Fr., 13.01.2017

Bernd Haake erobert seit Jahrzehnten die Eishockey-Hallen rund um den Globus Vom Schlossteich bis zum WM-Titel

Legenden unter sich: (von links) Bernd Haake, Werner Niemeyer und Heinz-Dieter Holsing prägten vor fast 50 Jahren die Fußball-Zeit des SuS Holzhausen. Haake zog weiter und eroberte anschließend die Eishockey-Welt als Trainer und Manager.

Legenden unter sich: (von links) Bernd Haake, Werner Niemeyer und Heinz-Dieter Holsing prägten vor fast 50 Jahren die Fußball-Zeit des SuS Holzhausen. Haake zog weiter und eroberte anschließend die Eishockey-Welt als Trainer und Manager. Foto: Ingo Notz

Von Ingo Notz

Lashorst/Bad Holzhausen (WB). Heiß auf Eis! Das Feuer in den hellwachen Augen verrät: Auch nach 65 Jahren brennt die Leidenschaft für »seinen« Sport in ihm. Bernd Haake hat es vom kleinen Jungen, der auf dem Hüffer Schlossteich erste Gehversuche auf Schlittschuhen absolvierte, zu einem rund um den Globus anerkannten Eishockey-Pionier gebracht. Von Lashorst in die weite Welt!

»Begonnen hat alles auf dem Schlossteich Hüffe . Die Dörfer haben damals untereinander Eishockey gespielt«, erinnert sich Bernd Haake an die Anfänge seiner »großen Leidenschaft: Ich bin noch auf Natureis groß geworden. Ende November war ich immer auf dem Eis – damals blieb das ja noch drei, vier Monate. Wir sind auch oft zum Dümmer gefahren und haben dort gespielt.«

Eine Leidenschaft, die logistische Meisterleistungen erforderte: In der Ausbildung ging der Jahresurlaub für Eishockeyaufenthalte beim EV Füssen (1962-65) drauf, in der Heimat war die Suche nach einem passenden Eishockey-Verein schnell schwieriger als auf dem Rasen. Als Fußballer hatte er mit elf Jahren im BSC Blasheim angefangen – und gehörte auch da schnell zu den Besten seines Alters. Genau wie Heinz-Dieter Holsing . Zwei Talente, die nicht lange dem wachen Auge des damaligen Scouts des SuS Holzhausen verborgen blieben: Werner Niemeyer. »Man hatte seine Ohren ja überall«, grinst der – und hatte damals nicht locker gelassen, ehe beide das Trikot des SuS trugen. Gegen die Niemeyer’schen Überzeugungskünste hatten beide keine Chance. »Werner ist eine Legende«, verneigt sich Haake vor seinem Entdecker. Gemeinsam waren sie bis 1974 in Holzhausen am Ball, stürmten auf dem Rasen bis in die Landesliga.

Zweite Liga in Bremen

Auf dem Eis ging es parallel dazu noch höher hinaus. In Bremen wurde Haake dann fündig, vier Jahre spielte er dort in der Zweiten Liga – der aufwendige Spagat zwischen Fußball und Eishockey auf hohem Niveau begann. »Ich bin oft nachts um drei erst vom Eishockey aus Bremen gekommen und habe dann nachmittags in Holzhausen Fußball gespielt.« Später, im Studium in Bielefeld, teilte er sich mit Heinz-Dieter Holsing eine Wohnung. Als er im Rahmen seines Lehramt-Studiums nicht nur als freiwilliger Helfer bei den Olympischen Spielen in München aktiv dabei war, sondern später auch für das Staatsexamen in der bayrischen Landeshauptstadt recherchierte, wurde er dort vom Fleck weg vom Deutschen Eishockey-Bund als Konditionstrainer für die U16-Nationalmannschaft verpflichtet. Es war die Turbozündung einer beeindruckenden zweiten Laufbahn im Eishockey – als Trainer, Manager, Sportdirektor. Der Lashorster Eishockey-Pionier Haake entwickelte sich schnell zum weltweit agierenden Tausendsassa, sorgte zwischendurch noch als Spartenleiter im SV Brackwede für den Bau der ersten Eishalle in Bielefeld und kann heute auf eine beeindruckende Karriere in der Eishockey-Szene zurückblicken.

