zu verändern »oder enteignet zu werden«. VW habe seinen Kunden Autos verkauft, die nie den Vorschriften entsprochen hätten. »Die Folge kann doch nur sein, den Wagen zurückzunehmen und dem Kunden alle Kosten zu erstatten.« Das sei bisher aber nur in einigen Fällen erfolgt.

»Ohne Klage geht nichts«

»Ohne Klage geht nichts«, sagt Schutte. So verurteilte das Landgericht Bochum jüngst einen Skoda-Händler, einen »Superb« von 2014 zurückzunehmen und dafür einen aus aktueller Produktion zu liefern – ohne dass die Käuferin für die dreijährige Nutzung zahlen muss. Ein Software-Update müsse die Frau nicht hinnehmen, weil unklar sei, ob das nicht nachteilige Folgen habe.

Gegen die Zwangsstilllegung können sich nach Schuttes Worten nur Autohalter wehren, die bereits gegen Hersteller oder Händler klagen. »Sie können eine Einstweilige Anordnung erwirken, um die Zwangsstilllegung bis zum Ende des Prozesses hinauszuzögern.«

Laut VW haben in Deutschland bisher 90 Prozent der mehr als zwei Millionen Autos mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ein Update bekommen.

Kommentare

VW ist betrügt seine Kunden und ist dann auch noch fein raus

Kann doch nicht sein, dass VW bewusst die Kunden täuscht und nur mit einem "unsicheren Update" davon kommt. In den USA müssen sie gehörigen Schadensersatz leisten.
In Deutschland nicht, da wird über Ämtern kontrolliert, das falsche Software durch unsichere ersetzt wird. Das ist die ganze Entschädigung eines der größten Autobauers.
Wenn das Amt unser Auto stilllegt sollte man eine Lifeübertragung erbeten und VW Bosse sollten gezwungen werden sich das anzuschauen.
Unvorstellbar.

1 Kommentare

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