Fr., 27.10.2017

Ex-Profi und Nationalspieler Heiko Bonan ist wohltuend kritisch Heiko Bonan: »Fußballer benötigen die andere Sicht«

Beim Bezirksligisten FC BW Weser führt Heiko Bonan Regie. Der Ex-Nationalspieler und Profikicker hat im kleinen und großen Fußball eine kritische Sicht auf die Dinge. Mit dem FC BW Weser zählt für den 51-Jährigen nur den Klassenerhalt. Bonan zieht auch schon einmal ein gutes Buch Bundesligaspielen im TV vor.

Beim Bezirksligisten FC BW Weser führt Heiko Bonan Regie. Der Ex-Nationalspieler und Profikicker hat im kleinen und großen Fußball eine kritische Sicht auf die Dinge. Mit dem FC BW Weser zählt für den 51-Jährigen nur den Klassenerhalt. Bonan zieht auch schon einmal ein gutes Buch Bundesligaspielen im TV vor. Foto: Michael Risse

Beverungen (WB/üke). Der Mann schaut über den berühmten Sportler-Tellerrand hinaus. Verständlich bei der bewegten Fußballer-Karriere. Heiko Bonan hat das letzte Länderspiel für die ehemalige DDR bestritten und war nach der Wiedervereinigung unter anderem Profikicker beim Karlsruher SC und VfL Bochum. Der 51-jährige Trainer bewältigt aktuell mit dem Bezirksligisten FC BW Weser eine schwierige Saison. WB-Redakteur Jürgen Drüke hat die interessante Sicht der Dinge des Ex-Profis über den großen und kleinen Fußball erfahren.

Herr Bonan, am vergangenen Sonntag haben sie mit dem FC BW Weser 7:1 gegen den SC Espeln gewonnen. War das die richtige Antwort auf die ihrer Mannschaft bereits nachgesagte Krise in der Bezirksliga?

Heiko Bonan: In der Überschrift über das Spiel hat das WESTFALEN-BLATT in seiner Montagsausgabe das Wort Befreiungsschlag verwendet. Das Wort habe ich und hätte ich nicht gebraucht. Es war nämlich noch kein Befreiungsschlag. Gegen Espeln ist bei uns vieles gut gelaufen und einiges aufgrund des Spielverlaufs für uns glücklich verlaufen. Entscheidend sind in den kommenden Wochen Leistung, Wille und Einstellung. Die Spieler müssen es unbedingt wollen. In den fünf vorhergehenden Begegnungen haben wir nur ein Unentschieden auf die Reihe gebracht und viermal verloren. Nach acht Punkten aus den ersten vier Saisonspielen sind wir zudem nicht abgehoben und von einer schwierigen Saison ausgegangen.

Gute Spieler haben FC verlassen

 

Warum ist es eine schwierige Saison?

Bonan: Weil uns nach den beiden vergangenen Spielzeiten jeweils gute Spieler verlassen haben. Es sind junge Akteure nachgerückt. Allerdings ist unser Kader sehr klein. Wenn ich die aus dem A-Juniorenteam hochgemeldeten Youngster abziehe, dann haben wir gerade 15 Spieler. Es wäre vermessen, einen Platz unter den ersten fünf Mannschaften als Ziel zu haben. Wir haben zwölf Punkte aus zehn Spielen und kämpfen um den Klassenerhalt. In der Liga sind die Verhältnisse sehr ausgeglichen, viele Teams haben die gleichen Probleme wie der FC BW Weser. Vom ersten Abstiegsplatz und dem Viertletzten SC Borchen sind wir ganze drei Zähler und vom Spitzenreiter SCV Neuenbeken bereits 17 Punkte entfernt.

 

Was ist aus Sicht des FC BW Weser nun wichtig?

Bonan: Eine gute Trainingsbeteiligung. Die ist in der heutigen Zeit allerdings aufgrund der zahlreichen Studenten und Schichtdienstarbeiter, die oft nur einmal in der Woche trainieren können, schwer zu erreichen. Zudem sollte sich jeder junge Mann immer wieder vor Augen führen, dass die Bezirksliga eine untere Liga ist und diese im Kreis Höxter so hoch im Kurs steht, weil es hier keinen höherklassigen Fußball gibt. Die SpVg. Brakel ist Landesligist und damit bereits die Nummer eins im heimischen Raum. Das ist im Vergleich zu anderen Nachbarkreisen, Städten und Regionen nicht gerade sehr viel. In den Kreisen Paderborn, Gütersloh oder in der ostwestfälischen Hauptstadt Bielefeld sind die Verhältnisse ganz andere. Die Tageszeitungen und Medien im Kreis Höxter berichten gut und intensiv über den Fußball. Das wissen allerdings nicht alle Spieler einzuordnen. Heimische Trainer und Kicker agieren sehr weit unten. Zurück zum FC Weser: Bei uns geht es nur mit der mannschaftlichen Geschlossenheit. Das muss unsere Visitenkarte sein. Das Ziel werden wir nur gemeinsam erreichen. Wir haben sicherlich keinen überragenden Akteur. Ich habe es auch in höheren Ligen als Trainer immer so gehalten, dass ich niemals einen Fußballer herausgestellt habe. Selbst wenn es diesen gegeben hat.

