Mo., 08.01.2018

Ehemaliger Paderborner Fußballprofi berichtet von Schüssen auf der A4 bei Düren Deniz Naki auf Autobahn beschossen

Deniz Naki im Trikot des SC Paderborn.

Deniz Naki im Trikot des SC Paderborn. Foto: dpa

Düren (dpa). Der deutsch-türkische Fußballprofi Deniz Naki ist eigenen Angaben zufolge in der Nacht zu Montag auf der A4 nahe Düren von einem anderen Auto aus beschossen worden. Die Aachener Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen versuchter Tötung gegen Unbekannt auf.

Auf das Auto des 28-Jährigen - er gilt als Kritiker der türkischen Regierung - seien kurz vor Mitternacht auf der A4 mehrere Schüsse abgegeben worden, sagte Staatsanwältin Katja Schlenkermann am Montag. »Wir ermitteln in alle Richtungen.« Man schließe eine politisch motivierte Tat nicht aus. Eine Mordkommission sei eingerichtet.

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Ich hätte sterben können.

Deniz Naki

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In der Online-Ausgabe der »Welt« sprach Naki von einem Mordanschlag. »Ich hätte sterben können. Und es hat ja nicht viel dazu gefehlt.« Er habe Todesangst gehabt. Die Schüsse seien aus einem Kombi abgefeuert worden, zwei Kugeln hätten sein Auto »in der Mitte am Fenster« und »nahe den Reifen« getroffen.

Er gehe davon aus, dass ein Agent des türkischen Geheimdienstes dahinter stecken könnte »oder ein anderer, dem meine politische Haltung nicht passt.« Im »Spiegel«-Jugendmagazin »bento« sagte der Fußballer, in der Türkei sei er »eine laufende Zielscheibe, weil ich mich pro-kurdisch äußere«.

Als Profi beim SC Paderborn

Der Profi - einst beim FC St. Pauli und SC Paderborn unter Vertrag - spielt aktuell beim Drittligisten Amed SK in der Kurdenmetropole Diyarbakir in der Türkei. Der FC St. Pauli schrieb auf Twitter: »Wir sind schockiert und fassungslos, aber heilfroh, dass Du wohlauf bist @DenizDersimNaki. Für immer mit Dir!«

Die technischen Untersuchungen am beschädigten Auto des Sportlers dauerten an, schilderte die Staatsanwältin. »Das einzige ganz Klare ist bisher, dass Herr Naki unverletzt geblieben ist.« Dessen Hinweise auf einen politischen Hintergrund nehme man sehr ernst.

Für Fahndung fehlen Hinweise

»Die Vernehmung des Geschädigten durch die Polizei ist bereits gelaufen.« Die Auswertung der Spuren laufe, Detailangaben könne die Behörde zunächst nicht machen. Für eine Fahndung fehlten ausreichende Hinweise auf den oder die Täter.

Zuvor hatte die Polizei in Aachen mitgeteilt, auf der A4 sei auf ein fahrendes Auto ein Schuss abgegeben worden, der Fahrer sei unverletzt geblieben. Zur Identität des Beschossenen gab es zunächst keine Angaben. Auch die Hintergründe des Zwischenfalls waren zunächst unklar.

2017 zur Haftstrafe auf Bewährung verurteilt

Naki wurde in der Türkei im April 2017 zu einer 18-monatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt . Ihm wurde Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vorgeworfen.

Im Sommer vergangenen Jahres wurde Naki dem Bericht zufolge während eines Spiels von einem Zuschauer zusammengeschlagen. Naki hatte mehrfach über Attacken auf ihn, das Team und den Vorstand des kurdischen Vereins berichtet. Die »Zeit« hatte Deniz Naki einst als »Deniz Yücel des Fußballs bezeichnet«. Für Ankara sei er »Staatsfeind«, in der kurdischen Bevölkerung werde er verehrt.

Der Anschlag zeige in dramatischer Weise, wie sehr türkische und kurdische Oppositionelle auch in Deutschland bedroht seien, betonte die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke. Die deutschen Sicherheitsbehörden müssten das »endlich ernst nehmen«.

Naki spielte früher unter anderem zusammen mit Mats Hummels und Jerome Boateng in der deutschen U21-Nationalmannschaft.

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