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Sa., 20.05.2017

0:0 in Osnabrück ist für den Ex-Erstligisten zu wenig - DFB ermittelt gegen Spieler des VfL Paderborn ist Viertligist

Tränen und Bestürzung nach dem Spiel bei SCP-Spielern.

Tränen und Bestürzung nach dem Spiel bei SCP-Spielern. Foto: Oliver Schwabe

Von Elmar Neumann

Osnabrück (WB). Der einmalige Absturz ist perfekt: Nach dem 23. Mai 2015 und dem 15. Mai 2016 hat die Geschichte des SC Paderborn 07 mit dem 20. Mai 2017 den nächsten schwarzen Tag. Der SCP kam im Abstiegsfinale beim VfL Osnabrück nicht über ein 0:0 hinaus und steigt, da Verfolger Werder Bremen II sein Heimspiel gegen Aalen mit 1:0 (0:0) gewann, in die vierte Liga ab.

DFB ermittelt gegen VfL-Spieler

Wegen des Verdachts der versuchten Einflussnahme im Abstiegskampf der 3. Fußball-Liga ermittelt der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).  Nach Angaben des DFB ging bei seinem Ombudsmann ein Hinweis ein, wonach Osnabrücker Spieler versucht haben sollen, Gegenleistungen von Bremer Spielern dafür zu erhalten, dass sie sich in der VfL-Partie gegen Paderborn um einen Sieg bemühen. Der VfL bestätigte die Untersuchungen (siehe das Facebook-Video unten am Text). Der SC Paderborn war nach Informationen dieser Zeitung im Vorfeld der Partie darüber nicht informiert worden. Es ist nicht auszuschließen, dass der SCP gegen die Wertung des Spiels Protest einlegen wird.

Im Vergleich zum 1:0-Sieg gegen den SC Preußen Münster nahm Trainer Steffen Baumgart nur eine personelle Veränderung vor. Für Ben Zolinski, der nach überstandenem grippalen Infekt auf der Bank saß, stand Thomas Bertels in der Startelf.

Die hatte 1400 mitgereiste Fans im Rücken, wurde vom Anhang der Gastgeber aber erwartungsgemäß unfreundlich empfangen. »Macht sie nieder, schießt sie aus der Liga«, forderten die Fans der Lila-Weißen und sahen eine bemühte eigene Mannschaft. Im Gegensatz zu den eine Woche zuvor doch lustlos wirkenden Preußen wollte sich dieser Paderborner Gegner nicht der Untätigkeit bezichtigen lassen.

Der SCP war auch deshalb zunächst auf die Sicherung des eigenen Tores bedacht, gönnte dem VfL nichts Nennenswertes, erspielte sich aber auch keine Chance. Bis zur 26. Minute. Dann legte Kapitän Thomas Bertels mit der Hacke auf Marcus Piossek ab und der schlenzte den Ball an die Latte. Da hätte der Pole schon jede Menge Probleme lösen können. Kurz vor dem Seitenwechsel bot sich Koen van der Biezen nach einer Ecke von Aykut Soyak die zweite Möglichkeit des Spiels, doch sein Kopfball stellte für Osnabrücks Torwart Frank Lehmann kein Problem dar und daher ging's mit dem 0:0 in die Pause.

Ein Zwischenstand, der in der virtuellen Tabelle zum Klassenerhalt reichte, da auch Verfolger Werder Bremen II die ersten 45 Minuten des Heimspiels gegen den VfR Aalen ohne Tore beendete.

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Wenige Minuten nach Wiederbeginn wären die Sorgen des SCP beinahe erheblich größer geworden. VfL-Stürmer Kemal Rüzgas kam aus spitzem Winkel freistehend zum Abschluss, sein Schuss wurde von Torwart Lukas Kruse aber noch entscheidend abgelenkt (54.). Nur vier Minuten später war es ein Freistoß von Kwasi Okyere Wriedt, der der Kruses Kasten nur knapp verfehlte. In der nun erheblich temporeicheren Partie hatten die Paderborner nach zweimal Glück, aber ebenso einmal Pech, als sie vergeblich einen Handelfmeter forderten (62.). Fortuna hielt sich auch nach einer Hereingabe des eingewechselten Ben Zolinski vornehm zurück, die Thomas Bertels nicht präzise genug verwertete (72.).

0:0 in Osnabrück. 0:0 in Bremen. Nur die theoretisch ebenfalls noch gefährdeten Erfurter hatten sich eine Viertelstunde vor Schluss bei einer 4:1-Führung gegen Großaspach bereits mit freundlichen Grüßen  aus dem Abstiegskampf verabschiedet. Fünf Minuten vor dem Abpfiff aber gab es für den SCP die bittere Nachricht von der Weser. Dort sorgte der eingewechselte Dominic Volkmer mit seinem ersten Ballkontakt für das 1:0 der Bremer und beförderte die Paderborner auf einen Abstiegsplatz. Alle Versuche, diese Konstellation noch zu ändern, scheiterten.

Statistik

Osnabrück: Lehmann - Falkenberg, Appiah, Engel, Dercho - Sangare, Syhre, Arslan, Tigges - Wriedt, Rüzgar (71. Hohnstedt)

Paderborn: Kruse - Vucinovic, Boeder, Strohdiek, Herzenbruch - Krauße - Heidinger (56. Zolinski), Soyak (83. Michel), Piossek, Bertels - van der Biezen (66. Dedic)

Schiedsrichter: Kempkes (Thür)

Zuschauer: 9971

Tore: /

Gelbe Karten: Syhre, Falkenberg, Arslan / van der Biezen, Piossek, Herzenbruch, Zolinski

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Kommentare

Kommt wieder!

Dieses Stück Sportgeschichte ist ja nicht erst in Osnabrück geschrieben worden, sondern in den Monaten zuvor. Im Glanz des Erfolges hat man die Wirklichkeit nicht mehr gesehen beim SCP.
Baumgart scheint immerhin diese Truppe erreicht zu haben, sie wirkte gesten in Osnabrück fokussiert, zielstrebig und stabil. - Aber es ist eben auch derselbe Kader, der in den Monaten zuvor Trainer nur so verschlissen hat...
Ich wünsche dem SCP, daß er wirtschaftlich überlebt und schnell wiederkommt!

Betrug nicht gelungen

Weshalb Einspruch? Weil der Betrug nicht geklappt hat u.d Osnabrück doch Paderborn Paroli geboten und sich sportlich fair verhalten hat?

Und du schreibst Geschichte

Beim Anblick des Starterfotos muss ich lachen. Diese Mannschaft hat eine Saison lang gezeigt, dass sie keinen Charakter und wirklich nichts in der Hose hat. Da bleiben zum Schluss nur noch die Showtränen. Dabei sollten die Spieler glücklich sein. Sie alle kommen mit ihrem Namen ins Fussballgeschichtsbuch. Der SCP, jeder, aber auch wirklich jeder der unsagbaren Versager und natürlich der einzigartige Mallepräsi Finke und seine Konsorten. Jungs, ihr dürft wirklich stolz sein. Herzlichen Glückwunsch ;-)

Protest?

"Es ist nicht auszuschließen, dass der SCP gegen die Wertung des Spiels Protest einlegen wird."

Das nenne ich Satire!

4 Kommentare

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