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Fr., 08.08.2014

Martin Amedick beendet das Kapitel SC Paderborn als Abwehrchef in der Westfalenliga  Seine letzte Rolle 

Das war einmal: Martin Amedick am Bundesliga-Ball. Das letzte Pflichtspiel für den SC Paderborn absolvierte der 31-Jährige Anfang April.

Das war einmal: Martin Amedick am Bundesliga-Ball. Das letzte Pflichtspiel für den SC Paderborn absolvierte der 31-Jährige Anfang April. Foto: Stefan Hörttrich

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). 102 Spiele in der 2. Liga, 74 Einsätze in Liga eins: Im Kader des Bundesliga-Aufsteigers SC Paderborn gibt es keinen Spieler, der mehr Erfahrung hat als Martin Amedick. Eine Zukunft hat der 31-Jährige aber nur noch in der Westfalenliga.

Die Entscheidung teilte Manager Michael Born dem Profi bereits im Mai kurz nach dem Erstliga-Aufstieg mit: »Martin hat in der abgelaufenen Saison kaum eine Rolle gespielt, und seine Situation wird eine Liga höher nicht besser. Daher ist es nur ehrlich und fair von uns, ihm gegenüber mit offenen Karten zu spielen.« Ein Blick in die Saisonstatistik belegt das: Amedick, erst vor einem Jahr von Eintracht Frankfurt gekommen, kam in der 2. Liga auf sieben Einsätze, stand 205 Minuten auf dem Rasen und gehörte nur in den ersten beiden Saisonspielen (0:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern, 0:4 bei Energie Cottbus) zur Startelf. Amedick reagierte damals enttäuscht: »Ich hätte nur Spielpraxis gebraucht, um wieder zu meiner alten Leistungsstärke zu kommen. Diese Möglichkeit wurde mir genommen.«

Martin Amedick

Das Team profitiert von seiner Erfahrung

Dieses Zitat stammt vom 28. Mai, inzwischen steht fest, wie es für ihn beim SCP weitergeht. Den Paderborner Profifußballer mit der Rückennummer 25 gibt es noch bis zum Vertragsende am 30. Juni 2015, die Wirklichkeit heißt aber Westfalenliga. Martin Amedick trainiert und spielt in der U23 des SC Paderborn. »Ich biete meine Arbeitskraft an und erfülle meinen Vertrag«, sagt der Innenverteidiger. Was sich zunächst wie »Dienst nach Vorschrift« liest, ist für den Familienvater (Josse ist 16 Monate alt) mittlerweile mehr geworden. Es mache ihm Spaß, versichert der Berufsfußballer, der in seiner langen Profi-Laufbahn für sechs verschiede Klubs spielte und dabei vier Mal (Eintracht Braunschweig, 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Frankfurt und SC Paderborn) aufstieg.

Eine Aussage, die sein neuer Trainer bestätigt. »Martin nimmt die für ihn sicher nicht einfache Situation richtig gut an. Für die Entwicklung meiner jungen Spieler ist das super. Sie orientieren sich an Martin und profitieren auf dem Rasen extrem von seiner großen Erfahrung«, urteilt Markus Krösche. Seine wichtige Rolle innerhalb des Paderborner Talentschuppens spürt der Abwehrchef Amedick natürlich auch, gibt aber sofort alle Komplimente zurück: »Ich ziehe die Kappe vor den Jungs. Alle arbeiten oder studieren, trainieren nebenbei an fünf Tagen in der Woche, kämpfen sonntags um Punkte und haben so pro Woche nur einen Tag frei. Diese Mentalität ist grandios.«

