So., 26.11.2017

4,2 Prozent der Schüler durchgefallen – Kritik an Leistungsdruck »Das Abitur ist unheimlich anspruchsvoll geworden«

Für Abi-Prüfungen gibt es bis zu 15 Punkte: 15, 14 und 13 für »sehr gut«; 12, 11 und 10 für »gut«; 9, 8 und 7 für »befriedigend«; 6, 5, 4 für »ausreichend«. Ein bis drei Punkte bedeuten »mangelhaft«, null Punkte »ungenügend«

Für Abi-Prüfungen gibt es bis zu 15 Punkte: 15, 14 und 13 für »sehr gut«; 12, 11 und 10 für »gut«; 9, 8 und 7 für »befriedigend«; 6, 5, 4 für »ausreichend«. Ein bis drei Punkte bedeuten »mangelhaft«, null Punkte »ungenügend«

Von Dietmar Kemper

Soest/Minden (WB). Das Abitur muss schwer sein, meint der NRW-Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Peter Silbernagel: »Die Gesellschaft erwartet, dass die Gymnasien die Elite des Landes hervorbringen.«

4,2 Prozent der Jungen und Mädchen, die im Schuljahr 2016/2017 an Gymnasien und Gesamtschulen ihre Abiturprüfungen absolvierten , fielen durch. Mehr als in den Vorjahren (3,51 und 3,46 Prozent). Das Landesinstitut für Schule in Soest wertete die Noten von 76 648 Prüflingen aus. Während 3244 nicht bestanden, durften sich die anderen freuen. Im Schnitt schafften sie eine Abi-Note von 2,44. Mit 1,0 schlossen 1431 Schüler ab – ebenfalls mehr als früher (2015: 1234).

Uwe Lämmel von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) betont, heute könnten Schüler die Abiturprüfungen regelrecht trainieren : »Die Aufgaben der vergangenen Jahre sind ihnen im Internet zugänglich. Von den Schulen bekommen sie den erforderlichen Zugangscode.« Auch Verlage böten Hilfe zur Vorbereitung aufs Abitur an. Die Erfahrung, hat Lämmel beobachtet, zeige: »Wer sich individuell intensiv darauf vorbereitet, schneidet besser ab als andere und zieht den Schnitt nach oben. Er weiß, was auf ihn zukommt.«

18,1 Prozent »mangelhaft« oder »ungenügend«

Die Auswertung des Landesinstituts für Schule in Soest zeigt, dass es in Fächern wie Deutsch, Geschichte, Sozialwissenschaften und Mathematik leider nicht viel besser aussieht als in Biologie. In Leistungskursen schwankt die durchschnittlich erzielte Punktzahl zwischen 8,3 und 8,6. In Biologie als Leistungskurs schafften laut der Statistik 18,1 Prozent der Prüflinge maximal vier Punkte, schnitten also »mangelhaft« oder »ungenügend« ab. Nur noch in Mathematik war der Prozentsatz (16,7) ähnlich hoch.

»Das Abitur in NRW ist durch das Zen­tralabitur unheimlich anspruchsvoll geworden. Es wird keineswegs den jungen Leuten hinterhergeworfen«, betont Mathelehrer Lämmel. In NRW bearbeiten alle Abiturienten inzwischen dieselben Aufgaben, und die stammen aus einem gemeinsamen Pool der Bundesländer. Peter Silbernagel ist davon überzeugt, dass das Abitur zu schaffen ist. Die Aufgaben im Zentralabitur würden von mehreren Stellen gegengecheckt. Silbernagel spricht sich ausdrücklich für die Steigerung des Leistungsgedankens an den Schulen aus, damit junge Leute ihr Studium schaffen können. Aber leider laufe die Schulpolitik in NRW Gefahr, »sich von Reformthema zu Reformthema zu hangeln«. Silbernagel nennt Inklusion und die Frage »G8 oder G9?« als Beispiele

Protest gegen Klausuren

Manchmal regt sich Protest gegen Klausuren, so wie im Mai bei der Zentralen Abschlussprüfung für das Fach Englisch an Real- und Gesamtschulen. Eine Onlinepetition mit mehr als 40 000 Unterzeichnern alarmierte damals sogar das NRW-Schulministerium. Es empfahl den Lehrern, bei der Bewertung der Klausur nicht so strenge Maßstäbe anzusetzen wie sonst üblich. Bei der Prüfung rund um Südafrika und das Thema Apartheid soll es bei einer Rede von Prinz Harry technische Probleme und außerdem für die Schüler zu schwierige Vokabeln gegeben haben.

Nichts von einer Stärkung des Leistungsgedankens hält die Landesschülervertretung NRW. »In der Gesellschaft gibt es schon Leistungsdruck genug, wir setzen uns für die Abschaffung von Noten an allen weiterführenden Schulen ein«, sagt Jette Nietzard. Stattdessen sollten schriftliche Beurteilungen das Leistungsvermögen eines Schülers wiedergeben. Oft drückten Noten nur Sympathie oder Antipathie eines Lehrers gegenüber seinen Schülern aus.

Kommentare

Ich geh aufs Gymnasium, letztens eine Matheklausur mit ca. 20 Aufgaben sollten wir in 2 Std. schaffen, mussten jedoch 45 Minuten verlängern, NIEMAND hat alle Aufgabe geschafft, nicht mal die Leistungsbesten in der Klasse die Einser-Schreiber!

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