So., 10.12.2017

A2 bei Bielefeld zeitweise gesperrt – schwere Verkehrsunfälle in Ostwestfalen mit Toten und Verletzten Heftiger Schneefall: Unfälle, Staus und Zugverspätungen

Ein Flugzeug wird am Sonntag am Flughafen Düsseldorf enteist.

Ein Flugzeug wird am Sonntag am Flughafen Düsseldorf enteist. Foto: David Young/dpa

Düsseldorf/Bielefeld/Bad Oeynhausen/Herzebrock-Clarholz/Herford (dpa/WB). Heftige Schneefälle haben in Nordrhein-Westfalen am Wochenende zu hunderten Verkehrsunfällen geführt. Auch in Ostwestfalen gab es, wie berichtet, folgenschwere Unfälle mit zwei Toten, Schwerverletzen und gesperrten Autobahnen.

Ostwestfalen-Lippe

In Herzebrock-Clarholz (Kreis Gütersloh) kamen am späten Samstagabend ein 22 Jahre alter Mann und seine Beifahrerin (16) ums Leben. Die Fahrbahn war spiegelglatt.

Auf der A2 bei Bad Oeynhausen stießen am Samstagmorgen vermutlich wegen Schneeglätte zwei Autos und ein Lkw zusammen. Der voll beladene 40-Tonner kam von der Fahrbahn ab, überschlug sich und landete auf dem Dach. Die Bergung dauerte lange.

Ein schwerer Verkehrsunfall auf der A 33 bei Bielefeld forderte am Samstagnachmittag fünf Verletzte, darunter eine Frau aus Herford mit ihren zwei Enkelkindern. Der Unfallverursacher hatte in der Einfädelspur des Autobahnkreuzes vermutlich die Geschwindigkeit eines nachfolgenden Fahrzeugs unterschätzt.

Und am Sonntag meldete die Polizei in Bielefeld »eine chaotische Lage« . Am Bielefelder Berg ging auf der A 2 mit einsetzendem Schneefall zeitweise nichts mehr – zehn Kilometer Stau. Autofahrer standen zwischen drei und vier Stunden im Stau, wie die Polizei am Abend mitteilte. Zwischenzeitlich musste die Autobahn voll gesperrt werden, um Streufahrzeuge durchzulassen. Die Polizei rechnete damit, dass die Strecke Richtung Hannover am Abend ebenfalls wieder freigegeben wird.

Auch um Heford herum gibt es auf der A2 bis in die Abendstunden lange Staus. Der Verkehr kommt nur stockend voran. 20 Kilometer Stau bedeuteten einen Zeitverlust von 90 Minuten.

(Weitere Berichte aus Ostwestfalen-Lippe zur Wetterlage und Verkehrsunfällen finden Sie in den jeweiligen Portalen auf: www.westfalen-blatt.de/OWL .)

Glatteiswarnung

Der Deutsche Wetterdienst in Essen warnt für die Nacht auf Montag vor Glatteis wegen überfrierender Nässe. Allerdings seien eher die höheren Lagen in NRW betroffen, so die Wetterexperten. Nach Schnee und Eis am Wochenende soll in der Nacht ein Sturmtief mit höheren Temperaturen über NRW ziehen. Im Flachland geht der Schnee dabei in Regen über. Vereinzelt sind schwere Sturmböen möglich.

»Wir haben allerdings keine Unwetter-Situation«, sagte eine Meteorologin am Nachmittag.

Blick ins weitere NRW

Auf der A3 am Kreuz Breitscheid stellte sich in den frühen Morgenstunden am Samstag ein Lkw quer und blieb stecken. Die Autobahn blieb bis in den frühen Nachmittag hinein teilweise gesperrt. Die Feuerwehr versorgte wartende Autofahrer, wie die Landesleitstelle der Polizei mitteilte. Aber nicht nur glatte Fahrbahnen bargen eine Gefahr – auch Bäume stürzten unter der Schneelast um. Am Sonntag folgte am Vormittag weiterer Neuschnee.

