Do., 09.11.2017

3.000-m-Ass des TSVE will sich für die U18-EM in Ungarn qualifizieren Erdmann und die dicken Fische

Clemens Erdmann in Siegerpose: Über 3.000 Meter und 10.000 Meter ist der TSVE-Athlet Spitze in Deutschlands Altersklasse U18.

Clemens Erdmann in Siegerpose: Über 3.000 Meter und 10.000 Meter ist der TSVE-Athlet Spitze in Deutschlands Altersklasse U18.

Von Jörg Manthey

Bielefeld (WB). Clemens Erdmann startet durch. Der 16-jährige Mittelstreckler des TSVE 1890, der über 3.000 Meter die deutsche U18-Jahresbestenliste deutlich anführt, hat in Gütersloh eine vielversprechende Premiere auf der Langdistanz abgeliefert. In 32:46 Minuten lief er auf Anhieb eine nationale 10.000-Meter-Topzeit (wir berichteten) – Platz zwei im DLV!

Nur logisch, dass Clemens Erdmann Anfang des Monats in den Nachwuchskader Langstrecke des Deutschen Leichtathletik-Verbandes berufen worden ist. Auch Amanal Petros (SV Brackwede, Langstrecke), Kathrin Grenda (TuS Jöllenbeck, Sprint), Timo Northoff (TuS Jöllenbeck, Kugelstoß) und Pia Northoff (TuS Jöllenbeck, Diskus) gehören dem neuen Bundeskader an.

Trainiert wird Clemens Erdmann von seinem Vater. »Hat ja bislang ganz gut geklappt«, schmunzelt Christof Schlüter (52), der sich Trainingspläne »in Eigenregie zusammengestrickt.« Für seinen Schützling findet er lobende Worte. »Clemens ist sehr diszipliniert, was Training und Ernährung angeht.« Motivationsprobleme? Fehlanzeige!

Eigentlich ist der Elftklässler am Ratsgymnasium ja ein »gelernter« Triathlet. 2008 hatte er mit dem Schwimmradlaufen begonnen. Leistungsorientiert ist dieses Kapitel inzwischen zugeklappt, das regelmäßige Schwimmtraining (beim SC Steinhagen-Amshausen) aber geblieben. Sicher auch ein Mosaikstein des Erfolgs, der vortrefflichen Ausdauer.

Trainingslager an der Adria

Jugend-Bundestrainer Pierre Ayadi hatte Clemens Erdmann, seinen TSVE-Genossen Florian Bochert und Christof Schlüter in den Herbstferien zu einem vereinsübergreifenden Trainingslager nach Milano Marittima an der italienischen Adria eingeladen. Täglich Sonne, 17 bis 22 Grad, im Hotel Ambra wunderbar betüddelt – die 60-köpfige Gruppe fand in den acht Tagen ideale Bedingungen zum Erwerb von Grundlagerausdauer vor. »Zum ersten Mal hatte ich zwei Laufeinheiten am Tag«, berichtet Erdmann von gesteigerten Umfängen.

Mehr als 100 Laufkilometer kamen zusammen. In den roten Bereich sackte er nie ab. »Clemens’ Laktatwerte waren top«, freut sich Christof Schlüter, der reichlich Input erhielt. Auch Pierre Ayadi zeigte sich angetan. »Wir haben uns in Italien beschnuppern können. Sehr angenehm, die Truppe aus Bielefeld, sehr sympathisch.« Und er traut seinem neuen Kadermitglied eine Menge zu. »Für die Leistung, die Clemens bringt, hat er gar nicht so viel trainiert. Den nötigen Ehrgeiz bringt er aber mit. Da sind noch Leistungssprünge zu erwarten.«

Das Ziel: 8:30 Minuten knacken

Demnächst stehen in Herten die Westfälischen Crossmeisterschaften auf dem Terminkalender. »Die Bahn bleibt aber mein Favorit«, beteuert Clemens Erdmann. Abgemacht ist, dass er in der Hallensaison – Höhepunkt ist die Indoor-Jugend-DM – auf der 200-Meter-Bahn öfters Unterdistanzen wählt (800 m, 1.500 m), um sich weitere Grundschnelligkeit und Tempohärte anzueignen. Im Frühjahr steht die Qualifikation für die 2. U18-Europameisterschaft in Györ/Westungarn (12. bis 15. Juli 2018) an. Um dafür ein 3.000-Meter-Ticket zu lösen, muss Erdmann schneller laufen als 8:30 Minuten. Keine illusorische Zeit. »Es fehlen bloß acht Sekunden. Wenn ich bis dahin verletzungsfrei durchkomme und einen guten Tag erwische, traue ich mir das zu.«

Hatte Clemens Erdmann doch im Juni für ein erstes internationales Ausrufezeichen gesorgt. Bei der Laufnacht in Regensburg war der 3.000-Meter-Lauf als Qualifikationslauf für das »European Youth Olympic Festival« in Ungarn ausgelobt. Die Marke, die dafür geknackt werden musste: 8:35,00 Minuten. Die verpasste der Bielefelder, mit einer Bestzeit von 8:52 Minuten angereist, zwar um 3,71 Sekunden, konnte sich aber damit trösten, dass zu dem Zeitpunkt in Europa nur vier 16-Jährige schneller waren als er und er als Zweiter im Ziel mit 8:38,71 Minuten einen deutschen Jahresrekord aufstellte. »Das war einfach ein perfekter Abend. Danach wusste ich, was ich kann.«

Abschalten beim Angeln

2017 ist sein erfolgreichstes Jahr. Dem dicken Fisch aus Bayern werden gewiss noch manche folgen. »In meiner Freizeit gehe ich gerne mit meinem Opa angeln. Das ist zwischendurch ganz schön«, erzählt Clemens Erdmann, der schon einen kleinen Wels, Lachsforellen oder Rotaugen aus dem Wasser geholt hat.

Die 10.000 kurzfristig anberaumten Straßenmeter von Gütersloh, die ihm am Sonntag nach einem beeindruckenden Sololauf eine Siegprämie von 100 Euro bescherten, sollen übrigens bloß ein Kurzausflug gewesen sein. Clemens Erdmann: »Mein Fokus bleibt erstmal auf der 3000-Meter-Distanz, weil mir diese Strecke einfach am meisten Spaß macht.«

Clemens Erdmanns Topzeiten

10.000 Meter: 32:46 Minuten, Zweiter der deutschen U18-Jahresbestenliste.

3.000 Meter: 8:38,71 Minuten, Platz eins der deutschen U18-Jahrensbestenliste.

1.500 Meter: 4:13,81 Minuten.

800 Meter: 2:02,13 Minuten

300 Meter: 43,70 Sekunden.

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