Mo., 09.10.2017

1. Handball-Bundesliga: TuS N-Lübbecke macht Sensation beim 26:26 in Leipzig perfekt Wenn der Magyar zum Magier wird

Der Mann des Tages: Peter Tatai entnervte die Leipziger Schützen und hielt mit diesem gehaltenen Siebenmeter den Punkt fest.

Der Mann des Tages: Peter Tatai entnervte die Leipziger Schützen und hielt mit diesem gehaltenen Siebenmeter den Punkt fest. Foto: Eibner

Von Volker Krusche

Leipzig/Lübbecke (WB). Er tänzelt nach links, er tänzelt nach rechts, versucht Philipp Weber am Siebenmeterpunkt zu irritieren. Dann reißt er das linke Bein in die Höhe und wehrt den Ball mit dem Fuß ab. Riesenjubel bei Peter Tatai und dem TuS N-Lübbecke, denn die finale Parade des Ungarn rettet sein Team auf der Zielgerade und beschert dem heimischen Aufsteiger beim 26:26 (16:10) als Gast des SC DHfK Leipzig den sensationellen, aber nicht minder verdienten ersten Saisonpunkt.

Es war die Krönung einer überragenden Vorstellung des 34-Jährigen, der mit seinen 20 Paraden, darunter zwei abgewehrten Strafwürfen, zum besten Mann auf dem Parkett der Arena Leipzig avancierte und die lediglich 3.578 ostdeutschen Fans ein ums andere Mal in Schockstarre versetzte. »Wir wussten um seine Qualität, aber es ist ihm gelungen, sie während der gesamten 60 Minuten auf die Platte zu bringen«, lobte selbst Leipzigs Trainer Andre Haber den Lübbecker Rückhalt.

Tatai zog aber auch Philipp Weber in seinen Bann. Schon in Hälfte eins hatte er den Leipziger Torjäger an die Kette gelegt, ihm nicht nur vom Siebenmeterpunkt, sondern auch aus dem Rückraum jegliche Gefahr genommen. Weber: »Beim abschließenden Strafwurf habe ich mir gesagt: Nur nicht auf sein Bein werfen. Eigentlich wollte ich einen Aufsetzer machen.« Doch der Magyar (Landessprache für Ungar) erwies sich als Magier, entzauberte den Jung-Nationalspieler. »Ist doch auch sein Job«, analysierte indes Tatais Coach Aaron Ziercke trocken. »Es war gerade im ersten Abschnitt ein geniales Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torhüter.«

Aber auch eine hohe taktische Disziplin. »Wir wollten in der Defensive die Mitte dicht machen, um den Leipziger Rückraum in den Griff zu bekommen.« Ganz bewusst auf Kosten der gegnerischen Außen, die bei Peter Tatai aber sehr gut aufgehoben waren. Sechsmal tauchten Lucas Krzikalla, Lukas Binder und Yves Kunkel mutterseelenallein vor dem TuS-Keeper auf und brachten dabei nicht einen einzigen Ball in seinen Maschen unter.

Keine Unruhe nach dem 0:3

Und da die Abwehr des bislang noch punktlosen Schlusslichtes dadurch immer sicherer wurde, rückte sie schnell immer weiter raus und brachte das Aufbauspiel des Gegners förmlich zum Erliegen. Der hatte zwar schnell ein 3:0 vorgelegt, »aber wir haben deshalb unseren Weg nicht verlassen«, freute sich Aaron Ziercke. Hinten wurde dicht gemacht und vorn mit Disziplin und Konzentration agiert, wobei gerade die zuletzt häufig gescholtenen Lukasz Gierak und Marco Bagaric das Heft in die Hand nahmen, ruhig und bedächtig bis zum Zeichen des Zeitspiels spielten, mit schönen Anspielen überzeugten und aus allen Lagen trafen.

Aus dem Rückstand wurde in der folgenden Viertelstunde über 8:4 ein 11:5. Kein Betrachter – ob Leipzig-Fan oder nicht – traute seinen Augen nicht. »In den ersten 30 Minuten war unsere Leistung optimal«, hielt sich auch Coach Ziercke nicht mit Lob zurück.

Fehler in der Schlussphase

Doch dann kam Leipzig – zumindest schien es so. Dem Lübbecker Spiel fehlte nun etwas das Tempo, doch die Hausherren wussten das nicht zu nutzen – zunächst nicht. Zwar kam der SC DHfK nach dem 13:19 über 16:20 auf 20:22 (45.) und 22:24 (51.) heran, ließ seine Möglichkeiten aber aus und sah sich wieder mit 20:24 und 22:26 (55.) im Hintertreffen. »Im ganzen Spiel leisten wir uns sechs, sieben technische Fehler, zwei davon aber ausgerechnet in den letzten Minuten«, ärgerte sich Ziercke. Und die nutzte der Gastgeber zum 26:26.

Zwei Minuten blieben zum Siegtreffer, doch 56 Sekunden vor dem Ende verwarf Gierak in Bedrängnis. Acht Sekunden waren noch zu spielen, als Alen Milosevic am Kreis zu Fall kam. Angeblich nach Foul von Piotr Grabarczyk. Siebenmeter für Leipzig. Doch da präsentierte sich der Magyar als Magier.

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