Sa., 18.11.2017

Apples neues Smartphone-Flaggschiff im Praxistest Zwei Wochen mit dem iPhone X

»Ten«, nicht »X« wird das neue Modell ausgesprochen – schließlich feiert das iPhone sein Zehnjähriges.

»Ten«, nicht »X« wird das neue Modell ausgesprochen – schließlich feiert das iPhone sein Zehnjähriges. Foto: Mike-Dennis Müller

Von Mike-Dennis Müller

Bielefeld/Köln (WB). Das iPhone X (Zehn) ist da. Nach den ersten zwei Wochen mit dem neuen Apple-Flaggschiff lassen sich die Stärken und Schwächen schon klar erkennen. Wie schlägt sich das Smartphone, das die Zukunft seiner Klasse einläuten soll?

Es fühlt sich wieder ein wenig so an, wie bei den ersten Modellen: Nein, gemeint ist nicht das Gehäuse. Es ist der Hype. Freitag, 3. November, 8 Uhr: Vor den Türen von Apple an der Schildergasse in Köln warten so viele Menschen, wie man es schon seit Jahren nicht mehr vor den meisten Stores sieht. Es sind mehrere hundert – und sie warten gern. Euphorie liegt in der Luft.

Schnelle Einrichtung dank iOS 11

Zu recht? 1149 Euro kostet das neue iPhone mit 64 Gigabyte Speicherplatz, 1319 Euro mit 256 – so viel wie nie. Da dürfen die Erwartungen entsprechend hoch sein. Und der erste Eindruck ist abermals sehr gut: Der glänzende Aluminiumrahmen harmoniert vor allem beim spacegrauen Modell gut mit dem Glas auf Vorder- und Rückseite. Das Gehäuse fühlt sich gut an, sehr stabil und liegt gut in der Hand. Einzig die aus dem Gehäuse hervorstehende Kamera stört weiterhin ästhetisch.

Die Einrichtung geht auch dank des aktuellen Betriebssystems iOS 11 so schnell wie nie: Wer das neue Smartphone an sein Vorgängermodell hält, kann per Bluetooth direkt dessen Einstellungen übernehmen. Das lästige Eintippen langer W-Lan-Passwörter entfällt. Auch für Nutzer, die ihr Android-Smartphone leid sind, bietet Apple einfache Lösungen: Im Google Play Store kann die »Move to iOS«-App geladen werden.

Indikator statt Knopf: Mit einem Wisch nach oben kommt man nun zum Startbildschirm. Foto: Mike-Dennis Müller

Das 5,8 Zoll große Display erstreckt sich erstmals über die gesamte Größe des Gerätes, von Seite zu Seite und Ecke zu Ecke. Es ist das größte Display, das je in einem iPhone verbaut wurde. Trotzdem ist das Gerät schön handlich und lässt sich deutlich besser mit einer Hand bedienen als etwa das größere iPhone 8 Plus. Eingeschaltet erkennt man eine Einsparung an der oberen Seite, in der Ohrhörer, Frontkamera und die neuen Zusatzsensoren für die Gesichtserkennung untergebracht sind. Was im Vorfeld noch viele gestört hat, fällt nach kurzer Zeit der Nutzung kaum noch auf. Selbst bei Filmen im Vollbildmodus behindert die »Notch« nicht.

Ein neues Erkennungszeichen?

Das offene Schloss im Display zeigt an, wenn man das iPhone X per Face ID entsperrt hat. Und das geht erfreulich schnell Foto: Mike-Dennis Müller

Vielleicht wird diese kleine Aussparung gar zum neuen Erkennungszeichen des iPhones, denn das bisherige fehlt: der Home-Button. Schon seit dem iPhone 7 war der physisch nicht mehr da, sondern wurde nur noch durch haptisches Feedback simuliert. Jetzt fehlt der Knopf und damit auch die Fingerabdruckerkennung »Touch ID« ganz. Mit Wischbewegungen nach oben kommt man nun zum Startbildschirm. Zwischen einzelnen Apps kann man auch durch ein schnelles Wischen zur Seite wechseln. Das klappt gut und man gewöhnt sich schnell um. Praktisch: Direkt vom Sperrbildschirm kommt man mit kräftigem Druck auf einen von zwei virtuellen Buttons zur Kamera oder aktiviert die Taschenlampe.

Die Gesichtserkennung »Face ID« ist schnell eingerichtet und funktioniert in der Praxis fast immer. Auch in der Dunkelheit klappt alles erstaunlich gut. Nutzer werden mit und ohne Brille erkannt, das System lernt und registriert Veränderungen. Dank der schnellen Identifizierung kommt man schneller von Meldungen auf dem Sperrbildschirm zu den Apps selbst. Nur Käufe im iTunes-Store sind umständlicher: Ein doppelter Druck auf den Ein-Schalter ist dort jedes Mal nötig, um »Face ID« zu aktivieren.

Die Kamera hat jetzt zwei 12-Megapixel-Sensoren, beide Objektive sind optisch stabilisiert. Foto: Mike-Dennis Müller

Die Kamera besteht wie schon bei den Plus-Modellen aus zwei Kameras mit verschiedenen Brennweiten. Beide haben nun eine Auflösung von zwölf Megapixeln und sind optisch stabilisiert. Dank leicht verbesserter Lichtstärke (Blende 2.4 statt 2.8 bei der Telelinse) funktioniert das Fotografieren bei schwachem Licht etwas besser als bei Vorgängermodellen. Das so genannte Porträtlicht ist eine nette Spielerei, funktioniert in der Beta-Version aber noch nicht immer zuverlässig.

Stärkere Kontraste, kräftigere Farben

Zum ersten Mal ist im iPhone ein OLED-Display verbaut. Vor allem in der Dunkelheit fällt der Vergleich zu Vorgängermodellen klar aus: So tiefschwarz war Schwarz noch nie. Das macht nicht nur die Bedienung angenehmer für die Augen, sondern spart auch Energie.

Laden? Das geht jetzt auch ohne Kabel. Foto: Mike-Dennis Müller

Apropos: Der Akku hält länger durch als der des iPhone 7, im Energiesparmodus auch gerne mal deutlich länger als einen Tag. Die Kapazität des Akkus ist mit etwa 2700 mAh sogar größer als die der Modelle 7 Plus oder 8 Plus, die aber noch etwas länger durchhalten. Geladen werden kann nun auch ohne Kabel – per Induktion. Das funktioniert, wie bei anderen Herstellern schon seit einer Weile, gut. Rascher geht es aber weiterhin mit Kabel, auch per Schnellladefunktion – allerdings nur mit einem optionalen Netzteil (zwölf Watt statt fünf Watt, 25 Euro). Die Induktionsladung mag einer der Hauptgründe für den Wechsel von Aluminium zu Glas gewesen sein. Was sich in der Hand richtig gut anfühlt, macht das iPhone aber auch so zerbrechlich wie lange nicht. Angesichts stark gestiegener Reparaturpreise (mehr als 300 Euro für einen Displayaustausch, mehr als 600 Euro für jede andere Reparatur) ergibt die Garantieerweiterung »AppleCare+«, die selbst verursachte Schäden abdeckt, mehr Sinn denn je (229 Euro).

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