Do., 08.03.2018

Aufklärungsquote 2017 auf Rekordhoch – Ausländerkriminalität überproportional groß 96.000 Straftaten weniger in Nordrhein-Westfalen

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Christian Althoff

Düsseldorf (WB). So wenig Straftaten wie seit 17 Jahren nicht mehr, dazu die höchste Aufklärungsquote seit mehr als einem halben Jahrhundert: Das Leben in NRW ist im vergangenen Jahr sicherer geworden.

2017 wurden der Polizei in Nordrhein-Westfalen 1.373.390 Straftaten bekannt, 96.036 weniger als im Jahr zuvor – ein Rückgang um 6,5 Prozent. Zugleich stieg die Aufklärungsquote auf mehr als 52 Prozent.

Diese Zahlen nannte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU), als er die Polizeistatistik für 2017 vorstellte.

Seriös erklären lässt sich das nicht

Die vielleicht wichtigste Zahl: Im vergangenen Jahr wurden nur noch 39.057 Wohnungseinbrüche begangen nach 52.578 im Jahr zuvor – ein Minus von fast 26 Prozent. Seriös erklären lässt sich der Rückgang nicht. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nennt beispielsweise Schwerpunktkontrollen als einen der Gründe für den Rückgang – obwohl in diesen Kon­trollen so gut wie keine Einbrecher hängenblieben.

Weitere Rückgänge gab es bei Diebstählen (minus 13,5 Prozent), Gewaltkriminalität (minus 4,2 Prozent) und Straßenkriminalität (minus 25,7 Prozent). Leichte Zuwächse regis­trierte die Polizei dagegen bei Straftaten gegen das Leben (472 Fälle, ein Plus von 2,4 Prozent), Computerkriminalität (plus 5 Prozent) und Drogendelikten (plus 6,8 Prozent).

Blick auf Ostwestfalen

Einbrüche bleiben das größte Problem im Kreis Herford. Auch wenn Landrat Jürgen Müller und die Kreispolizei von der »besten Aufklärungsquote seit 1982« sprechen: Knapp 57 Prozent aller Straftaten konnten im vergangenen Jahr aufgeklärt werden.

Für Höxters Kriminalrat Alexander Fenske steht trotz der positiven Entwicklung fest: »Wir müssen am Ball bleiben und es Tätern so schwer wie möglich machen – vor allem beim Wohnungseinbruch!«

Und Manfred Müller, Landrat im Kreis Paderborn, gibt für den Kreis zu bedenken: »Man darf nicht vergessen, dass trotz aller Bemühungen nur jeder vierte Einbruch aufgeklärt wird«, sagte er mit Blick auf die Opfer

»Der Kreis Gütersloh ist noch ein Stück sicherer geworden«, sagt Landrat Sven-Georg Adenauer, und spricht von einem »historischen Tiefpunkt«. Mit einer Ausnahme: Es gibt mehr Sexualdelikte.

Ähnlich verhält es sich im Kreis Minden-Lübbecke. Die Zahl der Sexualdelikte stieg um 21,2 Prozent von 113 auf 137. Auffällig hier der Anstieg bei den Vergewaltigungen um 100 Prozent von 21 im Jahr 2016 auf 42 im Jahr 2017.

In Bielefeld steht vor allem die »Tüte« im Fokus: Die Maßnahmen der Polizei gegen die Alkoholiker- und Drogenszene im Bahnhofsviertel zeigen laut Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere Wirkung.

75 Prozent der Täter sind männlich

75 Prozent der in NRW ermittelten Tatverdächtigen waren Männer, die größte Altersgruppe war die der 30- bis 40-Jährigen. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger ging leicht zurück, er ist aber weiterhin überproportional hoch.

Die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, ist im Rheinland und im Ruhrgebiet deutlich höher als im ländlichen Ostwestfalen-Lippe: Während in Köln, Düsseldorf und Dortmund mehr als 9500 Straftaten pro 100.000 Einwohner bekannt wurden, waren es in weiten Teilen Ostwestfalen-Lippes weniger als 5000, also fast die Hälfte.

