Sa., 04.11.2017

Fußball-WG Laura Liedmeier/Josephine Giard wirkt vor dem Derby ganz entspannt Vorglühen in der Küche

Gemütliches Vorglühen: FSV-Torjägerin Josephine Giard und Arminias Laura Liedmeier (rechts) spielen sich in der Küche warm.

Gemütliches Vorglühen: FSV-Torjägerin Josephine Giard und Arminias Laura Liedmeier (rechts) spielen sich in der Küche warm. Foto: Manthey

Von Jörg Manthey

Bielefeld (WB). Laura Liedmeiers unangenehmes Andenken ans wuchtige 1:2 gegen Cloppenburg: eine geschwollene Gesichtshälfte. Und jede Menge Verdruss. »Für so ein Spiel kann man sich ruhig mit einem Punkt belohnen«, grummelt sie. Zeit zum Ärgern bleibt nicht. Schließlich steht Sonntag (14 Uhr, Waldstadion Quelle) ein wichtiges und besonderes Spiel an – gegen ihre WG-Genossin Josephine Giard. Ideale Gelegenheit zum Frustabbau.

Die Erzrivalen DSC Arminia und der FSV Gütersloh unter einem Dach vereint: das funktioniert! Kochen, quatschen, aufräumen, lernen, Musik hören – seit fast zwei Jahren bilden DSC-Mittelfeldspielerin Laura Liedmeier (20) und FSV-Torjägerin Josephine Giard (21) eine ebenso lustige wie sportive Fußball-WG. Da wird der Küchentisch auch schon mal spontan mit wenigen Handgriffen zur Tischtennisplatte umfunktioniert, die Pfanne zum Schläger.

Keine Sticheleien

1:1 Derbytore: Vor Sonntag steht es in dieser Statistik unentschieden zwischen den WG-Freundinnen, die sich mit fiesen Sticheleien zurückhalten. Die 1,62 Meter große Josephine Giard, die Henstedt-Ulzburg beim 9:2-Streich gleich viermal einschenkte, führte die Liga-Torschützenliste in den ersten Wochen mit neun Treffern alleine an – bis Arminia-Kollegin Sarah Grünheid gleichziehen konnte. »In der vorigen Saison hatte ich viele Chancen liegen gelassen. Das sollte diesmal anders werden. Also nahm ich mir vor, vor dem Tor weniger zu denken, jeglichen Druck von außen auszublenden«, erzählt Giard. Nur ihren eigenen Druck als Antrieb zu nutzen, das stellte sich bislang als stimmiges Mittel heraus.

»Nicht überpacen«

Laura Liedmeier, Bielefelds kernige Frau Zuverlässig im zentralen defensiven Mittelfeld mit starken Zweikampfwerten, freut sich auf »Kampf auf tiefem Boden.« Und mahnt: »Wir dürfen nicht überpacen. Ich könnte mir vorstellen, dass manch eine vielleicht zu viel will. Es muss uns gelingen, das Drumherum auszuschalten.« Es ist höchst wahrscheinlich, dass sich Liedmeier und Giard auf dem Rasen mal in die Quere kommen. Dann gibt’s kein Pardon. »Auf dem Platz ist eine andere Welt. Da ruht jede Freundschaft«, erklärt das Duo unisono.

Arminias Fehlpassquote im Vorwärtsgang war Laura Liedmeier zuletzt ein Dorn im Auge. »Reine Konzentrationsschwäche. Wir müssen lernen, nicht unbedingt den schönsten, sondern vielmehr den einfachen Ball direkt in den Fuß zu spielen.« Und solch fatale Nachlässigkeiten wie am Mittwoch tunlichst abzustellen.

Vor 13 Monaten kassierte der FSV Gütersloh im DFB-Pokal in der Schüco-Arena eine empfindliche 2:6-Pleite, die kurzzeitig an den Festen des OWL-Nachbarn rüttelte. »Danach haben wir uns als Mannschaft zusammengerissen. Uns geschworen, unser Ding zu machen; ganz egal, was draußen passiert. Diese mannschaftliche Geschlossenheit ist eine richtig große Stärke von uns geworden«, findet Josephine Giard. Bringen freilich ein, zwei Topspielerinnen nicht ihre Leistung, mache sich das sofort bemerkbar. Gegen Arminia fehlt wegen Gelb-Rot-Sperre Spielmacherin Marie Pollmann. »Sie ist unser kreativer Mittelfeldmotor. Ein klarer Verlust für zielstrebigen Vollgas-Fußball, auch in Sachen Aggressivität. Absolut schade«, bedauert Giard, die nach einigem Nachdenken eine weitere Baustelle ausmacht. »Auf Naturrasen können wir nicht so gut.« Aber: »Wir müssen ja nicht Erster werden. Sechster reicht auch.«

Training auf hohem Niveau

Laura Liedmeier hat ein gutes Gefühl. Das zieht sie vor allem aus dem Trainingsbetrieb. »Da steckt Pep und Power drin. Wir trainieren auf hohem Niveau.« Sie spielt in der vierten Saison bei Arminia und davor in Gütersloh. Zusammen mit ihrer WG-Gefährtin nahm sie im Teenageralter mehrfach an Camps der Fußballschule Doppelpass in Boltenhagen teil – unter der Regie Markus Wuckels.

Sollten Arminia und Gütersloh ihr Vorhaben, sich für die eingleisige 2. Bundesliga zu qualifizieren, im Gleichschritt schaffen, wird dieser Erfolg zumindest für Laura Liedmeier zu einer logistischen Herausforderung. »Das dürfte einen weiteren erhöhten Zeitaufwand mit sich bringen. Ich weiß nicht, ob ich das noch schaffe«, erzählt die Jura-Studentin zurückhaltend. Josephine Giard beginnt im nächsten Jahr mit ihrer Bachelorarbeit. Die Stürmerin, die an Diabetes leidet und zwecks normnaher Blutzuckereinstellung permanent eine Insulinpumpe trägt, studiert Molekulare Biotechnologie (5. Semester). Ihre eigene Geschichte treibt sie an. »Es wäre traumhaft, wenn es mir gelänge, die Behandlung oder gar Heilung dieser Volkskrankheit mit voranzutreiben.«

Der FSV Gütersloh war im DFB-Pokalwettbewerb am künftigen DSC-Gegner klar gescheitert (0:6). »Dabei haben wir gegen Turbine Potsdam ganz gut gespielt, aber ärgerliche Gegentore kassiert«, erzählt Josi Giard. Sie spricht Arminia Mut zu: »Potsdam ist nicht unverwundbar. Möglichst lange ohne Gegentor zu bleiben, darauf wird es ankommen.«

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