Fr., 08.08.2014

US-Präsident kündigt »gezielte Operationen« gegen IS-Milizen an – erste Hilfsgüter angekommen Obama erlaubt Luftangriffe im Irak

US-Präsident Barack Obama hat gezielte Luftangriffe auf die IS-Milizen im Nordirak genehmigt.

US-Präsident Barack Obama hat gezielte Luftangriffe auf die IS-Milizen im Nordirak genehmigt. Foto: dpa/Mike Theiler

Bagdad/Washington (dpa). Barack Obama hat lange gezögert. Doch das brutale Vorrücken der IS-Milizen im Irak wird immer bedrohlicher. Jetzt hat der US-Präsident Angriffe der Luftwaffe autorisiert und Hilfsflüge angeordnet.

Es gehe um den Schutz religiöser Minderheiten, ein Völkermord müsse verhindert werden, sagte Obama. Er betonte aber auch, es würden keine US-Bodentruppen in den Irak geschickt.

Mit der Eroberung der Stadt Mossul im Juni hatten sich IS-Milizen in der Region festgesetzt. Zuletzt rückten die Extremisten aber auch immer weiter in Richtung Norden an die Grenzen der Autonomieregion Kurdistan und damit in christliche sowie jesidische Gebiete vor. Zehntausende sind dort auf der Flucht.

»Gezielte Operationen«

Luftangriffe habe er insbesondere für den Fall autorisiert, dass IS-Kämpfer gegen die Stadt Erbil vorrücken sollten, in der sich auch US-Militärberater befänden, sagte Obama. Luftangriffe seien auch möglich, wenn die Kämpfer gegen die ins Sindschar-Gebirge geflüchteten Jesiden vorgingen. Es werde sich aber um »gezielte Operationen« handeln.

Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte, wurden erste Hilfsgüter erfolgreich am Sindschar-Gebirge aus Flugzeugen abgeworfen. Dabei handelte es sich um Nahrungsmittel und Wasser. In dem Gebirge sind nach UN-Angaben 200.000 Menschen vor IS auf der Flucht. 

Der irakische UN-Botschafter Mohammed Ali Alhakim sagte, die Situation im Nordirak habe sich extrem verschlechtert, »es handelt sich im Grunde um eine humanitäre Katastrophe«. Hilfe für die Zivilisten sei deshalb »Priorität Nummer eins«.

Hilfe für Zivilisten muss oberste Priorität haben

Der Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, Louis Raphael I. Sako, verglich die Situation mit einem Exodus. Das sei nicht nur eine humanitäre Katastrophe, es drohe vielmehr ein Völkermord. Erst am Wochenende hatten die sunnitischen Extremisten viele Jesiden von ihnen getötet. 

»Wenn wir die Möglichkeit haben, ein Massaker zu verhindern, dürfen wir nicht wegschauen.« Obama fügte aber ausdrücklich hinzu: »Als Oberkommandierender der Streitkräfte werde ich es nicht zulassen, dass die Vereinigten Staaten in einen weiteren Krieg im Irak gezogen werden.«

Der UN-Sicherheitsrat hatte das brutale Vorgehen der sunnitischen Extremistengruppe zuvor scharf verurteilt. »Wir müssen prüfen, ob die Attacken Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind. Dann müssen die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden«, sagte der derzeitige Ratspräsident, Großbritanniens UN-Botschafter Mark Lyall Grant, nach einer Sondersitzung des Sicherheitsrates in New York.

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