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Di., 23.05.2017

Kein TV-Geld, nur drei Spieler und noch kein Stadion für die neue Saison Paderborns bitterer Abgang

Nach dem Abpfiff ist die Enttäuschung groß.

Nach dem Abpfiff ist die Enttäuschung groß. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Der dritte Abstieg in Folge und der damit verbundene Sturz in die Viertklassigkeit wird beim SC Paderborn weiter aufgearbeitet. Mit Präsident Wilfried Finke, Manager Markus Krösche und Trainer Steffen Baumgart steht das neue Führungstrio fest. Das muss in sehr kurzer Zeit den Verein total verändern und damit komplett neu aufbauen.

Lizenz

Den Antrag auf Zulassung für die Regionalliga hatte der SCP schon vorsorglich vor dem Abstieg gestellt. Ein Lizenzierungsverfahren gibt es hier nicht, die Paderborner mussten nur eine Art »Startgeld« in Höhe von 35.000 Euro hinterlegen. Der Klub will aber auch versuchen, bis zum 2. Juni (15.30 Uhr) alle Bedingungen für die 3. Liga zu erfüllen. Das Finanzierungsloch in Höhe von etwa zwei Millionen Euro zu schließen, wird nicht einfach. »Wir brauchen noch etwa 100 Unterschriften von Sponsoren und arbeiten daran Tag und Nacht«, sagt Finke. Sollte ein Verein (Chemnitzer FC?) keine Drittligalizenz erhalten, wäre der SCP als Tabellen-18. der erste Nachrücker.

Regionalliga West

Paderborns neue Liga startet am Wochenende 28. bis 31. Juli in die dann sechste Saison. Die Spielzeit 2017/2018 läuft bis zum 13. Mai 2018. Spieltag ist in der Regel der Samstag, Anstoß ist um 14 Uhr. Wann der SCP mit der Vorbereitung beginnt, steht noch nicht fest. Üblich sind sechs Wochen, deshalb dürfte der Startschuss für die erste Paderborner Viertligasaison seit 2000 um den 19. Juni fallen. Ein Trainingslager wird im Sommer aus Kostengründen wahrscheinlich nicht bezogen. Mit dem erst 2016 fertig gestellten Trainingszentrum hat der SCP für einen Viertligisten allerdings auch allerbeste Bedingungen vor Ort.

 

Manipulationsverdacht

Marc Heider und Addy Waku Menga vom VfL Osnabrück haben im Zuge der Ermittlungen um einen möglichen Manipulationsskandal ein Fehlverhalten eingeräumt. Es sei aber zu keinen Absprachen mit Werder Bremen II gekommen. Drahtzieher sei ein dritter Profi gewesen, dessen Name nicht öffentlich gemacht wurde. Gegen das Trio ermittelt der DFB ebenso wie die Staatsanwaltschaften in Osnabrück und Bochum. »Unsere Anwälte sind am Ball. Aber noch haben wir zu wenig Einblicke, um diesen Fall bewerten zu können«, sagt Krösche.

Der Kader 2017/2018

Das SCP-Aufgebot für die kommende Saison ist noch übersichtlich: Mit Aykut Soyak, Ron Schallenberg und Dardan Karimani haben erst drei Spieler einen Viertligavertrag unterschrieben. In den kommenden Tagen werden die U21-Spieler Tim Mannek und Semir Saric dazukommen. »Mit beiden sind wir seit zwei Wochen im Gespräch und stehen vor dem Abschluss«, sagt Krösche. Wer aus dem Drittligakader ein Angebot bekommt, ist unklar. Krösche will erst das Westfalenpokal-Endspiel am Donnerstag (17 Uhr, Arena) gegen SF Lotte abwarten. »Noch ist die Saison für uns nicht beendet«, begründet der 36-Jährige.

TV-Geld

Das liegt in der Regionalliga bei null Euro. »Es wird bis auf ein paar Ausnahmen auch nichts übertragen«, begründet Geschäftsführer Martin Hornberger. Die Entwicklung der Fernsehgelder macht beim SCP das gesamte Dilemma deutlich: In der 1. Liga gab’s 2014/2015 20 Millionen Euro, in der 2. Liga 2015/2016 flossen 10 Millionen Euro in die Klub-Kasse und in der 3. Liga 2016/2017 waren es immerhin noch 711.000 Euro.

Stadion

Die Stadt muss dem Verein eine viertligataugliche Spielstätte zur Verfügung stellen. Diese Position bezieht der SCP. Das Stadion müsste Rahmenbedingungen wie zum Beispiel getrennter Gästeblock, Medienräume, Flutlichtanlage oder Parkplätze erfüllen. Die Stadt wird daher abwägen müssen, was zum Beispiel die Instandsetzung des eigenen Hermann-Löns-Stadions kostet, oder wie hoch die Miete für die Benteler-Arena wäre. Der Verein würde gerne in der Arena bleiben, denn nur hier kann sich der SCP vermarkten. Allerdings kann der Klub die Mietkosten in Höhe von 780.000 Euro (Arena und Trainingszentrum) nicht bezahlen.

Zuschauer

Die vergangene Drittliga-Saison wurde mit 7500 Besuchern kalkuliert, es kamen im Schnitt aber nur 5542 in die Arena. Das lag nicht nur an der sportlichen Leistung, auch die Preispolitik (die Tageskarte kostete zwischen sechs und 29,50 Euro) wurde in Fankreisen harsch kritisiert. Der Verein kündigte bereits vor dem Abstieg an, die Preise reduzieren zu wollen. Jetzt wird radikal gesenkt, der SCP-Fanbeirat hat dabei sogar ein Mitspracherecht. Das letzte Wort hat aber Präsident Wilfried Finke. Der Kartenvorverkauf soll in etwa zwei Wochen starten.

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