Wohltuend kritisch

 

Sie haben eine wohltuend offene und kritische Sicht auf die Dinge. Der Fußball im Kreis Höxter ist demnach überbewertet?

Bonan: Der Fußball steht generell in allen Medien an erster Stelle. Dabei wird übersehen, was in anderen Sportarten geleistet und wie intensiv dort trainiert wird. Wer kann die Millionentransfers im Profibereich denn überhaupt noch verstehen? Das ist nicht nachvollziehbar. Leichtathleten trainieren vier- bis fünfmal in der Woche, bestreiten starke Wettkämpfe und erhalten kaum ein mediales Interesse. Vom Geld wollen wir erst gar nicht sprechen. Im großen und im kleinen Fußball wird sicherlich nicht am meisten und intensivsten trainiert. Wenn wir es auf den Kreis Höxter ­herunterbrechen, bedeutet das, der A-Liga wird selbst an einem stinknormalen Spieltag mindestens eine halbe Seite mit Fotos und Berichten in den Tageszeitungen eingeräumt. Auf der anderen Seite gibt es mit dem TuS Bad Driburg einen Tischtennis-Bundesligisten und gute Leichtathleten. TuS und Athleten werden von den heimischen Medien im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern mit angemessener Berichterstattung gewürdigt. Viele heimische Kicker schätzen nicht ein, was in diesen Sportarten geleistet wird und stellen sich mit ihrem SV, TuS oder FC mit dem Champions League-Teilnehmer TuS Bad Driburg auf eine Stufe. Was ein talentierter Nachwuchs-Leichtathlet aus dem Kreis Höxter bewerkstelligt, kann mangels Wissen nicht mehr eingeordnet werden. Fußballer benötigen die andere Sicht auf die Dinge. Sie sollten andere Sportarten beachten.

Kreis Höxter läuft hinterher

 

Sie wollen, dass es im heimischen Fußball voran geht. Woran hapert es am meisten?

Bonan: Die Infrastruktur ist oft nicht vorhanden. Sicherlich gibt es nichts dagegen einzuwenden, dass schlechte und nicht mehr zeitgemäße Sportanlagen geschlossen werden. Dafür sollten allerdings auf der anderen Seite moderne und den veränderten Ansprüchen der Bürger gerechte Sportanlagen entstehen. Hier im Kreis Höxter müsste es viel mehr Kunstrasenplätze und bessere Sporthallen geben. In Bielefeld werden schnell fünf Kunstrasenplätze erstellt, hier werden in einigen Kommunen Aschenplätze saniert. Das geht an den Bedürfnissen vorbei. So kann der Sport und der Fußball nicht gefördert werden. Die Fußballerinnen des Westfalenligisten SV Bökendorf haben nur einen Rasenplatz und müssen sich mühevoll nach einem weit entfernten Kunstrasenplatz im Kreis Höxter umsehen, um im Winter trainieren zu können. Wie sollen sich heimische Mannschaften so gegen Teams aus anderen Kreisen behaupten? Räte, Verwaltungen und Bürger müssen ganz schnell umdenken.

Schiedsrichter sind verunsichert

 

Zurück zum großen Fußball. Haben Sie RB Leipzig gegen den FC Bayern München vor dem Fernseher verfolgt?

Bonan: Ja, es war eine spannende Partie. Generell wird vom FC Bayern immer der Sieg erwartet. Was dieser Verein über Jahrzehnte leistet, das ist enorm. Leipzig hat sich super entwickelt, eine gute Mannschaft und spielt höchstes Niveau. Deshalb wäre ein Leipziger Siegt möglich gewesen. Der nicht gegebene Elfmeter hat mir auch gezeigt, wie verunsichert die Schiedsrichter inzwischen sind. Das liegt am Videobeweis, obwohl es den in diesem DFB-Pokalspiel nicht gab, holte der Unparteiische Hilfe und hat diese bei seinem Schiedsrichterassistenten eingeholt. Der Schiedsrichter hat seinen Assistenten befragt und dessen Sicht zugrunde gelegt. Dabei war der Hauptreferee viel näher dran.

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