Kontakte nach Kanada

Den Herforder EV brachte er bis in die Dritte Liga (»Der TBV Lemgo und Arminia Bielefeld hatten damals weniger Zuschauer als wir! Das waren schon besondere Zeiten.«), Kontakte rund um den Globus knüpfte er schon während eines Stipendiums im Eishockey-Mutterland Kanada in Edmonton und Calgary, unter anderem zum späteren Bundestrainer George Kingston – der rund 40 Jahre später zu seinem Assistenten als Nationaltrainer Litauens werden sollte. Seit 1982 war Haake als Betreuer kanadischer und US-amerikanischer Nationalmannschaften regelmäßig bei Weltmeisterschaften im Einsatz und lernte dabei auch die größte Eishockey-Legende aller Zeiten kennen: »2011 war Wayne Gretzky als Direktor mein Boss!« 1994 feierte Haake mit dem Kölner EC den Gewinn der Deutschen Meisterschaft und stand 1995 im Finale des Europapokals der Landesmeister: »Bis zweieinhalb Minuten vor Schluss führten wir 2:1. Dann kam ein dummes Foul, das 2:2 – und im Penalty-Schießen haben wir verloren.«

Aktuell in Litauen

Nach erfolgreichen Stationen in vier Jahrzehnten als National- und Vereinstrainer in Spanien, Neuseeland, Australien Südafrika, Namibia und Italien (2000 wurde er mit Bozen Landesmeister) war Haake bis 2012 wieder – diesmal für Iserlohn – in der DEL aktiv, ehe es den Lashorster nach Litauen zog. Dort ist er als Vereinstrainer aktuell wieder Landesmeister – und erreichte als Nationaltrainer bei der vergangenen B-WM mit seinem Team den dritten Platz. Das toppte Haake noch mit der U20-Mannschaft des baltischen Landes: Die führte der Eishockey-Weltenbummler aus dem Mühlenkreis jüngst zum Weltmeistertitel – nach einem 6:4 im Finale gegen Japan. »Das ist der größte Erfolg der litauischen Eishockey-Geschichte«, freut sich Haake über die Früchte seiner Arbeit, die ihm nun auch die Auszeichnung zum Trainer des Jahres in Litauen eingebracht haben. Die will er auch 2018 ernten, wenn die B-WM in Litauen stattfindet. Mindestens bis dahin will der Eishockey-Pionier, der sich als Botschafter seines Sports und Entwicklungshelfer weltweit einen Namen gemacht hat, auf jeden Fall noch am Puck bleiben. Schließlich steht 2018 ja auch noch eine Olympiade auf dem Plan. »Die ist im Februar, da hab ich noch Zeit...«, grinst Haake – und verrät, dass sich das bald ändern könnte. Er ist als Betreuer der Nationalmannschaften der USA und Deutschlands im Gespräch.

Den ursprünglich angestrebten Lehrerberuf hat Bernd Haake nach dem Referendariat an der Hauptschule Brake übrigens nie ausgeübt – dafür bringt er seit fast 50 Jahren sein Fachwissen auf dem Eis auf das Eis und in die Köpfe tausender Schlittschuh-Schüler. »Feuerstuhl statt Beamtenstuhl«, lacht Haake. Seine Ruhe findet er zwischen spektakulären Eishockey-Erlebnissen immer wieder auch in Lashorst . Da, wo unvergessliche Erinnerungen an einen unglaublichen Weg vom zugefrorenen Teich am Schloss Hüffe bis in die große, weite Eishockey-Welt ebenso zuhause sind wie neue, große Pläne und Ziele eines Eishockey-Pioniers. Alles angefeuert vom Brennen für eine eisige Leidenschaft!

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