Di., 22.07.2014

Anti-Israel-Demonstrationen Europas importierter Konflikt

Von Andreas Schnadwinkel

Bis nach Europa reicht Israels Gaza-Offensive. Tausende demonstrieren auch in Deutschland, vor allem aber in Frankreich gegen den aktuellen Militäreinsatz des jüdischen Staates gegen die Islamisten im Gazastreifen. Dort, wo der Anteil der Muslime an der Einwohnerzahl hoch ist, werden Kundgebungen gegen Israels Gaza-Vorstoß veranstaltet. In Frankreich trifft das auf jede Großstadt zu, in Deutschland in erster Linie auf Kommunen in Nordrhein-Westfalen.

Tausende Demonstranten waren am Wochenende auf deutschen Straßen unterwegs. An der Spitze der Bewegung: die Linke. Wenn Plakate mit Aufschriften wie »Gestern Opfer – Heute Mörder« hochgehalten werden, dann ist Wachsamkeit gefragt. In dem Staat, dessen Vorläufer für die Ermordung von sechs Millionen Juden verantwortlich war, bewegt man sich mit Kritik an israelischer Regierungspolitik auf einem schmalen Grat. Leider war der Grundton der Proteste eher pauschal anti-jüdisch, als dass sich die Kundgebungen gegen Netanjahus durchaus kritikwürdige Regierungskoalition gerichtet hätten.

Vor der Demonstration in Essen nahm die Polizei 14 Personen fest, die dort einen Anschlag auf die Alte Synagoge geplant hatten. Seit einigen Tagen wird das als Gedenkstätte genutzte Gebäude bewacht. Am 9. November 2013 hat sich die Reichspogromnacht zum 75. Mal gejährt. Gut acht Monate später werden auch in Deutschland wieder jüdische Kultstätten attackiert.

Im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg hat die Amadeu-Antonio-Stiftung eine Zunahme antisemitischer Vorfälle beobachtet, darunter beschmierte Synagogen in Frankfurt und Dresden. Aus der Geschichte nichts gelernt? Die einheimische Bevölkerung mehrheitlich wohl schon.

Wegen des zunehmenden Anteils der muslimischen Bevölkerung in Europa, die sich mit den Palästinensern in Gaza und im Westjordanland solidarisiert, wird es dennoch mehr Demonstrationen gegen Israel geben. Es ist vielleicht die größte Herausforderung der Integration, von muslimischen Zuwanderern zu verlangen, den Holocaust als historische Schuld ihres Gastlandes zu akzeptieren. Immerhin hat die Kanzlerin Israels sichere Existenz zur deutschen Staatsräson erklärt.

Das glatte Gegenteil gilt für Recep Tayyip Erdogan. Der türkische Ministerpräsident befeuert die anti-israelische Stimmung – auch die unter seinen in Deutschland lebenden Landsleuten. Seine Aussagen und Forderungen nach einer Entschuldigung erfüllen den Tatbestand der geistigen Brandstiftung.

Wenn Erdogan am 10. August erwartungsgemäß zum neuen Staatspräsidenten gewählt wird, verlangt die zivilisierte Welt von ihm Anfang 2015 eine Entschuldigung ganz anderer Art. Dann nämlich jährt sich zum 100. Mal der türkische Genozid an den Armeniern.

Kommentare

Waffen wegnehmen - Grenzen öffnen - UN-Mandat!

Nichts gegen Demonstrationen, aber den Leuten vor Ort helfen sie nicht! Nehmt Israel und seinen Nachbarstaaten die Waffen ab, öffnet die Grenzen zu den Palästinensern dauerhaft und stellt die Region Libanon-Israel-Palästina für mindestens 10 Jahre unter eine EU- oder UN-Regierung. Man muss den Raufbolden Einhalt gebieten. Danach sehen wir weiter ...

Wenn "Reuters" die Meinung des türkischen Premiers Erdogan veröffentlicht, das "Israel die Barberei Hitlers übertrifft", dann erlaube ich mir zu ergänzen, daß es Massenmorde an einer Ethnie seit Jahrtausenden gibt. 1895 bezeichneten englischsprachige Autoren das Massaker an den Armeniern und seit den 1960 in den USA und weltweit die "Endlösung der Judenfrage" im Nationalsozialismus als "Holocaust", Wo ist da der Unterschied zu dem, was heute in Gaza geschieht?

"Das elfte Gebot: Israel darf alles."

Es handelt sich um ein Buch von Evelyn Hecht-Galinski, Tochter von Heinz Galinski, der bis zu seinem Tod 1992 Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland war.

Hierzu aus Gerhard Wisnewski »Das elfte Gebot: Israel darf alles«:
"Woher stammt der Satz in der Überschrift? Natürlich nicht von einem »Goi«, einem Nichtjuden. Denn diese dürfen nicht frei über Israel reden. Von welcher geheimnisvollen Person stammt der Satz aber dann? Vorab nur so viel: Es handelt sich um den Titel eines neuen Buches, in dem – um es auf Jiddisch zu sagen – Tacheles über Israel und seine Lobby in Deutschland geredet wird. Das dürfen Sie und ich zwar nicht. Aber lesen dürfen wir das Buch schon. Jedenfalls noch...
Um es gleich vorweg zu sagen: Die Autorin dieses Buches ist über jeden Verdacht erhaben, Antisemitin zu sein. Sie selbst ist nicht nur Jüdin und mit einem Juden verheiratet, sondern auch die Tochter eines Juden, der immer auf Verständigung zwischen seinem Volk und den Deutschen aus war. Es handelt sich um Evelyn Hecht-Galinski, Tochter von Heinz Galinski, der bis zu seinem Tod 1992 Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland war. Wahlspruch: »Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen.« Genau diesem Motto fühlt sich
Galinskis Tochter Evelyn verpflichtet. Sie ist so etwas wie das Gewissen des Zentralrats der Juden in Deutschland und legt sich auf diese Weise unerschrocken mit dem Zentrum der hiesigen Israel-Lobby an."

...beides zu lesen schadet nicht.

3 Kommentare

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