Do., 14.09.2017

Football-Play-offs: Bulldogs mit Stefan Conrad und Kai Stockfisch gegen Kiel Söldner auf Sprottenfang

Stefan Conrad ist bei den Marburg Mercenaries einer von vier Teamkapitänen. Sein Traum: der German Bowl in Berlin.

Stefan Conrad ist bei den Marburg Mercenaries einer von vier Teamkapitänen. Sein Traum: der German Bowl in Berlin. Foto: Odin Detroy

Von Jörg Manthey

Bielefeld  (WB). Für die Bulldogs ist die Meisterschaft Vergangenheit. Headcoach Willie J. Robinson hat mit den Spielern inzwischen die »Offseason« eingeläutet, wie es im Branchenjargon heißt. Zwei Bielefelder Footballgrößen fiebern dafür ihrem Karrierehöhepunkt entgegen: Stefan Conrad und Kai Stockfisch, »Söldner« bei den Marburg Mercenaries, leben ihren Traum.

»Söldner wohl, aber ohne Sold«, möchte Conrad schmunzelnd festgehalten wissen. Nach ihrem dritten Platz in der GFL 1 Süd hatte sich die Mannschaft des früheren Bulldogs-Headcoaches Dale Heffron vorzeitig für die Play-off-Spiele um die 39. Deutsche Meisterschaft qualifiziert. An diesem Samstag (16 Uhr) gastieren die Mercenaries, bei denen mit Olivera Nsingui und Neal Howey zwei weitere Ex-Bulldogs mitmischen, im Viertelfinale beim Nord-Vizemeister Kiel Baltic Hurricanes. Im Kilia-Stadion gelten die Marburger fraglos als Außenseiter, schließlich sind die Canes eine etablierte Größe im nationalen Footballgeschäft und stehen das elfte Jahr in Folge in den Play-offs.

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Wir haben einen Plan und können die Sprotten an einem guten Tag schlagen.

Stefan Conrad

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Für Stefan Conrad kein Grund, zu leise Töne anzuschlagen. »Natürlich sind wir der Underdog. Doch wir haben einen Plan und können die Sprotten an einem guten Tag schlagen. Wir müssen halt forcieren, dass wir einen guten Tag haben. Dafür muss jeder bereit sein, zehn Prozent über sein Leistungslevel zu gehen.«

GFL1 mit 37. Das Intensiv-Abenteuer an der Lahn mit Spaßbringer Heffron habe seine Erwartungshaltung übertroffen, beteuert Conrad. Und jetzt beginnt die schönste Jahreszeit. Was am Samstag ansteht, sei nochmal »eine andere Hausnummer.« Mit einer noch akribischeren Spielvorbereitung. Es kribbelt. Eine gewisse Aufregung hat auch bei dem alten Fahrensmann längst eingenistet. Stefan Conrad, dem sie am Teuto den Spitznamen »Opa« verpassten, ist auch in Marburg Frontmann und einer von vier Teamkapitänen. Vom Lebensalter kann man im Football nicht auf die sportliche Leistung schließen. Der D-Liner hat sämtliche 14 Partien absolviert und gehört mit 62 Tackles (das Zu-Boden-Bringen eines Ballträgers durch einen körperlichen Angriff) zu den 50 besten Verteidigern der Liga. Teamintern weisen bloß Michael Taylor und Neal Howey, mithin zwei US-Boys, mehr Tackles auf.

Stockfisch hat »viel dazugelernt«

Obwohl sie sich Ende 2016 aus Bielefeld verabschiedeten, schlägt beider Herz immer noch für die wilden Hunde. Conrad und Stockfisch unterstützen den Klub wie zuvor auch als Sponsor. »Ich brenne wie eine Fackel. Kiel hat zuletzt zweimal verloren. Schaun mer mal«, sagt O-Liner Kai Stockfisch verschmitzt. Der erfahrene Quarterback-Beschützer, der am Dienstag seinen 30. Geburtstag gefeiert hat, war nur ein Spiel aufgrund eines Innenbandanrisses außer Gefecht und gehörte ansonsten mit zu Marburgs erster Garde. Nach dem wohlverdienten Urlaub im Oktober will der Spieler über seine sportliche Zukunft entscheiden. »Das war sehr zeitaufwändig mit der Fahrerei. Aber ich habe echt viel dazugelernt, weil der Football auf diesem Niveau einfach viel physischer, viel schneller ist. Es geht inzwischen aber auch an die Substanz«, gibt Stockfisch offen zu. Eigentlich möchte er nur ungern seine Laufbahn in der 3. Liga fortsetzen. »Mal gucken, was so für Angebote kommen«, meint Stockfisch, der sich natürlich trotzdem eine Rückkehr zu seiner alten Liebe vorstellen kann.

Conrad will zum German Bowl – als Spieler

Alles oder Nichts. »Ich hoffe, wir können nächste Woche nochmal über das Halbfinale plaudern. Ziele hoch zu stecken, ist nichts Negatives«, sagt Stefan Conrad zum Abschied und wünscht sich dann Süd-Meister Schwäbisch Hall zum Gegner. »Mit denen haben wir noch zwei Rechnungen offen.« Es ist wohl schon lange her, doch der Satz, mit dem er im Dezember des Vorjahres die Motivation seines Wechsel nach Marburg in die GFL 1 erläutert hatte, hat heuer immer noch Gültigkeit. »Ich will zwingend am 7. Oktober zum German Bowl XXXIX nach Berlin. Das würde ich als Spieler vorziehen und nicht als Zuschauer.«

Kiel hatte sich 2010 mit einem Finalsieg über die Berlin Adler die Krone aufgesetzt. 2013 waren beide Klubs schon mal in den Play-offs aufeinandergetroffen. Damals gab’s eine 9:47-Niederlage für Marburg. Die weiteren Paarungen um die Deutsche Meisterschaft: Schwäbisch Hall Unicorns – Berlin Rebels, New Yorker Lions – Ingolstadt Dukes, Samsung Frankfurt Universe – Dresden Monarchs. Die Halbfinalpartien werden am 23./24. September gespielt.

 

 

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