Do., 17.07.2014

Absturz von MH 17 Zeit, die Waffen schweigen zu lassen

Von Andreas Schnadwinkel

Unglück oder Terror, technisches Versagen oder Anschlag. Egal, was letztlich für den Absturz des Passagierflugzeugs verantwortlich ist: Der Ukraine-Konflikt muss seit gestern neu eingeordnet werden. Aus den regional begrenzten Kampfhandlungen könnte mit dem Absturz der Boeing 777 und dem Tod von 295 Menschen endgültig ein Konflikt von globalem Interesse geworden sein.

Andreas Schnadwinkel ist Redakteur in der Zentralredaktion des WESTFALEN-BLATTES.

Gestern Mittag beklagte die prowestliche Führung der Ukraine, dass am Mittwoch von russischem Staatsgebiet ein ukrainischer Kampfjet im Osten des Landes abgeschossen worden sei. Nur wenige Stunden später fand der Flug MH 17 der Malaysia Airlines in 10 000 Metern Höhe über dem Konfliktgebiet sein schreckliches Ende. Angesichts der Position des Flugzeugs scheint nur ein Zusammenhang mit den Gefechten im Gebiet um die von den prorussischen Separatisten besetzte Millionenstadt Donezk wahrscheinlich.

Dass der Abschuss etwas mit dem seit dem 8. März vom Radar verschwundenen Malaysia-Airlines-Flug MH 370 zu tun haben könnte, fällt unter Verschwörungstheorien.

Fluggesellschaften müssen sich fragen lassen, warum sie über Krisengebiete fliegen

Generell müssen sich Fluggesellschaften fragen lassen, warum sie auf dem kürzesten und günstigsten Weg von A nach B auch über gefährliche Krisengebiete fliegen. Zeit- und Kostendruck können als Argumente nicht ausreichen, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen.

Gegenseitig werfen sich Separatisten und die ukrainische Armee vor, den Passagierjet vom Himmel geholt zu haben. Das dürfte in den nächsten Tagen herauszufinden sein. Sollte sich tatsächlich bestätigen, dass ein militärischer Angriff den Absturz verursacht hat, kann es sich eigentlich nur um eine Verwechslung gehandelt haben. Vielleicht sollte ein Militär-Transportflugzeug getroffen werden.

Ganz unabhängig davon, zu welchem Ergebnis die Untersuchungen führen werden: Wladimir Putin und Petro Poroschenko müssen jetzt endlich dafür sorgen, dass die Waffen schweigen. Beide Präsidenten sind für die jüngste Eskalation verantwortlich – und jetzt gleichermaßen gefordert. Poroschenko ist beileibe kein Friedensengel. Der neue starke Mann in Kiew hat in den vergangenen Tagen militärisch die Muskeln spielen. Sein Ziel: die Separatisten in der Ostukraine vernichtend zu schlagen.

Positives Signal , dass Russlands Staatschef gestern mit US-Präsident Barack Obama telefoniert hat

Und Putin sollte trotz der verschärften Sanktionen gegen russische Konzerne und Wirtschaftsführer ein Zeichen setzen. Ein positives Signal ist schon einmal, dass Russlands Staatschef gestern kurz nach dem Flugzeugabsturz mit US-Präsident Barack Obama telefoniert hat – über die neuen Sanktionen, aber natürlich auch über MH 17.

Europa und die USA sollten die Konfliktparteien zu Gesprächen und Verhandlungen drängen. Mit dem Gezerre um Videokonferenzen zwischen Kiew und Donezk muss Schluss sein.

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