So., 29.10.2017

Für Torsten Appel identifiziert sich Lübbecke nicht wie anderenorts mit der Bundesliga »Unser Publikum ist erfolgsorientiert«

Leere Ränge, freie Plätze – in der Merkur-Arena ist ein solcher Zustand derzeit leider kein Einzelfall mehr

Leere Ränge, freie Plätze – in der Merkur-Arena ist ein solcher Zustand derzeit leider kein Einzelfall mehr Foto: Oliver Schwabe

Von Volker Krusche

Lübbecke (WB). Kostet Sky die 18 Handball-Bundesligisten Hunderttausende an Euros? Das jedenfalls ist landauf, landab die Überzeugung vieler Betrachter angesichts deutlich rückläufiger Zuschauerzahlen. In Lübbecke lässt man das trotz eines Negativrekords nach dem anderen nicht gelten. »Das ist bei uns nicht der Grund. In Lübbecke hängt der Zuspruch in erster Linie vom sportlichen Erfolg ab, nicht vom Spieltag«, meint Geschäftsführer Thorsten Appel.

Waren es beim ersten Heimspiel nach dem Wiederaufstieg noch 2077 Besucher, die den THW Kiel in der Merkur-Arena sehen wollten, was an sich schon eine überaus enttäuschende Resonanz darstellte, so waren die Zahlen bei den folgenden Auftritten des TuS vor eigenem Publikum in einem Meisterschaftsspiel der 1. Bundesliga seit dem Umzug in die Kreissporthalle vor einer gefühlten Ewigkeit nie so niedrig. Noch nie hatten weniger als 1400 Zuschauer ein Punktspiel der Lübbecker im Handball-Oberhaus verfolgt. In der laufenden Saison war dies gleich viermal der Fall: 1383 zahlende Zuschauer gegen die TSV Hannover-Burgdorf, 1331 gegen die HSG Wetzlar, 1362 gegen den SC Magdeburg und 1348 gegen die MT Melsungen. Nimmt man das Kiel-Spiel raus, so liegt der Schnitt bei 1356 Zuschauern, mit der Partie des Ex-Meisters bei 1500. Das sind mehr als 300 beziehungsweise mit der THW-Partie etwa 200 Besucher weniger als im Durchschnitt im Vorjahr in der 2. Bundesliga. Selbst in der Pannen- und Pleitensaison 2015/16, als man sang- und klanglos unterging und der Gang in Liga zwei frühzeitig feststand, war der Schnitt höher als in der aktuellen Runde.

»Das ist ernüchternd, ja, sogar erschreckend«

»Das ist ernüchternd, ja, sogar erschreckend«, macht Appel keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. »Mir muss aber keiner kommen, dass es am Sonntag um 12.30 Uhr liegt. Wir haben daheim bislang nur ein einziges Mal auf einem Sonntag gespielt. Und bis Februar werden es insgesamt nur drei sein.« Das Thema »Sonntag« sei inzwischen aber so negativ behaftet, dass man kaum dagegen ankämpfen könne. »Sky macht nicht alles kaputt, ist an der Situation nicht schuld. Dagegen wehre ich mich«, so Torsten Appel. »Man muss nämlich auch sehen, dass die Fans durch Sky nunmehr immerhin die Möglichkeit haben, jedes Auswärtsspiel am Fernsehen miterleben zu können. Das hat es vorher nicht gegeben.«

Die Donnerstag-Spiele würden allerdings bislang als After-Work-Events nicht angenommen. »19 Uhr ist doch gar nicht so schlecht. Da kann man direkt aus dem Büro in die Halle gehen«, so Appel, der den Tag gegenüber dem Mittwoch gar favorisiert. »Da geht man doch zusätzlich dem Fußball aus dem Weg.« Natürlich kann er die Anhängerschaft verstehen, wenn ihnen der bislang gewohnte Spieltag genommen wurde. »Es schmerzt alle, auch uns, dass wir nicht mehr am Samstag spielen. Aber wir müssen uns arrangieren, unsere Fans müssen den Donnerstag als unseren Spieltag verinnerlichen.« Natürlich frage man sich täglich, wie die aktuellen Besucherzahler verändert werden könnten.

»Haben wir Erfolg, kommen die Leute, haben wir keinen, bleiben sie weg«

»Das Thema Zuschauer ist ein in Lübbecke sehr sensibles. Hier ist das Publikum unglaublich erfolgsorientiert. Gewinnen wir in Leipzig und Friesenheim, haben wir sofort 200, 300 Besucher mehr in der Halle. Die Formel lautet: Haben wir Erfolg, kommen die Leute, haben wir keinen, bleiben sie weg«, macht der TuS-Geschäftsführer deutlich. »Hier identifiziert sich eine Stadt nicht so mit dem Handball, wie in anderen Regionen. Da ist man stolz auf das, was man hat. Es wäre schön, wenn es hier auch so wäre.«

300 Zuschauer weniger im Schnitt würde einem Rückgang von rund 5000 Besuchern in der Saison entsprechen. Bei einem Durchschnitts-Eintrittspreis von 20 Euro wären das etwa 100.000 Euro, die man weniger einnehmen würde. »Das macht einen Spieler aus«, rechnet Appel sofort. »Die Zahl hat aber keine entscheidende Relevanz auf unseren Gesamtetat. Durch die ungewohnten Anwurfzeiten haben wir trotz Aufstieg von vornherein eine defensiverer Kalkulation vorgenommen.«

Fans helfen nicht durch ihr Fernbleiben

Natürlich seien auch er als Geschäftsführer und seine Mitarbeiter gefordert, neue Angebote in allen Bereichen zu unterbreiten. Viele Fans verstehen es zum Beispiel nicht, dass im Marktkauf Lübbecke, immerhin Partner des TuS N-Lübbecke, zwar Flyer von Fußball-Regionalligist SV Rödinghausen, aber nichts vom heimischen Bundesligisten zu finden ist. »Klar gibt es Dinge, die wir verbessern müssen. Aber es reicht auch nicht aus, wenn Fans immer nur auf die Firma Gauselmann zeigen, selbst aber durch ihr Fernbleiben nicht helfen.«

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