Mo., 11.09.2017

Handball-Oberliga: TSG A-H Bielefeld deklassiert VfL Gladbeck mit 33:21 Die rote Wand

Von Jörg Manthey

Bielefeld  (WB). Ein Handballabend zum Genießen: Die TSG A-H Bielefeld hat Vorjahresvizemeister VfL Gladbeck am ersten Spieltag nach allen Regeln der Kunst weichgekocht und mit einem 33:21 (18:7)-Sieg in der optisch prachtvoll hergerichteten Seidensticker Halle gleich die Oberliga-Tabellenspitze übernommen.

Das Team lief bei Klängen des Bielefelder Rappers Casper (»Jambalaya«) durch einen Nebel ein, auf dem sich das TSG-Logo abbildete. Nach einem Traumstart sollte der Spielausgang schon nach 18 Minuten (12:2) feststehen. Die »rote Wand« der leidenschaftlich agierenden Bielefelder 6:0-Abwehr erstickte Gladbecks erstaunlich schlichte Bemühungen. Und kam mal was durch, stand mit Max Kroll ein Schlussmann dahinter, der im Zusammenspiel mit seinen Vorderleuten den Rest erledigte. Er brachte es auf 19 Paraden. Schon früh folgte beim Gegner der Ideenlosigkeit eine Ratlosigkeit. Spannung kam nicht mehr auf. Gladbecks Strategie, die Disziplin der Hausherren mit langen Angriffen bis zum Zeitspiel einzuschläfern, stach nicht.

Gänsehautmomente

Fokussiert, schicke Tore vorne, und hinten Beton angerührt: Nicht nur der TSG-Vorsitzende Wolfhardt Werner verspürte bis zum Seitenwechsel (18:7) »Gänsehautmomente«. Zwar wusste der Gegner mit einer offensiveren 4:2-Abwehrvariante die Partie im zweiten Durchgang ausgeglichener zu gestalten, doch über 22:9 (40.), 25:12 (45.) und 29:17 (52.) ließ die TSG nicht locker.

Hatte Michael Boy in der ersten Halbzeit lediglich am Kreis einen Wechsel vorgenommen (Rydergård/Fröbel), so schenkte er ab der 34. Minute nach und nach jedem seine Spielanteile. Auch der zweite Keeper Felix Hendrich hatte sein Erfolgsmoment: In der 34. Minute, beim Stand von 18:8, wehrte er einen Krönung-Siebenmeter ab. Und irgendwann stand mit Nils Strathmeier (21), Luca Sewing (21), Til Kirsch (19), Tim Schuwerack (19), »Oldie« Arne Kröger (26) und Jonas Zwaka (19) nicht nur eine ziemlich komplett andere Formation im Angriff als zu Beginn, sondern eine ganz junge dazu. »Jeder, der reinkam, hat sofort super funktioniert«, sah Boy seine Wechselstrategie bestätigt.

Rydergård sieht »Rot«

In der 51. Minute kassierte Abwehrchef Gustav Rydergård nach seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte; Schuwerack übernahm seinen Part. »Meine erste seit 2011«, erzählte Rydergård, der im Innenblock herzhaft zupackte und zum Albtraum für VfL-Kreisläufer Sebastian Janus mutierte. »Ich habe mit Juppi Krause einen kompletten Spieler neben mir«, strahlte der kompromisslose Schwede angesichts des harmonischen Riegels im Zentrum.

Emotionen und Willen

»Ich habe Emotionen und Willen gesehen. Bei jedem. Da stand eine echte Mannschaft auf dem Feld. Wir haben Gladbeck mit unserer Körperlichkeit überrascht«, sagte Trainer Michael Boy vergnügt. »Unser Rückzug war klasse.« Max Kroll sprach mit einem breiten Grinsen allen aus der Seele. »Das hat Spaß gemacht.« Der gewiefte Geschäftsführer Christian Sprdlik, der eigens aus dem Kalletal einen Handballboden sowie LED-Videobanden geordert hatte, nahm die sportliche Vorlage des Teams beschwingt auf und wertete den perfekten Auftakt als »Vertriebsturbo. Ich bin wahnsinnig stolz auf die Jungs. Es passte heute einfach alles. Aber ich bin kein Freund davon, abzuheben. Das war nur eines von 26 Spielen.«

Zweite Hälfte »nur« 15:14 gewonnen

So reibungslos hatte Marius Kastening das erste Mal nicht erwartet. »Ich bin zufrieden und glücklich. Wir haben die Zuschauer gut mitgenommen«, frohlockte der Regisseur. Michael Boy machte im Handballtempel durchaus Ansatzpunkte für Verbesserungen aus. Schließlich wurde die zweite Hälfte nur 15:14 gewonnen. Die Trefferquote ließ nach, die Geduld auch, hinten taten sich kleinere Löcher auf. Doch damit hielt er sich nicht auf. »Wir haben fast alles von dem umgesetzt, was wir wollten. Ich hoffe, wir haben noch öfter solche Tage. Die Jungs sollen diesen Abend genießen.« Trainerkollege Sven Deffte rätselte derweil: »Wir haben völlig unsere Linie verloren. So schwach habe ich meine Mannschaft seit Jahren nicht gesehen. Dieses Spiel muss schnell aus den Köpfen.«

TSG A-H Bielefeld: Kroll/Hendrich – Schuwerack (2), Zwaka (1), Kröger (3), Prüßner (8), Fröbel (1), Kastening (5), Krause (2), Strathmeier (2), Kirsch, Rydergård, Hinz (6), Sewing (3).

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