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Mo., 06.03.2017

Drittligist Paderborn fehlen bis Saisonende 2,5 Millionen Euro SCP schreibt tiefrote Zahlen

Finanziell steht der SCP vor schweren Zeiten: Präsident Wilfried Finke machte am Montagabend die Situation deutlich.

Finanziell steht der SCP vor schweren Zeiten: Präsident Wilfried Finke machte am Montagabend die Situation deutlich. Foto: Besim Mazhiqi

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Die Situation beim SC Paderborn ist ernst. Sehr ernst. Zu den  sportlichen Problemen kommen jetzt auch erhebliche wirtschaftliche Sorgen. Zum Abschluss der laufenden Saison rechnet der Fußball-Drittligist mit einem Defizit in Höhe von etwa 2,5 Millionen Euro.

Zum 31. Dezember 2016 hielt sich das dicke Minus mit 670.000 Euro noch in Grenzen. Dem SCP halfen hier einmalige Sonderzahlungen wie der Bundesliga-Rettungsschirm für Absteiger aus der 2. Liga (500.000 Euro), die TNLZ-Zertifizierung (300.000 Euro) oder die erste Runde im DFB-Pokal (etwa 180.000 Euro) aus der finanziellen Klemme.

Kosten bleiben gleich

Diese Gelder gibt es in der Rückrunde nicht mehr. Die Kosten bleiben aber gleich. Deshalb macht das hohe Defizit deutlich: Die 3. Liga ist auch für den SC Paderborn nicht wirtschaftlich. Der zum 30. Juni 2016 noch schuldenfreie Verein (Guthaben: 216 .663 Euro) kann sich deshalb Profifußball auf dieser Ebene nicht leisten. Das ist auch das Fazit, das am Montagabend im Hansesaal des Paderborner Schützenhofes der Aufsichtsratsvorsitzende Elmar Volkmann zog.

Präsident Wilfried Finke machte deutlich: »Wenn die Paderborner Stadiongesellschaft im Februar nicht auch noch Darlehen in erheblichem Maße zur Verfügung gestellt hätte, wäre der Verein zahlungsunfähig gewesen.« Insgesamt knapp 4 Millionen Euro stellte die PSG dem Klub so innerhalb von nur drei Monaten zur Verfügung. »Das ist in der kurzen Zeit einmalig in Deutschland«, sagte Finke. Davon flossen allein 2,2 Millionen Euro von Finke und der gleichnamigen Unternehmensgruppe in den Verein. »Mehr geht nicht. In der kommenden Saison sind andere gefordert«, machte Finke deutlich und forderte die Stadt Paderborn zur Hilfe auf.

Als Beispiele nannte Finke Arminia Bielefeld, VfL Osnabrück, MSV Duisburg, Dynamo Dresden, Chemnitzer FC und Hansa Rostock. Diese Vereine hätten in schweren Zeiten auf kommunale Hilfe bauen können. »Wir haben dagegen wischen 2012 und 2016 17,1 Millionen Euro Steuern gezahlt. Allein 2,5 Millionen direkt an die Stadt.«

Finke fordert Bekenntnisse

Seit Finkes Rückkehr auf den Chefsessel beim SCP arbeitet der 65-Jährige mit Hochdruck an einem Konzept, Paderborner Profifußball wieder lebensfähig zu machen. Das geht nur in der 2. Liga, deshalb fordert Finke Stadt, Wirtschaft, Banken und alle Vereinsmitglieder auf, sich zum SCP zu bekennen: »Wenn sich nichts ändert, sind wir bald pleite. Ich stelle mir einen Solidarpakt vor, aber aus diesem Puzzle darf keiner herausfallen.« Sein Ziel: rechtsverbindliche Vereinbarungen bis zum 15. Mai. Sollte das nicht gelingen, nannte Finke die Konsequenzen: »Dann muss einer am 20. Mai das Licht ausmachen.«

Bereits die vergangene Zweitligasaison schloss der SCP mit einem Defizit von 1,1 Millionen Euro ab. Mit dem nächsten Absturz in die 3. Liga sanken zwar die Kosten für die Profielf von 10,5 (2. Liga) auf 4,4 Millionen Euro. Doch die Einnahmeseite verschlechterte sich dramatisch: TV-Geld (736.000 statt 10 Millionen Euro), Werbung (2,7 statt 4,4 Millionen Euro) oder Spieleinnahmen (1,7 statt 4 Millionen Euro). Der Gesamtumsatz wird daher von 24,3 Millionen Euro in Liga zwei auf nur noch etwa 7,3 Millionen Euro zum 30. Juni 2017 zusammenschmelzen.

