Fr., 13.06.2014

Die Fifa und ihr Chef Auf dem Planeten Blatter

Von Friedrich-Wilhelm Kröger

»Irgendwann geh'n sie alle ins All. Aber jetzt sind alle noch hart am Ball.« (»Hart am Ball« – ein Liedtext  des deutschen Schriftstellers Jörg Fauser.)
Wenn es denn bei Josef Blatter eines Tages so weit sein sollte, macht das gar nichts. Dort oben, im großen Unbekannten, wird schließlich auch Fußball gespielt.
Echt jetzt?

Es mag dem Präsidenten des Weltverbandes einigermaßen rätselhaft vorkommen, aber er hat sich wohl entschieden. »Wir fragen uns, ob unser Spiel auch auf anderen Planeten gespielt wird. Wir werden nicht nur eine WM haben, sondern interplanetarische Wettbewerbe«, sagte der Schweizer beim Fifa-Kongress. Spacige Sätze, die den Fußball und seine weltumspannende Bedeutung nun auch in die Umlaufbahn geschossen haben.
Weil Gegenspieler Michel Platini vom europäischen Verband sein größtes Turnier in sechs Jahren schon kontinentweit ausufern lassen wird, kontert Blatter mit Mars, Saturn, Venus und Pluto. Die WM in der Star-Wars-Variante. Auch wenn er seine Visionen lustig meint, ist der Mann schon auf Erden ein Entrückter. Warum er sich dazu als verbaler Raumfahrer gefiel, ist leicht erklärt. Wer All mit Macht kombiniert, kommt auf Allmacht.
Blatter ist so eine Art Berlusconi des Fußballs – dieser Mit-allen Wassern-gewaschen-Typ. Schon 1998, als er die Nummer 1 wurde, bezichtigte ihn DFB-Chef Egidius Braun des Stimmenkaufs. Damals wurde Blatter relativ knapp ins Amt gehoben, seitdem zementierte er seine Position so, dass es eines Staatsaufstandes bedarf, um ihn loszuwerden.
Die Europäer nahmen es sich gerade vor und handelten sich eine Abfuhr ein. Weil Blatter alle anderen verlässlich auf seiner Seite weiß. Strippenziehen auf höchstem Niveau: Seinen Laden hat der Eidgenosse in Sachen Mehrheitsbeschaffung im Griff.
Bis zum August will sich sein Feind Platini nun überlegen, ob er als Gegenkandidat antritt. Nur ist der Franzose auch aus diesem fragwürdigen Funktionärsholz geschnitzt. Er votierte für Katar, es gibt Hinweise auf innerfamiliäre Querverbindungen mit einträglichen Geschäftsbeziehungen. Es kann auch kein Trost sein, dass der Wähler Franz Beckenbauer sein Kaiser-Kreuzchen im ersten Wahlgang hinter Australien und im zweiten Durchlauf hinter die USA gesetzt hatte. Die Scheich-Spezis in Arabien kennt er allerdings auch alle.
Nun ist erst Brasilien angesagt. Sogar dort haben die Menschen klar gemacht, dass ihnen die Kugel nicht über alles geht. Und wenn die Alles-Regulierer von der Fifa weg sind, ist das Land wieder allein mit seinen Sorgen. An Blatter muss es sich nicht wenden. Der schwebt schon in anderen Sphären und muss sich um die Zukunft des Fußballs kümmern. So einer kann auch nicht von bösen Tricks wie Amtszeitbeschränkung und Altersbegrenzung ausgebremst werden.
Beides hat Blatter verhindert.

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