Mi., 13.06.2018

Am 1. Januar ist Schluss – Waldbesitzer suchen Alternativen NRW verkauft kein Holz aus Privatwäldern mehr

Wettbewerbshüter sehen den Holzverkauf durch den Staat seit Jahren kritisch und befürchten eine marktbeherrschende Stellung der Öffentlichen Hand.

Wettbewerbshüter sehen den Holzverkauf durch den Staat seit Jahren kritisch und befürchten eine marktbeherrschende Stellung der Öffentlichen Hand. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Düsseldorf (WB). Besitzer kleiner Wälder müssen sich bald selbst um den Verkauf ihres Holzes kümmern. Denn der landeseigene Betrieb Wald und Holz stellt diese kostenpflichtige Dienstleistung Ende des Jahres ein.

Nordrhein-Westfalen ist zu 27 Prozent mit Wald bedeckt. Der überwiegende Teil ist in Privatbesitz, er gehört 152.000 Menschen. Weil viele Wälder im Erbfall immer weiter geteilt werden, gibt es viele kleine Parzellen. 80 Prozent der Waldbesitzer nennen weniger als zwei Hektar (20.000 Quadratmeter) ihr Eigen. Nur zwei Prozent der Waldeigentümer besitzen Flächen von mehr als 30 Hektar.

45.000 Besitzer lassen Wald von Profis betreuen

Viele Besitzer von Kleinstwäldern können sich nicht um ihre Bäume kümmern. Sie sind anderweitig berufstätig oder wohnen weit entfernt. Etwa 45.000 nutzen deshalb das Angebot des Landesbetriebs Wald und Holz: Sie lassen ihren Wald von den Profis betreuen. Die kümmern sich nicht nur um die Pflege des Bestands, sondern fällen auch Bäume und verkaufen das Holz für die Eigentümer.

Peter Schütz, Sprecher im NRW-Umweltministerium. »Die Betreuung der Wälder bringt dem Landesbetrieb jährlich etwa sechs Millionen Euro ein. Der Holzverkauf erbrachte zuletzt 68 Millionen Euro für die Holzbauern, wobei der Landesbetrieb 2,5 Millionen Euro Verkaufsprovision bekam.«

Wettbewerbshüter sehen den Holzverkauf durch den Staat seit Jahren kritisch und befürchten eine marktbeherrschende Stellung der Öffentlichen Hand. So untersagte das Bundeskartellamt den Forstbehörden Baden-Württembergs den Holzverkauf aus privaten Wäldern ab einer bestimmten Größe.

Funke hofft auf Expertenpool

Ob die Holzvermarktungspraxis der Öffentlichen Hand kartellrechtswidrig ist, ist allerdings bis heute nicht höchstrichterlich entschieden. NRW möchte aber nicht warten und lieber auf Nummer sicher gehen, damit Waldbesitzer nicht plötzlich in kurzen Hosen dastehen. »Sie haben jetzt Zeit, sich darauf einzustellen, dass wir ab 2019 nicht mehr für sie vermarkten«, sagt Ministeriumssprecher Peter Schütz.

Ferdinand Funke aus Finnentrop, Vizevorsitzender des Waldbauernverbandes NRW: »Das ist seit Jahren ein Riesenthema bei unseren Mitgliedern, aber jetzt wird es ernst. Viele werden sich zu Forstbetriebsgemeinschaften zusammenschließen müssen, um die Vermarktung gemeinsam in Auftrag zu geben.« Funke sagte, er hoffe, dass das Ministerium einen Expertenpool zusammenstelle, der die Waldbauern berate.

Im Münsterland ist man schon weiter. Dort sind 19 Forstbestriebsgemeinschaften mit 4000 Mitgliedern Besitzer der Naturstoff- und Dienstleistungszentrale Land und Forst – einer GmbH, die das Holz verkauft. Tobias Rüdel, Bereichsleiter Forst: »Wir bekommen auch Anfragen aus anderen Teilen NRWs, aber wir wollen unser Geschäftsgebiet nicht ausweiten. Wir geben aber gerne unser Wissen weiter.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5815117?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509674%2F