Krösche: »Wir wollen das Maximale rausholen«

Wohin der gemeinsame Weg führen kann? Amedick spricht zwar nicht von Meisterschaft, sagt aber ganz klar: »Ziel muss es sein, dass der Unterbau die Lücke nach ganz oben wieder verkleinert. Das wäre unheimlich wichtig für den SC Paderborn.« Und vielleicht auch für Amedick. Der könnte mit einem sportlichen Erfolg in seiner letzten Rolle das Kapitel SC Paderborn noch einigermaßen versöhnlich abschließen und unter seiner langen Laufbahn als Fußballspieler einen feinen Strich ziehen. Denn einen Wechsel weg von Ostwestfalen wird es für den gebürtigen Delbrücker nicht mehr geben: »Ich habe nicht mehr vor, noch einmal aus meiner Heimat wegzuziehen.«

Krösche selbst hält Ziele wie den Oberliga-Aufstieg für vermessen: »Wir wollen das Maximale rausholen. Aber ich habe auch viele A-Junioren im Kader und kann noch nicht einschätzen, ob und wie sie den nächsten Schritt machen.« Vor einem großen Schritt steht übrigens auch der Coach selbst: Für Krösche ist die SCP-Reserve die erste Trainerstation, für Paderborns Aufstiegskapitän ist die Westfalenliga deshalb völliges Neuland. »Ich muss noch noch viel lernen«, bittet der 33-Jährige um Geduld. Gestützt wird er von Amedick. Der kennt auch weder Liga noch Gegner, weiß aber wie Krösche, was man machen muss, um am Ende oben zu stehen.

Kommentare

Martin

Naja, es war schon ein Risiko, ihn zurückzuholen, aber er war wohl ein Wunschspieler des Präsidenten. Wenn es tatsächlich "nur" an der Spielpraxis lag/liegt, so kann er sie nun gewinnen und - wer weiß - sich vielleicht doch noch mal für höhere Aufgaben empfehlen, wenn Not am Mann sein sollte!

Was hier ein bisschen nach Geldverschwendung aussieht, wird durch das neue ZUSÄTZLICHE VIP-Zelt wett gemacht!

Nicht erst seit Uli Hoeneß` Wutrede weiß man, dass erst die VIP-Plätze dafür sorgen, dass Stehplätze möglich sind, da man mit denen einen Verein nicht finanzieren kann.

350 zusätzliche VIP-Plätze - und die Nachfrage war wohl weit höher - bringen bei den aktuellen Preisen Zusatzeinnahmen von über einer Million Euro. Das bedeutet, dass alleine die VIP-Plätze insgesamt ca. die Hälfte der vermutlich acht Million Zuschauereinnahmen ausmachen werden (auch wenn ein Teil der acht Million vermutlich unter "Sponsoreneinnahmen" verbucht werden müssen, da sie Bestandteil vieler Sponsorenverträge sind).

Man muss das mal sehen: der Nachfrage entsprechend hätte man sich noch mal 500 VIP-Plätze mehr verkaufen können. Mit der Einnahme hätte man dann ohne Verlust die übrigen "normalen" Kartenpreise um 30% senken können. Aber dann wäre das Geschrei wegen des noch geringeren Kontingents groß gewesen, zumal bereits die Presseplätze ausgeweitet werden mussten. Dabei wird häufig verkannt, dass ein VIP nicht weniger Fan ist, nur weil er sich die teuren Karten leisten kann...

Da lohnt sich das Zelt allemal und macht sich gut neben dem Zelt für den Kinder-Club! Und am Ende muss jeder angesichts des kleinen Angebots zur Nachfrage eingestehen, dass mit dem großen Stehplatzanteil, den REWE-Karten, dem Kinder-Club etc. genügend Möglichkeiten vorhanden waren, günstig an Karten zu kommen, ohne dass zugleich dem SCP wichtige und notwendige Einnahmen fehlen, zumal die Konkurrenz allesamt locker das Doppelte bis Fünffache alleine an Zuschauereinnahmen haben wird. Von Sponsoren- und TV-Gelder mal ganz zu schweigen!

Alles für den SCP - und Martin, alles Gute!

1 Kommentare

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