Mi., 07.03.2018

Christine Rieffel-Braune, Vorstand der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, über den Pflegeberuf Rieffel-Braune: »Man muss Menschen mögen«

Christine Rieffel-Braune.

Christine Rieffel-Braune. Foto: Oliver Schwabe

Bielefeld (WB). Pflegefachkräfte werden gesucht. Das bestätigt Bethel-Vorstand Christine Rieffel-Braune im Gespräch mit Bernhard Hertlein.

Fachkräftemangel im Gesundheits- und Pflegesektor: Ist das Wahrheit oder Märchen, Gegenwart oder Zukunft?

 

Christine Rieffel-Braune: Der Fachkräftemangel ist Wahrheit, Gegenwart und Zukunft. Besonders betroffen sind bereits Fachkrankenhäuser, etwa Kinderkliniken, und die Altenhilfe. Allerdings hängt das Ausmaß stark vom Standort ab. So finden die ambulanten Pflegedienste auf dem Land noch leichter Personal als in Großstädten wie Hannover und Berlin.

 

Dabei stehen kirchliche Anbieter in Konkurrenz zu privaten…

Rieffel-Braune: In der Altenhilfe war es früher für uns schwierig, obwohl wir schon immer besser bezahlen. Wir wenden in der Diakonie den Kirchentarif an, und der ist besonders hoch. Viele weitere Vorteile bieten die Privaten gar nicht – von der Altersvorsorge bis zum Kinderzuschlag. Es lohnt sich, sich mit allen Punkten vertraut zu machen, um alle Vorteile zu erkennen.

 

Wenn Fachkräfte so viel besser bezahlt werden, lohnt sich die Ausbildung?

Rieffel-Braune: Auf jeden Fall. Auch Quereinsteiger, die im alten Beruf unzufrieden sind, haben gute Chancen, wenn sie entsprechende Kurse, auch berufsbegleitend, besuchen. Studienplätze gibt es bei uns auch. Wir bieten allen Bewerbern einen Berufsweg.

 

Welches Ausmaß hat der Mangel?

Rieffel-Braune: Er wird nicht kleiner werden. Wenn in der Vergangenheit Mitarbeiter ausgefallen sind, konnten wir für die Überbrückung in der Regel bei den Zeitarbeitsfirmen Aushilfen bekommen. Das ist heute in Bielefeld kaum noch möglich. In der Alten- und Familienhilfe kommt es vor, dass wir Anfragen ablehnen müssen, weil Personal fehlt. Wer sich heute ausbilden lässt und als Fachkraft bei einem Arbeitgeber bewirbt, bekommt in der Regel sofort einen festen Arbeitsplatz – ohne die in vielen anderen Bereichen übliche Befristung.

 

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um im Pflegesektor eine Karriere zu starten?

Rieffel-Braune: Man muss Menschen mögen. Das ist der Start – ob als Pflegehelfer oder Pflegemanager mit Master-Studium. Dann erhält man von den Betroffenen auch viel Dank und Anerkennung zurück. Ich rate allen, es vorher auszuprobieren. Es finden auch immer mehr Männer den Weg in die Pflege. Bei uns in den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel tun das jedes Jahr etwa 500 meist junge Menschen im Rahmen des sogenannten Bethel-Jahres. Das ist ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Bundesfreiwilligendienst. Das Fachwissen erwirbt man in guten Schulen. Man muss auch nicht das Abitur haben. Eine erste gute Grundlage ist die Ausbildung als Sozialassistent, auf die man dann aufbauen kann.

 

Wie sind die Verdienstmöglichkeiten?

Rieffel-Braune: Das Einstiegsgehalt für Fachkräfte liegt ohne Zuschläge bereits bei 2900 Euro brutto und steigt dann deutlich, je ­länger man dabei ist. 50.000€Euro im Jahr sind keine Seltenheit. Auch Pflegehelfer starten bereits mit 2100 Euro.€

 

Ab wann ist man zu alt für die Pflege?

Rieffel-Braune: Niemals. Die körperliche Belastung ist bei weitem nicht mehr so groß wie früher. Eine große Hilfe ist zum Beispiel der Lifter beim Umbetten. Es gibt viele Pflegekräfte, die völlig gesund in den Ruhestand gehen. Aber den ein oder anderen könnte die Arbeit im Pflegesektor mental belasten. Da helfen gute Arbeitgeber, indem sie auf gute Führung und funktionierende Teams achten.

 

Wo kann man sich über Ausbildung und Arbeitsplätze informieren?

Rieffel-Braune: Ansprechpartner finden Schüler, Fachkräfte und Quereinsteiger zum Beispiel unter www.bildung-beratung-bethel.de.

 

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