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Mo., 15.01.2018

Drittligist SC Paderborn fehlen bis Saisonende 6,3 Millionen Euro Die Zahlen sind tiefrot

SCP-Präsident Wilfried Finke und Bürgermeister Michael Dreier.

SCP-Präsident Wilfried Finke und Bürgermeister Michael Dreier. Foto: Jörn Hannemann

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Sportlich ist der SC Paderborn als Zweiter der 3. Liga auf Zweitliga-Kurs. Wirtschaftlich steht der SCP vor einem Millionen-Loch: Zum Abschluss der laufenden Saison kalkuliert der Verein mit einem Jahresfehlbetrag in Höhe von knapp drei Millionen Euro. Das negative Eigenkapital erhöht sich zum 30. Juni 2018 auf knapp 6,3 Millionen Euro.

Diese tiefroten Zahlen gab der Aufsichtsratsvorsitzende Elmar Volkmann am Montag im Verlauf der Mitgliederversammlung im Hansesaal des Paderborner Schützenhofes bekannt. »Profifußball in Paderborn ist in der 3. Liga nicht finanzierbar. Das geht nur in der 2. Liga, dort müssen wir uns etablieren«, machte Volkmann deutlich. Dort würden sich allein die TV-Einnahmen von 699.000 auf 7,6 Millionen Euro erhöhen.

Der SCP, der seine Erstligasaison 2014/2015 nicht nur nutzte, um 4,6 Millionen Euro Schulden abzubauen, sondern die Serie auch noch mit einem Plus in Höhe von knapp 1,4 Millionen Euro abschloss, war auch zum 30. Juni 2016 (Guthaben: 216.663 Euro) noch schuldenfrei.

Doch bereits die vergangene Drittligasaison schloss der SCP mit einem Minus von 3,5 Millionen Euro ab, weitere knapp drei Millionen Euro kommen aktuell hinzu. Und das, obwohl der Verein durch den Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals etwa 2,3 Millionen Euro mehr eingenommen hat, als geplant. Insgesamt gibt der SCP für diese Saison 13,4 Millionen Euro aus, nimmt aber nur 10,4 Millionen Euro ein.

Mit Abstand größter Posten ist das Personal

Allein etwa 1,8 Millionen Euro zahlt der SCP jährlich an Nebenkosten für die Arena und das Trainingszentrum. Dazu kommen noch einmal Mietkosten an der Paderborner Stadiongesellschaft (PSG) in Höhe von 750.000 Euro. Die musste der SCP in der Saison 2016/2017 gar nicht zahlen, in dieser Serie verzichtete die PSG auf weitere 350.000 Euro und stellte die Spiel- und Trainingsstätten für 400.000 Euro zur Verfügung. Der mit Abstand größte Posten ist das Personal: 6,8 Millionen Euro gibt der Verein für seine Mitarbeiter (Geschäftsstelle, Profis, Nachwuchsabteilung) aus.

 Mit den Zuschauerzahlen (7500 im Schnitt) liegt der Verein über der Kalkulation. Da die Eintrittspreise aber erheblich gesenkt worden sind, ergibt sich ein Nullsummenspiel. Die vor der Saison abgeschlossenen stark leistungsbezogenen Profi-Verträge wirken sich nach der starken Hinrunde (44 Punkte, drei Pokalrunden überstanden) dagegen sehr deutlich aus.

Gespart werden soll aber nicht im Nachwuchsbereich. Langfristig soll nach der U19 auch die U17 in der Bundesliga spielen, insgesamt investiert der Verein in dieser Saison 854.000 Euro (Vorjahr: 871.923 Euro) in die Förderung. »Wir werden ein Ausbildungsverein bleiben und müssen uns als Ziel setzen, pro Jahr einen Spieler zu verkaufen«, sagte Volkmann.

Überlegungen, die Profiabteilung auszugliedern

Um den Verein zukunftsfähig zu machen,  wird überlegt, die Profiabteilung auszugliedern und in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln. Am Montag schlug Vize-Präsident Dr. Rudolf Christa den Mitgliedern eine Satzungsänderung vor, um damit die »Basis für eine spätere Ausgliederung« zu schaffen. Dafür war eine Zweidrittelmehrheit nötig. Von den 359 stimmberechtigten Anwesenden votierten 311 und damit 86,6 Prozent  für den Antrag. Nur 35 waren dagegen.

Bereits im Mai soll im Verlauf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Trennung beschlossen werden.  Einige  Mitglieder hatten  Bedenken geäußert, Präsident Wilfried Finke versicherte aber: »Ich werde  nie mehr als 25 Prozent der Aktien kaufen.« Dr. Christa deute an, bereits positive Signale von möglichen Investoren für ein »Paderborner Bündnis« erhalten zu haben.

Mit Steuerberater Stefan Rees und dem Unternehmer Orhan Dag vergrößerte der SCP Am Montagabend seinen Aufsichtsrat. Dem Gremium gehören neben dem Vorsitzenden Volkmann und dessen Stellvertreter Dr. Rüdiger Völkel noch der Unternehmer Michael Neitemeier sowie Dr. Carsten Linnemann (MdB) an.

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