Kommentare

Berichtigung chefplaner

Eine Anmerkung zum chefplaner: Essen hat über 580.000 Einwohner, somit 4 mal mehr als Paderborn

Kultur des kleinen Mannes

Man muss einige Dinge gerade rücken, die von manchen offenbar falsch verstanden wurden. Weder hat jemand gestern den Fans noch der Stadt die Schuld an der Situation gegeben. Es wurde nur appelliert, dass nun alle gefragt sind, wenn man hier Profifußball haben will.

Es bedarf also eines Gesamtkonzepts. Und das ist weit mehr als ein paar Namen potentieller Neuzugänge.

Was wurden Leute beschimpft, die Rücklagen für genau solche Situationen gefordert haben, als wir im Geld schwammen, statt sinnlose "Investitionen" zu tätigen, die da Kirch oder Effenberg hießen!

Auch waren Forderungen wie "Trainer raus" oder "Vorstand raus" nicht gerade konstruktiv oder gar hilfreich.

Wo wären wir ohne Finke. Wir hätten nie die 1. Liga von weitem gesehen. Und wäre er nicht zurückgekehrt, wären wir seit letztem Monat pleite!!!

"Fußball", so ein Rostocker Politiker "ist die Kultur des kleines Mannes", während zum Beispiel teuer vom Steuerzahler unterstütze Theater eher für die gut betuchten oberen 10 000 sind. Na klar kann man also von den Kommunen Unterstützung einfordern!

Und da gäbe es Möglichkeiten, ohne dass Geld fließen müsste (Erbpacht, TNLZ-Miete, Parkplatzmiete).

Wenn man in Städte wie K´lautern oder Essen schaut, die kleiner als Paderborn sind und wo Millionen und Abermillionen in den Fußball gesteckt wurden, erkennt man unseren Wettbewerbsnachteil, den man alleine mit den Finke-Millionen nicht ausgleichen kann auf Dauer!

Na klar wurde beim SCP Geld verbrannt. Die, die das heute erkennen, haben die Warner vor kurzer Zeit noch beschimpft! Geld in Fußballfunktionärshand hat schon oft verbrannte Erde hinterlassen. Ich erinnere an Dortmund, wo man durch den Börsengang und Stadionverkauf hohe dreistelligen Millionensummen generiert hat und kurz danach de facto pleite war. Nur 2 zugedrückte Augen der DFL haben das Ende des BVB verhindert!


Was hilft nun, wenn man nach vorne schaut? - Endlich Konstanz in der Personalpolitik. Daher müssen im Sommer maximal 5 Spieler geholt werde, die die 3. Liga gut kennen. Uns helfen jetzt keine Messis. Wir brauchen Leute, die die 3. Liga voll annehmen.

Und natürlich hat Herr Finke Recht, wenn er sagt, man müsse Ziele visualisieren. Aber ich glaube, es ist kein Problem der Phantasie, sich vorzustellen, dass der SCP in 5 Jahren die CL gewinnt. Allerdings muss man aufpassen, dass man dabei nicht unglaubwürdig wird. Vorstellung ja. Ziele ja. Aber eben ohne Hybris! Aachen ist das beste Beispiel!


Und wenn die Stadt nicht helfen will, muss es der SCP so machen wie DSC Nordfeld und einfach bestimmte Kosten nicht überweisen!!!

Hat Herr Finke auch verraten, warum ihm irgendein potentieller Geldgeber glauben sollte, daß in Zukunft mit den Zuwendungen besser umgegangen würde als in den letzten drei Jahren? Es wurden Gelder in einer Weise aus dem Fenster geworfen, die kaum anders als als Veruntreuung interpretiert werden kann, und nun heißt es: Wir wollen Geld von außerhalb haben.
Wer soll motiviert sein, diesen Zirkus zu finanzieren, in dem die wenigen positiv Hervorstechenden sabotiert werden und wo fast nur an den Personen festgehalten wird, die unmotiviert daneben stehen oder gar gegen den Verein arbeiten?
Oder hat er, und es steht hier nur nicht, tatsächlich die kolossalen Fehler seit dem Bundesligaaufstieg benannt, die Verantwortung anerkannt und für die Zukunft eine Besserung glaubhaft gemacht?

Natürlich geht es nicht darum, ewig auf angerichteten Schäden herumzureiten, aber ohne das Kapitel abzuschließen wird der Appell wohl zu Recht unbeantwortet bleiben.

Wie jetzt? - Steuererlass

Viele von uns müssen Steuern zahlen - obwohl sie "unverschuldet" in eine Krise geraten sind!

Freier Fall

Hatte man nicht noch vor zwei Jahren die Schuldenfreiheit dem sportlichen Erfolg (Klasenerhalt in Liga 1) vorgezogen? Selten so einen rasanten Absturz erlebt. Und ob sich wirklich dieser Solidarpakt unter Finkes Führung etablieren wird? Mir tun die Anhänger des Vereins leid.

5 Kommentare

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