Mi., 08.11.2017

TuS N-Lübbecke: Spieler müssen Erstligatauglichkeit unter Beweis stellen Ziercke ist nicht das Problem

Am Trainer liegt es am wenigsten, dass sich der Erfolg beim TuS N-Lübbecke bislang noch nicht eingestellt hat.

Am Trainer liegt es am wenigsten, dass sich der Erfolg beim TuS N-Lübbecke bislang noch nicht eingestellt hat. Foto: Binder

Von Volker Krusche

Lübbecke (WB). Tabelle und Spielplan sagen alles: Gastspiel beim Drittletzten, Heimspiel gegen den Vorletzten. Da ist Schlusslicht TuS N-Lübbecke nach der bislang so erfolglosen Saison gezwungen, nicht erneut zu verlieren. Zwei Punkte sind Pflicht, drei oder gar vier wären wünschenswert.

Doch der heimische Bundesligist steht mit diesem Wunsch nicht allein. Auch Gastgeber HC Erlangen und dem Gast vom VfL Gummersbach liegt die Schlinge aktuell um den Hals. Auch sie wollen in den Kellerduellen mit aller Macht punkten.

In Lübbecke wissen die Spieler nur zu gut, dass es jetzt gilt. »Nun gibt es keine Ausreden mehr. Jetzt müssen Punkte her«, sprach es Nils Torbrügge nach der 21:29-Niederlage gegen Tabellenführer Füchse Berlin ins Sky-Mikrofon. Und Jens Bechtloff, am Sonntag bester Feldspieler des TuS, stimmte ihm zu. »Wir müssen jetzt da sein, müssen beweisen, dass wir gefestigt sind. Punkten wir nicht, wird es ganz, ganz schwer!«

Noch ist nichts passiert

Einer, der sich bestimmt nicht nur über die Auftritte seiner Mannschaft, sondern angesichts der Lübbecker »Gewohnheiten« wahrscheinlich auch über sich selbst Gedanken machen dürfte, ist der Trainer. Aaron Ziercke redet zwar nicht über sich und sein Innenleben, der TuS-Coach ist aber weder blind noch taub, um Regungen nach den bislang 2:22 Punkten wahrzunehmen.

Daher dürfte es nicht nur vom Ausgang des Pflichtspiels in der Merkur-Arena gegen den aktuell stark schwächelnden VfL Gummersbach abhängen, ob in Lübbecke mal wieder frühzeitig eine Trainerdiskussion vom Stapel gelassen wird, sondern vielleicht sogar schon nach dem Gastspiel am Sonntag in Erlangen. Der Name ist förmlich Programm. Ist nämlich beim HCE nichts zu erlangen, könnten die bislang hinter der vorgehaltenen Hand geäußerten Stimmen lauter und hörbarer werden. Aber warum? Weil der TuS mit Ausnahme des Rangneunten aus Lemgo bislang gegen die ersten Elf der Tabelle ran musste und dabei nicht mehr als ein Pünktchen holen konnte? Wo ist die reelle Einschätzung bei jenen, die was anderes erwartet haben. Der eine Zähler in Leipzig ist sogar mehr, als man erwarten durfte. Und beim Mitkonkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib in Ludwigshafen verlor der TuS auch nicht. Was also ist angesichts dieses brutalen Spielplans passiert?

Wirtschaftlicher Not gehorcht

Vor allen Dingen aber müssen sich alle einmal der Worte erinnern, die nach den maßlos enttäuschenden Auftritten mit dem feststehenden Abstieg in die 2. Liga und der Verpflichtung von Aaron Ziercke von verantwortlicher Seite gesagt wurden. Es soll endlich einen Neuaufbau geben, der zeitlich nicht an Erfolge gebunden sei. Doch was schafften Trainer und Spieler? Sie stiegen souverän wieder in die 1. Bundesliga auf. Und hier drückt jetzt der Schuh, weil sich, der wirtschaftlichen Not gehorchend, das Gesicht der Mannschaft nicht verändert hat. Geholt wurden zwei talentierte Hoffnungsträger und ein Rückraumspieler, der sein Geld in der Handballhochburg Dubai verdient, den aber kein anderer Erstligist auf dem Zettel hattet. Und mit diesem Personal sollte nun problemlos der Klassenverbleib gelingen?

