Sa., 17.06.2017

Christdemokraten in OWL würdigen Altkanzler »Nicht nur Politiker, Kohl war Staatsmann«

Altkanzler Helmut Kohl besucht im Juni 2006 die Marienschule in Bielefeld, rechts der Europaabgeordnete Elmar Brock, links daneben der damalige Oberbürgermeister Eberhard David.

Altkanzler Helmut Kohl besucht im Juni 2006 die Marienschule in Bielefeld, rechts der Europaabgeordnete Elmar Brock, links daneben der damalige Oberbürgermeister Eberhard David. Foto: Hans-Werner Büscher

Von Bernd Bexte, Michael Robrecht und Peter Schelberg

Bielefeld (WB). Christdemokraten in OWL trauern um Helmut Kohl. Sie würdigen den verstorbenen Ex-Kanzler als Wegbereiter der deutschen und europäischen Einigung.

»Er dachte immer in großen Zusammenhängen«

Elmar Brok (71), CDU-Europaabgeordneter aus Bielefeld, hat Helmut Kohl gut gekannt: »Der Tod von Helmut Kohl ist für mich ein persönlicher Verlust. Ich war von 1968 bis zum Schluss mit ihm in Kontakt, auch in der Zeit seiner Krankheit«, sagte Brok am Freitagabend im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Kohl sei nach Konrad Adenauer der wichtigste deutsche Politiker der Nachkriegszeit gewesen – mit Blick auf Europa sogar der wichtigste.

»Er dachte immer in großen Zusammenhängen, hat Entscheidungen getroffen, die zunächst nicht populär waren, sich aber langfristig als richtig erwiesen haben wie

Wiedereröffnung des Diözesanmuseums in Paderborn (1993): Kohl mit Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt. Foto: Carsten Borgmeier

etwa der Nato-Doppelbeschluss.« Kohl habe seine Politik an Überzeugungen ausgerichtet, nicht an Meinungsumfragen. Helmut Kohl, so bilanziert Brok, habe den Unterschied ausgemacht zwischen einem Politiker und einem Staatsmann. »Es stünde um Europa besser, wenn es heute mehr solcher Persönlichkeiten geben würde wie Helmut Kohl.« Die Parteispendenaffäre trübe mitnichten die Leistungen des ehemaligen Bundeskanzlers und CDU-Parteivorsitzenden. »Da hat sich meine Partei auch unglücklich verhalten.«

Brok erfuhr während Gesprächen im spanischen Parlament in Madrid vom Tode Kohls. Er habe dort spontan in einer Rede Kohls Leistungen gewürdigt. »Auch die Trauer hier vor Ort ist groß.« Kohl sei neben den beiden Franzosen Jean Monnet (1888-1979) und Jacques Delors (91) einer von nur drei Ehrenbürgern Europas. »Für uns Europäer gilt es jetzt, seinen Auftrag zur Vollendung des Hauses Europa zu erfüllen.« Auch auf persönlicher Ebene habe Brok den Menschen Helmut Kohl in vielen Begegnungen kennengelernt: »Er konnte gut zuhören und einem Vertrauen vermitteln.«

»Persönliche spielte im Kabinett Kohl eine wichtige Rolle«

Klaus Töpfer (78) aus Höxter, von 1987 bis 1998 Bundesminister unter Kanzler Helmut Kohl: »Ohne Helmut Kohl sähe Europa heute ganz anders aus. In diesen Tagen können wir erst ermessen, welche wichtige Rolle Kohl für Europas Einigung und für weitere Perspektiven gespielt hat.« Auch mit der deutschen Einheit wäre es ohne die schnelle und zupackende Art von Helmut Kohl nicht so schnell vorangegangen.

»Europa und die Einheit – das steht für mich ganz groß auf der Habenseite dieses Kanzlers der Einheit.« Und er sei immer auch jemand gewesen, der menschlichen Kontakt suchte. »Auch zu mir. Politik war dann nie abstrakt und technisch, sondern das Persönliche spielte im Kabinett Kohl, dem ich als Bundesumwelt- und als Bauminister viele Jahre angehört habe, oder im CDU-Bundesvorstand immer eine sehr wichtige Rolle.«

»Motor der europä­ischen Einigung«

Ralph Brinkhaus, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und OWL-Bezirksvorsitzender der CDU: »Das ist eine sehr traurig stimmende Nachricht. Helmut Kohl war der Vater der deutschen Einheit und Motor der europä­ischen Einigung. Nur wenige Politiker haben so viel für ein vereintes Europa geleistet wie er. Diese beiden Stränge seiner Politik werden in die Geschichte eingehen. Das bleibt.« Die Spendenaffäre am Ende von Kohls politischer Karriere könne diese Leistungen nicht schmälern.

»Ich bin tief betroffen«

Reinhard Göhner aus Kirchlengern, von 1991 bis 1994 Staatssekretär in der Regierung Kohl: »Ich bin tief betroffen. Helmut Kohl war der größte Staatsmann der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland und Europa, der das wesentliche Verdienst an der deutschen und europäischen Einigung hat und dem unser Land unendlich viel verdankt.« Göhner erinnert sich an zahlreiche persönliche Begegnungen. Noch im April habe er Helmut Kohl besuchen dürfen und habe gespürt, dass seine Kräfte nachließen.

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