Mi., 20.12.2017

Großeltern pflegen behinderten Enkel seit 15 Jahren – Weihnachtsspendenaktion des WESTFALEN-BLATTES Wenn Opa und Oma nicht wären...

Hans-Otto Woltring und seine Frau Petra kümmern sich um ihren Enkel Pascal.

Hans-Otto Woltring und seine Frau Petra kümmern sich um ihren Enkel Pascal.

Von Christian Althoff

Wegberg (WB). Hans-Otto Woltring (65) hat drei Herzinfarkte hinter sich, aber über seine Krankheit möchte er nicht sprechen. »Die Gedanken, die meine Frau und ich uns machen, drehen sich nur um unseren Enkel Pascal«, sagt er.

Ein schwerbehindertes Kind, das von Oma und Opa großgezogen und gepflegt wird – das ist die Ausnahme. »Unsere Tochter war von Anfang an überfordert«, sagt Petra Woltring (67). Das sahen auch die zuständige Behörde und das Amtsgericht so. Längst besitzen Petra Woltring und ihr Mann das Sorgerecht für den Jungen, der seit mehr als 15 Jahren bei ihnen lebt und gerade 18 geworden ist.

Mit fünf Jahren zum letzten Mal verständlich gesprochen

»Pascal war ein ganz normales Kleinkind, das mit zwei Jahren schon zusammenhängende Sätze sprach«, erinnert sich die Großmutter. Dann habe sich der Junge zurückentwickelt. Hans-Otto Woltring: »Sein Wortschatz nahm ab, und Pascal hatte an nichts mehr Interessen.«

Mit fünf habe er zum letzten Mal verständlich gesprochen. Doch es sollte noch drei Jahre dauern, bis Ärzte herausfanden, dass es ein Defekt in der Erbanlage war, der Pascal zu einem behinderten Kind hatte werden lassen.

Nach OP am Gehirn zusätzlich Epileptiker

Als der Junge sechs war, wurde eine Zyste im Gehirn entdeckt und operiert. »Seit dem Eingriff ist unser Enkel auch noch Epileptiker«, sagt Petra Woltring. Die Großeltern, die in Wegberg wohnen, erlebten schlimme Zeiten, in denen ihr Enkel sie kratze, schlug und trat. »Das besserte sich erst vor drei Jahren, als wir mit Pascal in Bethel waren und darauf bestanden, etliche Medikamente abzusetzen«, sagt der Opa.

Zu allem Unglück ist Pascal auch noch Autist, und er hat eine schwere Wirbelsäulenerkrankung. Hans-Otto Woltring: »Pascal hat eine Skoliose, durch die sich sein Rücken so gekrümmt hat, dass Organe eingequetscht wurden.« Sie seien zu Ärzten in ganz Deutschland gefahren, die sich alle nicht an eine OP getraut hätten. Bis Kinderorthopäde Dr. Urs van Deimling aus St. Augustin ihrem Enkel vor neun Jahren in einer zwölfstündigen OP eine bewegliche Titanstange an der Wirbelsäule befestigt habe, die Pascals Oberkörper jetzt geradehalte. »Pascal kommt gut damit klar, aber wir müssen alle zwei Jahre zur Kontrolle«, sagt der Großvater.

Pascal kann inzwischen alleine essen

Der Enkel ist ein Schwerstpflegefall, und so freuen sich die Großeltern über jeden kleinen Fortschritt. »Pascal kann inzwischen alleine essen«, sagt Petra Woltring. Eine kleine Entlastung, denn waschen, windeln und anziehen müssen die Großeltern Pascal nach wie vor. »Das wird nicht einfacher. Er ist jetzt gut 1,80 Meter groß und wiegt 80 Kilogramm, und wir sind auch nicht mehr die Jüngsten«, sagt die Oma.

Ein selbständiges Leben wird der Junge nie führen können. Er besucht tagsüber eine Behindertenwerkstatt der Lebenshilfe, in der er kleine Handreichungen unter Aufsicht macht. In diesen Stunden können seine Großeltern ein wenig durchatmen. Denn der Alltag mit dem behinderten Enkel schafft sie. »Es gibt Tage, da denke ich, es geht nicht mehr, jetzt müssen wir ihn abgeben«, sagt Petra Woltring. »Aber dann sagen wir uns wieder: Er ist doch unser Enkel.« Pascal versteht wohl, was seine Großeltern sagen, aber er kann sich nicht artikulieren. »Wenn Pascal aus der Werkstatt kommt und uns etwas erzählen möchte, geht das nicht und er wird wütend.«

Rente der Großeltern und Pflegegeld reichen kaum aus

Die Rente des früheren Verkäufers und das Pflegegeld für Pascal reichten gerade so zum Leben, erzählt das Ehepaar. »Pascal wächst immer noch. Deshalb brauchen wir ständig neue Kleidung und Schuhe«, sagt der 65-Jährige. Außerdem spare er, weil sie 2018 mit Pascal eine Kur machen wollten. »Eine Begleitperson bezahlt die Krankenkasse, aber Pascal braucht uns beide. Deshalb müssen wir 50 Euro am Tag zuzahlen.«

Schon mehrmals hat sich das Ehepaar an die Andreas-Gärtner-Stiftung aus Porta Westfalica gewandt und Unterstützung bekommen. Der Großvater: »Wir sind der Stiftung von Herrn Gärtner sehr dankbar. Sie ermöglicht unserem Enkel einmal in der Woche eine Stunde Reittherapie. Die 28 Euro, die das jedes Mal kostet, könnte ich mit meiner Rente nicht aufbringen.« Die Reittherapie sei für Pascal immer ein Höhepunkt, sagt der Großvater. »Wenn Pascal auf dem Pferd sitzt, wird er ganz locker. Dann freut er sich wie ein gesundes Kind.«

Weihnachtsspendenaktion

Schon 2012 kam der Erlös der WESTFALEN-BLATT-Weihnachtsspendenaktion der Andreas-Gärtner-Stiftung zugute. Und auch in diesem Jahr bitten wir Sie um Ihre Unterstützung für diesen guten Zweck. Hermann Gärtner garantiert dafür, dass jeder Euro ohne jeden Abzug bei den Betroffenen ankommt.

Hermann Gärtner, dessen inzwischen verstorbener Sohn Andreas geistig behindert war, hatte 1993 die Andreas-Gärtner-Stiftung gegründet, die geistig Behinderte unterstützt.

Lesen Sie hier das Interview mit Hermann Gärtner und seiner Tochter Birgit Gärtner.

Spendenkonto

Um zu spenden, nutzen Sie bitte folgendes Konto:

Andreas-Gärtner-Stiftung

DE 72 4905 0101 0040 1379 45

Zweck: Weihnachtsspende

Für eine Spendenquittung vermerken Sie bitte Ihre Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht, die Höhe der Einzelspenden nicht. Soll Ihr Name nicht erscheinen, melden Sie sich bitte unter Tel. 0521/585254 oder spende@westfalen-blatt.de.

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