Do., 12.10.2017

Start beim Wälle-Lauf ist für DSC-Pressesprecher Tim Santen (30) ein Ausflug in die Vergangenheit Dieser Armine schnürt die Laufschuhe in Herford

In der Brüderstraße überprüft DSC-Pressesprecher Tim Santen (30) noch einmal seine Schnürsenkel, bevor es auf die Trainingsrunde rund um die Innenstadt geht. Am Sonntag will der gebürtige Herforder beim Auto Mattern Wälle-Lauf über die 10 Kilometer lange Strecke starten.

In der Brüderstraße überprüft DSC-Pressesprecher Tim Santen (30) noch einmal seine Schnürsenkel, bevor es auf die Trainingsrunde rund um die Innenstadt geht. Am Sonntag will der gebürtige Herforder beim Auto Mattern Wälle-Lauf über die 10 Kilometer lange Strecke starten. Foto: Jan Gruhn

Von Jan Gruhn

Herford/Bielefeld (WB). Auf der Brust trägt er das Wappen von Arminia Bielefeld, im Innern ist er aber immer noch Herforder: DSC-Pressesprecher Tim Santen startet am Sonntag beim Auto Mattern Wälle-Lauf in Herford . Warum diese zehn Kilometer durch die Herforder Innenstadt für ihn etwas besonderes sind, hat er auf einer Trainingsrunde verraten.

Es ist schon dunkel, als Tim Santen (30) mit langen Schritten auf den Rundweg abbiegt, der die Herforder Innenstadt umschließt. Der Boden ist nass, es hat den ganzen Tag geregnet. Gegen die anziehende Herbstkälte hat sich der knapp zwei Meter große Mann mit Fünf-Tage-Bart einen blauen Kapuzen-Pulli übergestreift. Auf der Brust prangt das Logo von Arminia Bielefeld. Seit Januar 2013 ist er Pressesprecher des Fußball-Zweitligisten.

Zur Saisonvorbereitung über die Wälle

Die Strecke, über die am Sonntag auf die Teilnehmer des Wälle-Laufes traben werden, kennt Santen nur zu gut. Als er noch für die SG FA Herringhausen-Eickum die Fußballschuhe geschnürt hat, hat sein damaliger Trainer Marc Schmidt die Jungs in der Saisonvorbereitung um die Stadt gejagt. »Die letzten hundert Meter waren immer ein kleiner Wettbewerb«, erinnert sich Santen mit einem Schmunzeln im Gesicht an Schlussspurts bis zur Belastungsgrenze.

Tim Santen (hinten) bei der Arbeit. Foto: Thomas F. Starke

Der Sport spielte in Santens Lebens schon immer eine große Rolle. Beim TSV Sundern wurde er sogar mal Vereinsmeister im Tennis. »Es gab früher Tage, da stand ich zwei Stunden auf dem Tennis-Platz und bin anschließend noch zum Fußball gefahren.«

Fünfacher »Finisher« beim Hermannslauf

Heute ist er vor allem Langstreckenläufer. Fünfmal hat er schon die 31,1 Kilometer des Hermannslaufes von Detmold nach Bielefeld gemeistert – und ist zum Teil auch schon in einer knackigen Zeit unter 2:40 Stunden ins Ziel gekommen.

Sogar beim Berlin-Marathon ist er schon gestartet. Und der Wälle-Lauf in Herford? Zehn Kilometer durch die alte Heimat. »Als Herforder muss man den einfach gelaufen sein.«

Industriekaufmann, Zivi, Politik-Student – und dann der DSC

Plötzlich biegt der 30-Jährige ab. Eine halbe Stunde dauert der Trainingslauf da schon. Vor dem Haupteingang des Ravensberger Gymnasiums hält er an. »Meine alte Schule.« Bevor es ihn in den Profi-Fußball zog, hat er nach dem Abitur etwas Handfestes gelernt: Industriekaufmann beim Möbelbeschläge-Hersteller Hettich. Anschließend Zivildienst bei den Herforder Werkstätten, Politik-Studium an der Uni Bielefeld. In dieser Zeit hat er auch seine erste Schritte beim DSC gemacht.

Aus dem Studenten-Jobber wurde später der Presse-Chef. Nach Abpfiff holt er die Spieler in die Mixed-Zone für die Medien-Statements. Dann heißt es: »Herzlich Willkommen zur Pressekonferenz nach dem Spiel.«

Doch natürlich seien das nicht seine einzigen Aufgaben. Der Terminkalender ist vollgepackt, nicht nur am Spieltag. Wer mit und in den Medien arbeitet, hat praktisch niemals Feierabend.

Schwarz-weiß-blaue Gefühlsachterbahn

Die sportliche Situation bei Arminia ist vor allem eines nicht: langweilig. Der Abstieg 2011 in die 3. Liga, der Wiederaufstieg 2013. Und der erneute Abstieg. Die Chef-Trainer kamen und gingen: Stefan Krämer, Norbert Meier. Aktuell hält der Luxemburger Jeff Saibene die Mannschaft auf Top-Fünf-Kurs.

Das ständige Auf und Ab bei Schwarz-Weiß-Blau ist für die Bielefeld-Fans mitunter eine halsbrecherische Gefühlsachterbahn. Wie muss es dann erst für jemanden sein, dessen Job sich genau darum dreht?

Santens lange Schritte auf dem Pflaster entlang der Werre klingen stetig, regel­mäßig wie ein Uhrwerk. Es ist ein Stück ostwestfälische Gelassenheit, die er zumindest beim Laufen vor sich herträgt.

»Ein kleiner Lauf in die Vergangenheit«

»Herford hat schon einiges zu bieten«, sagt Santen, als er auf den Deichtorwall einbiegt. Darauf dürfen sich auch die Teilnehmer des Wälle-Laufs freuen. »Man läuft ja schließlich an den ganzen ­schicken Häusern der Innenstadt vorbei.«

Bis zu 1500 Läufer aller Altersklassen bahnen sich am ­Wochenende vom Ludwig-Jahn-Stadion aus den Weg durch die Stadt. Tim Santen wird einer von ihnen sein. »Ich finde es gut, dass der Wälle-Lauf hier so viele Unterstützer hat.« Das tue dem Breitensport sichtlich gut.

Die letzten Meter der Trainingsrunde. Santen schüttelt sich den Schlussspurt aus den Beinen, die mit Dreckspritzern vom regennassen Boden übersäht sind. Auf dem Alten Markt schaut er sich noch einmal um. Die Innenstadt liegt im Dunkeln.

»Das war für mich wie ein kleiner Lauf in die Vergangenheit«, überlegt der Wahl-Bielefelder, in dessen mit dem Arminia-Wappen verzierten Brust ein Herz für Herford schlägt. Jetzt stattet er noch seinen Eltern in Hiddenhausen einen Besuch ab. Und am Sonntag geht’s dann wieder auf die Wälle.

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