Auf den Autobahnen im Land kam es zu weiteren Unfällen und Staus. Auf der A4 nahe Köln stellten sich am Samstag gleich mehrere Lkw quer. Die Lastwagen waren trotz der Glätte mit Sommerreifen unterwegs, wie die Leitstelle mitteilte.

Allein auf den Autobahnen gab es zwischen Freitagabend und Sonntag nach Angaben der Landesleitstelle mehrere Hundert witterungsbedingte Unfälle mit mehr als zehn Verletzten. Zwei Menschen wurden dabei schwer verletzt. Auch abseits der Autobahnen kam es landesweit zu zahlreichen Unfällen. Wie mehrere Polizeileitstellen übereinstimmend berichteten, blieb es dabei jedoch in den allermeisten Fällen bei Blechschäden.

In Solingen musste nach Angaben der Polizei Wuppertal eine Straße am Samstagmorgen für mehrere Stunden gesperrt werden, nachdem ein Baum unter der Schneelast auf die Straße gestürzt war. Wegen umstürzender Bäume und herunterfallender Äste wurde am ganzen Wochenende auch der Wuppertaler Zoo geschlossen, wie die Stadt mitteilte. Im Kreis Düren sperrte die Polizei am Sonntag die Landesstraße 11 bei Nideggen in einem Steigungsbereich wegen Schneeglätte.

Im nahegelegenen Haan wurden laut Feuerwehrangaben mehrere Stromleitungen durch umstürzende Bäume beschädigt. In Mülheim an der Ruhr musste die Feuerwehr ein festgefahrenes Fahrzeug einer Hilfsorganisation freiziehen. Auch dort stürzten mehrere Bäume unter der Schneelast um.

Bahnverkehr in NRW

Im Bahnverkehr gab ebenfall in ganz Nordrhein-Westfalen Probleme. Im Fernverkehr mussten Züge wegen Störungen an den Weichen umgeleitet werden. So ging über Stunden rund um Wuppertal nicht viel. Die Bahn in NRW riet über Twitter, Reisen mit der Bahn ganz zu verschieben, weil der Schienenersatzverkehr wegen der winterlichen Straßenverhältnisse ebenfalls ausfiel. Auch der Bahnhof in Münster war betroffen.

In anderen Landesteilen gab es Probleme mit S-Bahnen und Regionalzügen.

Flughäfen in NRW

Nach heftigen Schneefällen hatte der Flughafen Düsseldorf den Flugbetrieb zwischenzeitlich eingestellt. Nach Angaben eines Sprechers wurden am Sonntagmittag um kurz nach 12 Uhr erste Flüge gestrichen. Gegen 16 Uhr hob der Flughafen die Sperrung wieder auf.

Am Flughafen Köln/Bonn kam es am Sonntag zu einzelnen Flugausfällen. »Wir mussten zehn Flüge absagen. Es gibt Verspätungen und wir haben Landungen von anderen Flughäfen wie Düsseldorf übernommen. Ansonsten läuft der Betrieb«, sagte eine Sprecherin am Nachmittag.

Deutschland

Schnee und Straßenglätte haben in vielen Teilen Deutschlands zu Unfällen geführt und den Verkehr behindert. Auch am Frankfurter Flughafen gab es am Sonntag Verspätungen und Flugausfälle, wie die Betreibergesellschaft Fraport mitteilte.

Bis zum Nachmittag wurden am Frankfurter Flughafen 267 Flüge gestrichen. Hunderte Verbindungen hatten Verspätung. Zwischenzeitlich stand an Deutschlands größtem Drehkreuz nur eine Piste für startende und landende Jets zur Verfügung. Eine Fraport-Sprecherin bezeichnete die Situation als »dramatisch«. Selbst auf den geräumten und gestreuten Bahnen seien wegen des anhaltenden Schneefalls nicht die vorgeschriebenen Bremswerte erreicht worden.

