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Do., 17.11.2016

SC Paderborn: Ex-Trainer Effenberg attackiert Ex-Präsident Finke »Null Menschlichkeit«

Kritischer Blick auf seinen Ex-Boss: Stefan Effenberg (rechts) griff Wilfried Finke in einem TV-Interview scharf an.

Kritischer Blick auf seinen Ex-Boss: Stefan Effenberg (rechts) griff Wilfried Finke in einem TV-Interview scharf an. Foto: Besim Mazhiqi

Von Matthias Reichstein

Paderborn(WB). Vor etwas mehr als acht Monaten wurde Stefan Effenberg beim SC Paderborn entlassen. Nach 13 sieglosen Spielen in Folge. Woran der Fußballlehrer letztlich gescheitert ist, machte der 48-Jährige – wie berichtet – Dienstagnacht im ARD-Sportschau-Club deutlich und klagte einen ganz besonders an: Paderborns Ex-Präsident Wilfried Finke.

High Noon um kurz vor Mitternacht. Effenberg schoss im Gespräch mit Moderator Alexander Bommes zum ersten Mal live und vor laufenden Kameras scharf in Richtung Ostwestfalen, nahm dabei Finke ins Visier: »Der Kader, den ich damals übernommen habe, war auf jeden Fall gemacht für die 2. Liga. Diese Mannschaft hätte niemals absteigen dürfen. Aber es war eine gewisse Angst da. Wie der Präsident mit den Spielern und auch mit mir persönlich umgegangen ist, da war null Menschlichkeit.«

Effenberg zielte damit noch einmal auf die Spielersuspendierungen am 12. Dezember 2015. Einen Tag nach der 0:4-Klatsche in Bochum mussten Mahir Saglik, Daniel Brückner und Srdjan Lakic gehen. Effenberg: »Das waren unheimlich wichtige und erfahrene Spieler für mich, für das Team und für das Publikum. Die hatten jahrelang erfolgreich gespielt.« Er nickte die Entscheidung – »Mir wurde vom Präsidenten und zwei Aufsichtsräten die Pistole auf die Brust gesetzt« – damals trotzdem ab, im Nachklang beschrieb er die Personalien als absolute Fehlentscheidung: »Ich hätte aufstehen und sagen müssen: ›Unter diesen Voraussetzungen arbeite ich nicht.‹ Aber ich habe Lehrgeld gezahlt und werde diesen Fehler definitiv nicht noch mal machen.«

Das Wort »Angst« gefiel Finke gar nicht, der 65-Jährige räumte am Mittwoch im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT aber einen Fehler ein: »Die Suspendierungen, einen Tag nach einem verlorenen Spiel, waren vom Zeitpunkt her übereilt. Wenn wir da ein wenig mehr Ruhe hätten walten lassen, wären wir möglicherweise zu einem anderen Ergebnis gekommen.«

Die Zusammenarbeit mit Manager Michael Born bezeichnete Effenberg in dem 30-minütigen Interview als »sehr intensiv«, den mächtigen Club-Boss nahm er dagegen ganz anders wahr: »Herr Finke pflegte eine Art Freundschaft zu den Journalisten, und denen hat er wirklich alles gesteckt. Die Zusammenarbeit von Finke und den Journalisten war enger als die mit dem eigenen Trainer und Manager. Das war fatal für mich.« Born wollte sich am Mittwoch nicht äußern. Der heutige Geschäftsführer des Zweitligisten Dynamo Dresden sagte gegenüber dieser Zeitung nur: »Das Thema hat sich für mich erledigt.«

Seine Zukunft ließ Effenberg am Dienstagabend völlig offen. Er werde jetzt via Bildschirm keine Bewerbungsschreiben abgeben. Sein Scheitern in Paderborn, der ersten Station als Trainer, habe ihm aber mehr weh getan denn geschadet. Wenn ein Klub kommen würde, müsse man reden. Offenbar gab es bis heute keine neuen Angebote, denn wörtlich sagte Effenberg: »Es wäre schade, wenn das jetzt so enden würde. Aber vielleicht bekomme ich noch Mal eine zweite Möglichkeit.« Ganz wichtig sei ihm aber das Miteinander. »Die Menschlichkeit ist ein ganz entscheidender Faktor. Auch wenn man Trainer ist und in dem Job arbeitet. Das haben oder hatten einige Menschen nicht. Wie zum Beispiel der Herr Finke in Paderborn.«

Finke wollte nicht mehr zu jedem Punkt Stellung beziehen. Vielleicht, weil er in der Öffentlichkeit nicht als Effenberg-Gegner erscheinen möchte. Vielleicht, weil er einfach keinen Wert mehr auf weitere Auseinandersetzungen mit seinem Ex-Coach legt. Am Ende klang Finke sogar versöhnlich: »Ich wünsche ihm für die Zukunft alles Gute.«

Finke gegen Fortuna Köln im Stadion

Am Samstag (14 Uhr, WDR) muss der SC Paderborn bei Neuling Lotte antreten, unter besonderer Beobachtung stehen Trainer und Mannschaft eine Woche später: Wenn der SCP am 26. November Fortuna Köln erwartet, wird Wilfried Finke erstmals seit dem Abstieg am 15. Mai (0:1 gegen Nürnberg) wieder die Arena betreten und ist gesprächsbereit: »Wenn gewünscht, werde ich zu einigen Themen meine Meinung sagen.«

Streit zwischen dem SCP und Osterland

Der Streit zwischen dem SCP und dem ehemaligen Co-Trainer Sören Osterland geht derweil weiter. Der für Freitag angesetzte Termin vor dem Arbeitsgericht Paderborn ist gestern geplatzt: Richterin Andrea Rakow ist erkrankt.

 

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