Sa., 15.07.2017

Leichtathletik: Timo Northoff und Amanal Petros glänzen auf internationaler Bühne Ein Tag für die Geschichtsbücher

In der Quali gezittert, im Finale dominiert: Timo Northoff dreht nach seinem Titelgewinn die obligatorische Ehrenrunde durch das Kasarani Stadium in Nairobi. Mit seinem letzten Stoß hatte der 17-Jährige sogar eine neue Weltjahresbestleistung aufgestellt.

In der Quali gezittert, im Finale dominiert: Timo Northoff dreht nach seinem Titelgewinn die obligatorische Ehrenrunde durch das Kasarani Stadium in Nairobi. Mit seinem letzten Stoß hatte der 17-Jährige sogar eine neue Weltjahresbestleistung aufgestellt. Foto: Getty Images

Von Arndt Wienböker und Henrik Wittenborn

Bielefeld (WB). 13. Juli 2017: Dieser Tag wird in die Geschichte der Bielefelder Leichtathletik eingehen. Erst kürt sich Timo Northoff (TuS Jöllenbeck) in Nairobi zum U18-Weltmeister im Kugelstoßen, dann holt Amanal Petros (SV Brackwede) bei der U23-EM im polnischen Bydgoszcz Silber über 10 000 Meter.

Weltjahresbestleistung

Es ist der Moment, von dem wohl alle Sportler in wichtigen Wettkämpfen träumen. Der Moment, der vielen von ihnen allerdings auf der ganz großen Bühne verwehrt bleibt. Der Moment, der alles topt. Für Timo Northoff kam genau dieser am Donnerstagnachmittag in Nairobi. Mit dem Wissen, vor wenigen Sekunden die U18-Weltmeisterschaft der Kugelstoßer gewonnen zu haben, weil der Weißrusse Mikhail Samuseu in seinem letzten Versuch die nötige Steigerung seiner bisherigen Weite verpasst hatte, ging der 17-Jährige vom TuS Jöllenbeck ein letztes Mal in den Ring.

Noch einmal die Kugel per Drehung Richtung Landezone pressen und auf die Weite warten: 20,72 Meter, Weltjahresbestleistung in der U18! »Ich war noch so voller Adrenalin und habe die Unterstützung von der Tribüne aus dem Deutschen Team gespürt«, erklärt Northoff den weitesten St0ß seiner bisherigen Laufbahn. Und ganz nebenbei kann er die Konkurrenz trotz dieser Fabelweite sogar noch weiter schocken: »Das war ein guter Stoß, aber es hat noch nicht alles gepasst«, meint Northoff.

Nervenflattern in der Quali

Dabei sah es am Donnerstagmorgen sogar lange Zeit so aus, als würde der 17-Jährige schon nach der Qualifikation seine Sachen packen müssen. Nach zwei zu kurzen Stößen stand der unverhoffte Favorit (der Finne Arttu Korkeasalo und sein DLV-Kamerad Jonas Tesch mussten ihre Teilnahme kurzfristig absagen) fast vor dem Aus. »Ich wusste, dass ich mich noch steigern muss, habe mich aber nicht zu sehr damit beschäftigt und die Konzentration auf den Stoß gelegt.« Northoffs Nerven sollten halten und den Engeraner auf Rang zwei der Qualifikation bringen.

So nervenaufreibend der Vorkampf verlief, so eindrucksvoll dominierte Northoff das Finale am Abend: Schon im ersten Stoß knackte er als einziger Sportler des Tages die 20-Meter-Marke und lag von Beginn an in Führung. Es folgte das Schaulaufen und der große Wurf im sechsten und letzten Versuch. Dass am Ende des Tages tatsächlich die Goldmedaille um seinen Hals baumeln würde, darauf war Timo Northoff übrigens so gar nicht vorbeireitet. »Ich wusste überhaupt nicht, was ich tun sollte«, scherzt der Weltmeister. Es folgte das wohl erste Fernsehinterview seines Lebens, das der Schüler sogar in englischer Sprache souverän über die Bühne brachte.

Petros macht Tempo

Amanal Petros (links) lag sogar phasenweise vor dem späteren Sieger Carlos Moya aus Spanien. Foto: imago

Im polnischen Bydgoszcz feierte Amanal Petros seinen bislang größten Einzelerfolg. »Ich bin super zufrieden mit Silber«, jubelte der 22-Jährige über seine erste internationale Medaille auf der Bahn. In 29:34,94 Minuten musste sich der Team-Europameister nur Topfavorit Carlos Mayo (29:28,06) geschlagen geben. Der Spanier setzte 250 Meter vor dem Ziel zum Spurt an, dem Petros nicht mehr folgen konnte. »Es war ein taktisch geprägtes Rennen. Amanal hat das super gemeistert. Er hat mit einer Temposteigerung nach 5500 Metern das Feld ausein­ander gezogen. Nur Mayo konnte noch folgen. Der war für mich von Beginn an auch der Favorit«, erklärte Petros-Coach Thomas Heidbreder.

Nach seinem Silberlauf wurde der Brackweder von Landsmann Tobias Blum (Regensburg), der Sechster wurde, auf die Schultern genommen. Stolz und glücklich ging es auf die verdiente Ehrenrunde. Petros hat nun den kompletten Satz an Europameisterschaftsmedaillen zusammen: Gold bei der Team-EM mit der deutschen A-Nationalmannschaft Ende Juni in Lille, jetzt 10 000-Silber in Bydgoszcz, Bronze bei der U23-Cross-EM 2015.

5000-Meter-Start möglich

Und an diesem Samstag könnte noch eine weitere Medaille hinzukommen, denn der 22-Jährige liebäugelt auch mit einem Start über 5000 Meter. »Wir werden das spontan entscheiden. Das ist jetzt auch eine Sache der Erholung«, erklärt Heimtrainer Thomas Heidbreder, der seinen Schützling in Polen mit Rat und Tat zur Seite steht. »Ich fühle mich topfit und kann mir gut vorstellen, beide Rennen zu laufen«, hatte Petros bereits wenige Stunden vor seinem 10 000-Lauf betont. Zu verlieren hat der Bielefelder Vorzeigeläufer sowieso nichts mehr.

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