In Niedersachsen gerieten viele Autofahrer wegen Schnee und Glätte am Wochenende ins Rutschen. In der Nähe von Cuxhaven starb am Samstagnachmittag ein Mann, der auf dem Seitenstreifen der Autobahn 27 nach einer Panne auf den Abschleppdienst wartete. Er wurde von einem Wagen angefahren, der auf der teilweise glatten Straße nach rechts abgekommen war.

Im Oberharz wurden in der Nacht zum Sonntag drei Menschen schwer verletzt, als ein Autofahrer auf glatter Fahrbahn die Kontrolle über seinen Wagen verlor und frontal gegen einen Baum krachte. Ein 20-Jähriger verlor bei Himmelpforten die Kontrolle über seinen Wagen, der gegen Bäume prallte. Der junge Mann wurde aus dem Auto in einen mit Wasser gefüllten Graben geschleudert. Ersthelfer hielten ihn so lange über Wasser, bis Rettungskräfte eintrafen. Er erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Auch in Nordrhein-Westfalen schneite es heftig, es kam zu Hunderten Verkehrsunfällen. Auf der A3 am Kreuz Breitscheid stellte sich in den frühen Morgenstunden am Samstag ein Lastwagen quer und blieb stecken. Die Autobahn blieb bis in den frühen Nachmittag hinein teilweise gesperrt. Die Feuerwehr versorgte wartende Autofahrer.

Schnee und Eis auf den Straßen verursachten auch in Bayern etliche Unfälle. Neuschnee von bis zu zehn Zentimetern und schneidend kalter Wind machten den Autofahrern zu schaffen. Am kältesten war es mit etwa minus 10 Grad am Wochenende entlang der Alpenränder. In Reit im Winkel maß der Deutsche Wetterdienst (DWD) nachts zeitweise minus 15 Grad. Und von Deutschlands höchstem Berg, der 2962 Meter hohen Zugspitze, vermeldeten die Meteorologen aus der Nacht zum Sonntag den bislang kältesten Wert dieses Winters: minus 22 Grad.

Der Verkehr in Rheinland-Pfalz und dem Saarland wurde ebenfalls ausgebremst. Bei Bad Kreuznach fielen Eisschollen von einem Lastwagen und beschädigten zwei überholende Autos, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. In der Nähe von Montabaur rutschte ein Auto auf eine Kreuzung und stieß dort mit einem anderen Wagen zusammen. Drei Menschen wurden leicht verletzt. Auch in weiten Teilen Hessens kam es zu Unfällen.

Der betrunkene Fahrer eines Chemielasters war bei Schneeglätte in der Nähe von Forbach in Baden-Württemberg viel zu schnell unterwegs - sein Sattelzug kippte in einer Kurve um. Der Mann blieb unverletzt. Ein Alkoholtest ergab einen Wert von ungefähr 1,4 Promille, wie die Polizei am Samstag mitteilte. In dem Tankauflieger war ein chemischer Stoff, aber kein Gefahrgut.

Ein Mann, der betrunken auf einer Straße im Schwarzwald lag, wurde bei einem Verkehrsunfall am Samstag schwer verletzt. Der Fahrer eines Lieferdienstes hatte nach Polizeiangaben aufgrund der winterlichen Verhältnisse nicht mehr rechtzeitig bremsen können.

Bei starkem Schneefall wagten sich am Sonntag wieder Autofahrer mit Sommerreifen in den Schwarzwald. Die Polizei Freiburg registrierte einige Unfälle auf glatten Straßen. Die Polizei mahnte Autofahrer eindringlich, Winterreifen aufzuziehen. Am Samstag hatten beste Schneeverhältnisse mit Höhen von fast einem Meter Skifahrer an den Feldberg im Schwarzwald gelockt. Von Montag an soll sich laut Vorhersage des DWD kräftiger Regen vom Südwesten bis in den Norden ausbreiten.

 

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