Mo., 14.07.2014

Fußball-WM 23.36 Uhr! Endlich!

Von Friedrich-Wilhelm Kröger

32 Tage Weltmeisterschaft. »Das ist kein Sprint«, hat Joachim Löw vorgerechnet, »sondern ein Marathon.« Da ahnte der Bundestrainer wohl schon (oder wusste er es tatsächlich?), dass sein Team trotz sicher nicht störungsfreier Präparation diesen Zeitraum in Brasilien bis zur allerletzten Sekunde ausschöpfen würde.

Friedrich-Wilhelm Kröger leitet das Ressort Sport in der Zentralredaktion des WESTFALEN-BLATTES.

F-I-N-A-L-E. Das bleiben Block-Buchstaben für die deutsche Fußball-Auswahl, die prinzipiell immer darauf gepolt ist, nicht allzu früh von Turnieren heimzukehren – aber dann doch gewisse Finalisierungsschwierigkeiten offenbarte, wenn es darauf ankam. Sie hat nun nicht nur seit zwölf Jahren erstmals wieder mitmachen dürfen, sondern ist auch gleich als rigoroser Gesetzesbrecher aufgetreten. In Südamerika schafft's kein Europäer – bis gestern, 23.36 Uhr. Deutschland ist Weltmeister!

Dieses 124-Minuten-Drama von Maracanã war sicher nicht das Trumpf-Ass in der Sammlung der 64 WM-Begegnungen 2014, dafür ein immer wieder wechselhaftes Hochspannungsduell, umkämpft bis aufs Blut. Dazu musste man nach der Attacke von Sergio Agüero nur einen Blick auf den Cut von Bastian Schweinsteiger werfen. Und dann diese Chancen, Halb-Chancen, Beinahe-Chancen: Die Ahs und Ohs auf beiden Seiten werden noch eine ganze Weile nachklingen. Der ungebremste Jubel der Sieger erst recht.

Deutschland hat endlich wieder mehr gewollt

Die bisher letzten Erfolge wurden 2006 und 2010 noch in der ehrbaren Nebensparte »Spiel um Platz 3« errungen. Das ist auch eine lange Strecke bis dorthin, und man kann sogar etwas gewinnen. Allerdings nicht viel. Bronze am Bändchen, nachzusehen dieses Mal bei den Holländern. Deutschland hat endlich wieder mehr gewollt. Und wenn die Mannschaft ihren Endspielgegner Argentinien schon im September in Düsseldorf wiedersieht, trägt sie nun sehr gern ein neues, schmuckvolles Trikot. Draufgenäht: ein vierter Stern. Nur noch einen Titel hinter dem Rekordweltmeister, dem Löws Leute die Leviten lasen.

Ein Schützenfest mit einleuchtender Klärung der Favoritenfrage. Nach diesem Überspiel stand fest: Wer zu einer derart fulminanten Vorführung in der Lage ist, muss sich um das Endspiel keine Sorgen machen. So? Es war schon ein leichter Gong mit dem Alarmgeläut, am Vorabend des Showdowns von Rio die Entdeckung zu machen, dass auch Holland die schwächliche Seleção nach Belieben hätte vernaschen können. Zur Beruhigung kam das deutsche Versprechen in den Sinn, nicht abzuheben – bloß wegen so 'nem 7:1 gegen Brasilien, was beinahe jeder kann.

Eine Mannschaft mit besonderer Qualität

Gegen Argentinien den Ball überhaupt nur einmal zu versenken, erwies sich als ganz andere Hausnummer. Wie die deutsche Elf dann den Doppelausfall von Sami Khedira und Kurzzeit-Nachfolger Christoph Kramer wegsteckte, wie sich der waidwunde Schweinsteiger ins Ziel quälte, wie alle alles herausholten, zeigte die besondere Qualität einer Mannschaft, die diesen blöden, verdammten Titel endlich nach Hause holen wollte. Sie hat es gepackt, sie hat es verdient. Und mit ihr Jogi Löw. Der Trainer kam allen zuvor, die ihm bei diesem Turnier mindestens schon taktische Bockigkeit ankreiden wollten.

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