Ausländerkriminalität überproportional groß

Definition

Nichtdeutsche Verdächtige sind nach Definition der Polizei Menschen mit ausländischer oder ungeklärter Staatsangehörigkeit. Wer neben der deutschen Staatsangehörigkeit noch eine weitere besitzt, wird als Deutscher geführt.

Innerhalb der Gruppe gibt es die Zuwanderer. Das sind Menschen aus Nicht-EU-Ländern, die illegal in Deutschland oder aber Asylbewerber, Schutz- oder Asylberechtigte, geduldete Flüchtlinge oder Kontingentflüchtlinge sind.

Das Landeskriminalamt befasst auch mit nichtdeutschen Tatverdächtigen. Ihr Anteil ist laut LKA überproportional groß.

Nordrhein-Westfalen hat nach den letzten verfügbaren Zahlen knapp 17,9 Millionen Einwohner. 2,2 Millionen dieser Bürger sind Nichtdeutsche, was einem Anteil von 12,4 Prozent entspricht.

Um Straftaten von Ausländern mit denen von Deutschen vergleichen zu können, hat das LKA jene Delikte herausgerechnet, die nur von Nichtdeutschen begangen werden können, also etwa Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz. Eine leichte Unschärfe in der Statistik bleibt: Die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen enthält auch jene Ausländer, die nicht in Deutschland leben – Touristen etwa oder Mitglieder reisender Banden. Diese Menschen tauchen auch nicht in der Bevölkerungsstatistik auf und fehlen somit im Ausländeranteil von 12,4 Prozent.

»Unter den Tatverdächtigen sind die Nichtdeutschen, gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil von 12,4 Prozent, überproportional vertreten«, schreibt das Landeskriminalamt. 32 Prozent aller Verdächtigen seien Ausländer. Das ist weniger als 2016 (33,4 Prozent), aber deutlich mehr als noch vor zehn Jahren (2008: 21 Prozent).

Mord und Totschlag auffallend hoch

Das Landeskriminalamt nennt in der Kriminalstatistik zehn Delikte, bei denen der Anteil tatverdächtiger Nichtdeutscher auffallend hoch ist, und zwar Mord und Totschlag (43,3 Prozent), Raub (40,1 Prozent), Wohnungseinbrüche (46,4 Prozent), Ladendiebstahl (44,7 Prozent), Autodiebstahl (40,5 Prozent), Taschendiebstahl (77 Prozent), Diebstahl aus Autos (38,2 Prozent), betrügerisches Erlagen von Autos (50,4 Prozent), Kontoeröffnungs- und Überweisungsbetrug (50,4 Prozent) und Gewaltdelikte (36,2 Prozent).

Die zehn häufigsten Herkunftsländer nichtdeutscher Verdächtiger sind (in absteigender Reihenfolge) Türkei, Rumänien, Polen, Syrien, Serbien, Marokko, Irak, Italien, Bulgarien und der Kosovo. Vor allem bei den Türken ist seit Jahren ein deutlicher Rückgang erkennbar: Die Zahl der Verdächtigen mit türkischem Pass sank in den letzten fünf Jahren kontinuierlich von 25.666 (2013) auf 20.599 (2017).

Anteil der Zuwanderer gesunken

Der Anteil tatverdächtiger Zuwanderer innerhalb der Gruppe der tatverdächtigen Ausländer ist 2017 gesunken, und zwar auf 27 Prozent (2016: 30.1 Prozent). Unter allen Verdächtigen (Deutschen und Ausländern) kommen Zuwanderer auf 8,7 Prozent der Verdächtigen (nach zehn Prozent im Jahr 2016). Wie groß der Bevölkerungsanteil der Zuwanderer ist, sagt die Statistik nicht.

Ausländer als Opfer

Nichtdeutsche tauchen nicht nur überproportional in der Verdächtigenstatistik auf, auch bei den Opfern sind sie überrepräsentiert: 2017 waren 22,3 Prozent der 246.139 bekanntgewordenen Opfer Ausländer.

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