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Sa., 02.12.2017

Paderborns Kapitän im Interview Strohdiek: »Wir müssen wach bleiben«

Christian Strohdiek sagt: »Oben ist es am schönsten, und wir werden alles dafür tun, unseren Platz zu verteidigen. Da hat jeder seinen eigenen Antrieb.«

Christian Strohdiek sagt: »Oben ist es am schönsten, und wir werden alles dafür tun, unseren Platz zu verteidigen. Da hat jeder seinen eigenen Antrieb.« Foto: Besim Mazhiqi

Paderborn (WB). »Wir haben als Team nicht funktioniert.« So lautete das Fazit von Christian Strohdiek nach einer verkorksten Hinrunde vor einem Jahr. Am Ende schaffte der SC Paderborn den Klassenerhalt nur am Grünen Tisch. Jetzt ist der SCP Erster in Liga drei und Strohdiek der Kapitän. Vor dem Auftritt am Samstag (14 Uhr) beim SV Wehen Wiesbaden sprach Peter Klute mit dem Abwehrchef.

Herr Strohdiek, noch zwei Spiele, dann ist Halbzeit. Was ist aus Ihrer Sicht der Hauptgrund für den Erfolg?

Christian Strohdiek: Dass jeder Einzelne an seine Leistungsgrenze geht und sich verbessern will. Wir sind gierig darauf, uns weiterzuentwickeln. Das merkt man in jedem Training. Darüber hinaus sind wir fokussiert, keiner denkt, es läuft von alleine. Jeder macht den Schritt für den anderen und holt das Beste für die Mannschaft raus. Auch die, die hinten dranstehen. Wir sind unberechenbar, weil wir fünf bis sechs Spieler in der Mannschaft haben, die den Unterschied ausmachen können.

 

Blicken wir kurz auf den ersten Spieltag zurück. In Halle waren zwölf Sekunden gespielt, als es nach einem Foul von Ihnen Elfmeter für den Gegner gab. Ganz ehrlich, was haben Sie da, auch im Rückblick auf die abgelaufene Saison, gedacht?

Strohdiek: Mein Gedanke war: Das fängt ja gut an. Aber so wie wir da aufgetreten sind, mit der Zielstrebigkeit, hat das gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Vielleicht sind wir in Sachen Tempo übers Ziel hinausgeschossen, aber auch wenn wir nach einer 4:1-Führung am Ende 4:4 gespielt haben und das ein Riesenschlag ins Gesicht war, hat dieses Spiel gezeigt, dass Potenzial da ist und wir mit Rückschlägen viel besser umgehen können. Entscheidend ist, wie man Fehler verarbeitet. Es hat bisher noch kein Spiel gegeben, in dem wir zusammengebrochen sind und chancenlos waren. Es ist ein super Gefühl, auch an Tagen, an denen es nicht läuft, Tore schießen und gewinnen zu können. Die Mannschaft hält sich immer an den Plan und schreibt nie etwas ab.

 

Für Präsident Wilfried Finke sind Manager Markus Krösche und Trainer Steffen Baumgart die wichtigsten Erfolgsgaranten. Für Sie auch?

Strohdiek: Das ist so. Wir haben im gesamten Verein wieder ein super Klima. Ich will jetzt nicht von einer Eiszeit sprechen, aber das Verhältnis unterein­ander war verhärtet. Keiner wusste genau, wie er mit dem anderen umgehen sollte. Wir haben es geschafft, wieder ein familiäres Gefühl und Zusammenhalt hinzubekommen, so wie früher. Man freut sich wieder, die Leute zu sehen, und das ist ein großes Verdienst von Trainer und Manager.

 

Wehen, Köln, Halle und zum Jahresabschluss das Achtelfinale im DFB-Pokal gegen den FC Ingolstadt: Was muss bis Weihnachten passieren, damit Christian Strohdiek zufrieden unter dem Tannenbaum sitzt?

Strohdiek: Dass wir es mit unserer ganzen Leidenschaft und Power weiter schaffen, dem Gegner unseren Fußball aufzuzwingen und 100 Prozent auf den Platz bekommen. Das würde mich zufriedenstellen, denn dann haben wir die höchste Wahrscheinlichkeit, Spiele zu gewinnen und unsere Position zu festigen. Unabhängig von Punkten, denn dafür kann im Fußball zu viel passieren.

 

Nach dem 0:2 gegen Karlsruhe herrschte neben einer Enttäuschung auch viel Gelassenheit. Sehen Sie die Gefahr, zu gelassen zu werden?

Strohdiek: Die Gefahr ist da, wenn man Niederlagen nicht ernst nimmt und nicht mehr selbstkritisch ist. Es hört sich vielleicht blöd an, aber es gab auch in dieser Saison genug Spiele, wo wir noch besser hätten sein können. Wir dürfen nicht aufhören, akribisch zu arbeiten und müssen wach bleiben. Dann habe ich keine Befürchtungen. Es ist nicht unsere Herangehensweise, als Tabellenführer in ein Spiel zu gehen und mit einem Unentschieden zufrieden zu sein. Das wird auch in Wiesbaden nicht so sein, obwohl wir wissen, dass das ein sehr schwieriges Spiel wird. Aber wir wollen einen direkten Konkurrenten weiter distanzieren.

 

Der SCP dominiert die Liga und hat aktuell sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Auch wenn Sie immer nur von Spiel zu Spiel schauen, wäre ein Nichtaufstieg am Ende der Saison aus jetziger Sicht nicht eine Riesenenttäuschung?

Strohdiek: Nein, weil wir noch mehr Spiele vor uns haben als gespielt sind. Eine Prognose, was im Frühjahr sein wird, ist immer noch verdammt schwierig, weil die Liga sehr ausgeglichen ist. Es kann von Spieltag zu Spieltag anders aussehen. Aber natürlich wäre Platz zehn jetzt nicht mehr okay. Oben ist es am schönsten, und wir werden alles dafür tun, unseren Platz zu verteidigen. Da hat jeder seinen eigenen Antrieb.

 

Eine private Frage zum Schluss. Sie sind Junggeselle und werden am 22. Januar 30 Jahre alt. Haben Sie schon den Paderborner Rathausplatz zum Fegen gemietet?

Strohdiek : Ich habe da so eine leise Befürchtung, wobei ich da kein Mitspracherecht habe. Ich weiß nicht, was da auf mich wartet, aber ich weiß, dass der eine oder andere sich darauf freut und sich Gedanken macht. An erster Stelle meine Freundin.

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