Wo bleibt da der Blick für die Realität, wo die Sicherheit, dass die Konkurrenz personell nicht nachlegen würde? Aber selbst das wäre eigentlich egal, wenn besagten Worten dauerhaft – und nicht nur bis zum ersten Aufschrei – entsprechende Taten folgen würden. Nämlich, dass man selbst im Falle eines erneuten Abstiegs am eingeschlagenen Weg festhalte – und zwar mit dem jetzigen Trainer. Nur gut, dass am Rande des Berlin-Spiels genau solche Aussagen gemacht wurden. Passend dazu wäre vielleicht sogar eine vorzeitige Vertragsverlängerung mit Aaron Ziercke in dieser zweifellos nicht einfachen Zeit. Um dann auch gemeinsam die personelle Planung der Folgesaison anzugehen. Das wäre mal ein Zeichen!

Rückraum bislang nicht erstligatauglich

Dass derweil nach aktuellem Leistungsstand nicht alle elf Spieler, deren Kontrakte zum 30. Juni auslaufen, gehalten werden sollten, hat der bisherige Saisonverlauf bereits deutlich gemacht, wobei der größte Handlungsbedarf zweifellos im Rückraum liegen dürfte. Während Marko Bagaric, der von der ihm vorausgesagten Klasse aus der Distanz aufgrund seiner viel zu hohen Fehlerquote bislang nur äußerst wenig hat sehen lassen, über die Serie hinaus noch bis 2019 an den TuS gebunden ist und daher nicht zur eigentlichen Diskussion steht, hat sich von den anderen fünf Rückraumspielern eigentlich nur einer für einen Verbleib empfohlen: Der zuletzt verletzte und gegen Erlangen wohl auf die Platte zurückkehrende Kenji Hövels. Beim Rest überwog deutlich mehr Schatten als Licht. Pontus Zetterman scheint in Liga eins, wenn er mit Schnelligkeit und Eins-gegen-Eins nicht zum Zuge kommt – und das ist meistens so –, überfordert. Für sein Pendant auf Rückraum-Rechts, Jo Gerrit Genz, wirkt die erste Liga (noch) eine Nummer zu groß. Lukasz Gierak blieb im Oberhaus bis auf ein kurzes Aufblitzen den Beweis schuldig, warum er polnischer Nationalspieler ist. Und Ante Kaleb wirkt fast wie ein Fremdkörper im Lübbecker Spiel. Nicht wenige fragen sich, wie der 24-jährige Kroate 2010 bei der U18-Europameisterschaft zum »wertvollsten Spieler« des Turniers gewählt werden konnte.

Baustellen gibt es also reichlich beim TuS. Aber nicht beim Trainer, denn der zeichnet nicht für 20 Fahrkarten im Spiel gegen die Füchse verantwortlich…

Kommentare

Kritischer Blick

Grundlegend ein guter Artikel, aber

Es ist leicht zu kritisieren. Das Umfeld von Lübbecke macht es durch die umliegenden Handballvereine (ebenfalls 1. Liga) nicht einfach Sponsoren zu finden. Zwar ist die Jugendarbeit ordentlich, aber letztlich bestimmen die finanziellen Möglichkeiten wo ein Verein stehen kann. Da hat der Trainer im Profi Bereich keinen Hebel (steht auch so in der Überschrift). Damit Sponsoren kommen ist Kontinuität gefragt und keine teueren Auf und Abstiege.
Gruß
Chris

Danke

Endlich mal ein kritischer Artikel von hohem Sachverstand. Aus meiner Sicht, ist dem nichts hinzuzufügen.

Tradition

War das jetzt ein Bericht oder ein Kommentar?

Auch im Meinungsteil des Berichtes volle Zustimmung. Aber hinterm Wiehen wird schnell vergessen, das ist beim TuS ja Tradition. Teure Tradition, das Geld könnte man dann eher in den Kader stecken.
Von Anfang an war klar, daß es nur darum geht, "Best of the rest" zu sein. Daß jetzt gepunktet werden sollte, ist aber ebenso klar. Ziercke kann man dabei nur viel Erfolg wünschen.

3 Kommentare

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