Mi., 16.07.2014

Millionenstrafen für Wursthersteller Bitte mit Augenmaß

Von Edgar Fels

Preisabsprachen zu Lasten des Verbrauchers – das muss geahndet werden. Aber ob bei den Millionenstrafen im Wurstkartell noch die Verhältnismäßigkeit gewahrt ist – daran lässt sich zweifeln.

Edgar Fels ist Wirtschaftsredakteur beim WESTFALEN-BLATT.

Zwei Fragen bleiben unbeantwortet: Wie sehr konnten sich die betroffenen Unternehmen durch ihre wie auch immer gearteten Absprachen tatsächlich bereichern? Und: Wieviel hat der Bürger für seine Salami tatsächlich mehr bezahlt?

Klar ist: Die Wursthersteller haben schon bessere Zeiten erlebt. Derzeit sind ihre Erträge mickrig. Die Absprachen haben also offenbar nichts gebracht. Und dass Wurst oder auch Fleisch zuletzt deutlich teurer geworden sind, kann man auch nicht sagen.

Die saftigen Geldstrafen sind für die meist mittelständisch geprägten Firmen äußerst schmerzhaft. Niemand kann wollen, auch das Kartellamt nicht, dass möglicherweise Existenzen und Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Daher ist es nachvollziehbar, dass die Unternehmen jetzt den Klageweg beschreiten.

Buße für ein Unrecht ist richtig. Dabei muss aber Augenmaß gewahrt bleiben.

Kommentare

338 Millionen Euro Bußgelder u.a. für Wiesenhof, Rügenwalder, Herta, Böklunder. Die Namenliste nennt eine Vielzahl von bekannten Herstellern aus dem Deutschen Lande, frisch auf den Tisch. Bußgeld, aber keine Zeilen über Umsätze, Profite. Vielleicht so um die 2% auf den Umsatz? Nun haben Millionen Verbraucher zuviel Geld für Wurst und Schinken bezahlt. Unwissend!. Hätte ich es gewußt, hätte ich dann mein Konsumverahlten geändnert? Mit Sicherheit nicht. Werde ich mein Konsumverhalten entsprechend der umfangreichen Bußgeldliste ändern? Nochmals nein. Ist es wirklich ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht? Ist es nicht eher mit § 263 StGB zu anden, denn ich fühle mich als Verbraucher betrogen. Sind es nur die Wurtstfabrikanten? Sind es nicht auch das "Gerüchtekartell" der Bundesregierung und der Medien, die Strombörsen, die Mineralöl-Konzerne, die Brauereien, der Bayer-Konzern usw. usw.

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