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Sa., 21.10.2017

Der Leihspieler aus Düsseldorf macht den SC Paderborn noch stärker Ritter hat das gewisse Etwas

Lange Ärmel, die Stutzen hochgezogen: Paderborns Leihgabe Marlon Ritter lässt sich dennoch nicht aufhalten.

Lange Ärmel, die Stutzen hochgezogen: Paderborns Leihgabe Marlon Ritter lässt sich dennoch nicht aufhalten. Foto: Jörn Hannemann

Von Peter Klute

Paderborn (WB). Es ist eine dieser verrückten Geschichten. Ein Profifußballer mit einer Rasen-Allergie. Gibt’s nicht? Doch. Beim Paderborner Marlon Ritter ist das Realität. Und sichtbar: Er trainiert und spielt bevorzugt in langer Kleidung. So wird’s auch im Drittliga-Spiel des SCP gegen den VfR Aalen (Samstag 14 Uhr) sein.

»Es war vor einigen Jahren bei Borussia Mönchengladbach. Ich bin plötzlich überall am Körper rot geworden und es hat fürchterlich gejuckt«, erinnert sich Ritter, der ab und an auch schon mal zu einer Tablette greifen muss. »Aber es gibt Schlimmeres und beeinträchtigt mich nicht«, sagt der Blondschopf.

Dass er trotzdem in der Lage ist, Topleistungen abzurufen, das beweist die von Fortuna Düsseldorf ausgeliehene Offensivkraft seit zwei Monaten in Paderborn. Und sein Wert für den SCP wird immer größer.

Gegen Bremen II bester Mann neben Michel

Am 23. August wurde Ritter für ein Jahr vom Rhein an die Pader transferiert. Zwei Tage später im Heimspiel gegen den SV Meppen (1:0) durfte er bereits für einige Minuten ran, seinen zweiten Einsatz als Joker im nächsten Spiel in Würzburg krönte er mit dem 3:2-Siegtreffer. Seit zwei Spielen ist er im zentralen Mittelfeld vor Abräumer Robin Krauße gesetzt.

Dort war Massih Wassey bis zu seinen Achillessehnenproblemen und der Auswärtsaufgabe in Zwickau erste Wahl, musste sich aber bei seiner Rückkehr gegen Bremen hintenanstellen. Wassey traf nach seiner Einwechslung zum 7:1-Endstand, doch Ritter glänzte noch viel mehr.

B eim Paderborner Rekordsieg schoss der gebürtige Essener das 2:0 selbst , bereitete drei weitere Treffer vor und war neben dem dreifachen Torschützen Sven Michel der überragende Spieler auf dem Platz.

Sein Trainer Steffen Baumgart gerät ins Schwärmen: »Marlon kann Spiele entscheiden und ist ein Fußballer durch und durch. Er bringt viel mit, was ein Trainer einem Spieler nicht beibringen kann. Die kurzen Bewegungen, die spielerischen Lösungen auf engstem Raum, die Ruhe am Ball: Das hat man oder man hat es nicht.«

Ritter hat dieses gewisse Etwas, doch Baumgart vergisst auch Massih Wassey nicht: »Das sind ähnliche Typen und sie beherrschen etwas, was für unsere junge Mannschaft besonders wichtig ist: Sie machen die Jungs neben sich besser.«

Rose und Tulpe statt Pest und Cholera

Ritter und Wassey, zwei feine Spielgestalter auf Augenhöhe, die gegen Aalen im Doppelpack auflaufen könnten. Auch wenn bisher meist nur einer von beiden begann, genießt Baumgart die Auswahl: »Wir reden hier nicht über Pest und Cholera. Ich würde das mit einer Rose und einer Tulpe vergleichen. Da kann ich mit meiner Entscheidung nichts falsch machen.«

Alles richtig gemacht hat Ritter mit seinem Wechsel zum SCP: »Schon die ersten Spiele in der Saison haben gezeigt, dass das hier keine blinde Truppe ist. Diese Mannschaft will Fußball spielen und hat etwas vor. Da habe ich mich gerne angeschlossen.«

Noch keine Gedanken an Bochum

Und beide Seiten profitieren davon. Ritter macht den SCP noch stärker und der SCP hilft Ritter nach zwei mäßig erfolgreichen Stationen in Mönchengladbach und Düsseldorf auf dem Weg zu einem gestandenen Profi.

»Ich möchte mich für höhere Aufgaben empfehlen, aber hier hat keiner einen Freifahrtschein«, sagt Ritter. Bei zwei bevorstehenden Englischen Wochen wird aber jeder seine Einsätze bekommen.

Ritter konzentriert sich erst einmal ganz auf Aalen und schiebt das DFB-Pokalspiel drei Tage später beiseite. »Was bringt uns das, wenn wir jetzt schon an Bochum denken und gegen Aalen verlieren? Über den VfL können wir uns ab Samstagabend Gedanken machen.« Am liebsten mit einem weiteren Dreier als Tabellenführer. Doch auch wenn Ritter wieder treffen sollte, vor Freude auf dem Rasen wälzen wird er sich nicht.

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