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Do., 08.12.2016

Neuer Trainer des SC Paderborn will seine Spieler zum Nachdenken animieren Emmerlings schonungslose Kritik

Er hat jetzt das Kommando: Trainer Stefan Emmerling macht die Ansagen, sein Kader hört zu.

Er hat jetzt das Kommando: Trainer Stefan Emmerling macht die Ansagen, sein Kader hört zu. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Nach drei Trainingseinheiten hat sich der neue Chef beim Drittligisten SC Paderborn ein erstes Bild von seinem Team gemacht. Die Kritik  von Trainer Stefan Emmerling fällt schonungslos aus, liefert aber auch gleich die Begründung für den Sturz auf Abstiegsplatz 18.

Kein Selbstvertrauen, schlechte Zweikampfführung, wenig Mut, viele Quer- und Rückpässe und mangels Kommunikation keine deutliche und klare Absprache untereinander – so sieht Emmerling seine neue Mannschaft. »Das schreckt mich jetzt nicht ab, das kann auch keine Überraschung sein«, sagt Emmerling und fügt hinzu: »Ich habe diese Analyse meinen Spielern mitgeteilt. Ich hoffe, das animiert zum Nachdenken.« Besonders das Zweikampfverhalten missfiel dem Fußballlehrer: »Das erinnert mich an meine Anfangszeit bei der Kölner U23. Die bevorzugten auch das Spiel ohne Körper.«

Das Trainerteam

Das hört sich nach ganz viel Arbeit an, Emmerling verließ trotzdem mit viel Vorfreude das »warme Nest« 1. FC Köln II (wird dort von Ex-Profi Patrick Helmes ersetzt) und kehrte nach vier Jahren in die 3. Liga zurück. Ein Grund war auch die fehlende Atmosphäre. »Als Trainer einer zweiten Mannschaft läuft man unterm Radar«, sagt Emmerling. Der eigentliche Auslöser war aber die Rückkehr des Ex-Präsidenten: »Wilfried Finke ist ein sehr positiv denkender Mensch mit Visionen.«

Von Beginn an war Emmerling auch an der Zusammensetzung des Trainerteams beteiligt. Dass die Wahl auf zwei Kollegen mit starkem Bezug zum SC Paderborn fiel, macht für den neuen Chefcoach die Aufgabe sogar noch etwas einfacher. Daniel Scherning und Emmerling kennen sich aus vielen gemeinsamen Treffen als Scouts, Asif Saric und Emmerling bestanden 2006 die Prüfung zum Fußballlehrer.

Ligaerhalt das oberste Ziel

Bei allen Visionen ist das primäre Ziel der Klassenerhalt. Das machte Emmerling auch am Mittwoch noch einmal deutlich. Er würde zwar auch gerne den Weg in die 2. Liga mitgehen, zunächst sei aber für den 50-Jährigen, der als Trainer schon mit Rot-Weiß Erfurt, Rot-Weiss Ahlen, Wormatia Worms, Alemannia Aachen diverse Abstiegskämpfe überstanden hat, der Ligaerhalt das oberste Ziel. Die Aufgabe in Paderborn sei vergleichbar mit anderen Klubs, wichtig sei nur eins: »Man muss vom Kader überzeugt sein.« Bei aller Kritik am Istzustand fällt Emmerlings Bestandsaufnahme in Paderborn positiv aus, wobei er sich nicht von den vielen Erst- und Zweitligaeinsätzen seiner Spieler blenden lassen will: »Von der Vergangenheit kann keiner leben. Auch ich nicht.«

Verpflichtungen und Trainingslager

Die Gegenwart heißt Platz 18, fünf mickrige Siege und 35 (!) Gegentore nach 17 Spieltagen. Dass der Verein nichts unversucht lassen wird, die Mannschaft im Winter auch personell noch einmal zu verstärken, machte Finke bereits am Dienstag deutlich. Wenn Emmerling will, kann er mit dem Kader im Januar auch noch ein Trainingslager (eine Überlegung ist Mallorca) beziehen: Die Finanzierung der zusätzlichen Kosten (etwa 30.000 Euro) ist gesichert, ein möglicher Zeitraum ist zumindest angedacht. Nach dem Trainingsauftakt am 3. Januar und dem ersten Test am 7. Januar (bei Eintracht Braunschweig) könnte es am 8. Januar losgehen. Neun Tage später müsste der SCP allerdings wieder in Paderborn landen: Am 17. Januar kommt Borussia Dortmund nach Paderborn.

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