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Mo., 22.05.2017

Kommentar zum SC Paderborn Der SCP steht am Nullpunkt

Paderborner Spieler vor ihren Fans nach dem Abstieg in Osnabrück.

Paderborner Spieler vor ihren Fans nach dem Abstieg in Osnabrück. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Reichstein

Rekordabsteiger. Mit diesem »Titel« will sich niemand schmücken, doch dieser Absturz von Liga eins in Liga vier innerhalb von nur 24 Monaten ist beispiellos. Tasmania Berlin als Synonym für den Niedergang war gestern. Das neue Synonym für kollektives Fußball-Versagen ist in Ostwestfalen zuhause. Der SC Paderborn hat seinen Platz in den Fußball-Geschichtsbüchern und steht 17 Jahre nach seinem letzten Abgang in die Viertklassigkeit wieder am Nullpunkt.

Wie geht es weiter? Der Verein hat sich eine Infrastruktur aufgebaut, um die er bis in die 2. Liga beneidet wird. Deshalb muss der SCP nach überwundener Schockstarre versuchen, diesen abermaligen Absturz als Chance zu sehen.

Baumgart verdient Respekt

Der Hort der Verlierer kann endlich radikal ausgemistet werden, denn nur aus einem ganz kleinen Kreis der willigen und erfahrenen Profis könnte ein runderneuerter SCP mit Perspektive entstehen. Der Erste, der das auch so erkannt hat, ist der ungeschlagene Trainer Steffen Baumgart. Erst ein paar Wochen dabei, flüchtet er nicht von der Kommandobrücke. Baumgart fühlt sich vielmehr schon als ein Teil des SCP, reiht sich klaglos in die Riege der Versager ein und stellt sich für einen Neuaufbau zur Verfügung. Das verdient Respekt.

Zusammen mit Markus Krösche als neuem starken Mann im Verein, dem ab sofort alle Kompetenzen übertragen werden müssen, könnte die Stunde Null im Paderborner Profifußball tatsächlich ein Neuanfang werden.

Die Regionalliga ist finanziell ein einziges Desaster

Präsident Wilfried Finke wird in den kommenden zwei Wochen genau erkennen, wer nur gerne beim SCP zu Gast ist, wenn die Sonne auf die VIP-Plätze strahlt, und wer sich sofort abwendet, wenn der Himmel rabenschwarz ist. Die Entscheidung von Rat und Verwaltung war da nur ein Anfang. Dabei kommt es gerade jetzt darauf an zu signalisieren, ob überhaupt eine Bereitschaft da ist, den SC Paderborn am Leben zu erhalten. Denn die Regionalliga ist finanziell ein einziges Desaster und hat in ihrer Struktur mit Profifußball gar nichts mehr zu tun. Schlimmer noch: Dort steigt der Meister nicht direkt auf. Das macht den Weg zurück zu einem Glücksspiel und kann Jahre dauern.

Deshalb sollte sich der SCP darauf einstellen, sehr viel länger mit Wiedenbrück, Verl oder Rödinghausen eine gute Fußball-Nachbarschaft zu pflegen. Auch das gehört zur Wirklichkeit, die jetzt akzeptiert werden muss. Sonst hat Profifußball auch in Paderborn keine Chance mehr.

Kommentare

Zitat

"Ich sehe auf Jahre hinaus den SC Paderborn als erste Fußballmacht in OWL!" Wilfried Finke im Sommer 2014. Damals konnte man ja nicht ahnen, das er den regionalen Bezug gemeint hatte.....

1 Kommentare

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