Mi., 09.07.2014

WM 2014 Fußball wie ein Wirbelsturm

Von Friedrich-Wilhelm Kröger

Ein Spiel wie im Rausch.

Sieben Mal Tor!

Der ZDF-Reporter Béla Rethy sah sich sogar dazu veranlasst, den Zuschauern mitzuteilen, dass es sich bei der Ergebnis-Einblendung nicht um einen technischen Defekt handelte.

Der Rekordweltmeister agierte außer Rand und Band, die deutsche Mannschaft auch. Wer würde nach diesem Spektakel schon widersprechen: Besser hat eine DFB-Auswahl bei einer Weltmeisterschaft noch nie Fußball gespielt. Begünstigt von den Umständen wohl, denn ein Brasilien ohne Neymar und Thiago Silva ist noch weniger stark als ein Brasilien mit Neymar und Thiago Silva. Und das Versprechen, das Fehlen der beiden Stars in einen gehörigen Extrakick für die eigene Motivation zu verwandeln, war leerer als leer.

Schon mit dem ersten Treffer sackte der Gastgeber unter allen Lasten weg, die auf seinen Schultern lagen. Dabei übten die Deutschen soviel Druck auf die Seleção aus wie das ganze Land, das den Titel wollte und nun weinend zusammensank.

Was sich in Belo Horizonte zutrug an diesem 8. Juli 2014, ist ab sofort WM-Geschichte. Eine, die es so noch nicht gegeben hat. Vielleicht niemals wieder geben wird. Wie den brasilianischen Anhängern schon während der Demütigung ihrer hilf-, wehr- und hoffnungslosen Mannschaft das von Tränen aufgeweichte Makeup in blau, grün und gelb über die Wangen rann, ließ auch die Sieger nicht kalt.

Die fegten trotzdem über ihren desolaten Gegner hinweg wie ein Wirbelsturm und jagten in einer Art ins Finale, die zu spontanen Witzen animierte. Deutschland wird vorzeitig zum Weltmeister erklärt, weil die Fußballverbände von Holland und Argentinien kein Interesse mehr an einer Endspiel-Teilnahme haben. Aber eine ernste Seite hat dieser drollige Joke schon auch. Erstens stimmt er leider doch nicht und zweitens sind die Deutschen jetzt der höchst mögliche Titelfavorit.
Wird ihnen nicht gefallen.

Können sie es ändern? Nein.

Klar, ohne eine finale Veredelung des immer noch unvorstellbaren Triumphes würde auch dieses 7:1 gleich wieder verblassen. Die Kunst ist jetzt: Wieder runterkommen, und zwar zack-zack. Bei aller außergewöhnlichen Klasse der deutschen Mannschaft – ein Maßstab waren die Brasilianer nicht. Sie haben nun für immer und ewig den Makel, für den kapitalsten Zusammenbruch eines WM-Gastgebers gesorgt zu haben.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2594972?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F