Fr., 20.06.2014

Rettung aus der Höhle Bitte keine Diskussion über Kosten

Von Wolfgang Schäffer

Johann Westhauser ist gerettet. Und der 52-Jährige ist trotz der Schwere seiner Verletzungen auf dem Weg der Genesung. Es geht ihm so gut, dass der Höhlenforscher sogar schon Dankesworte an seine Retter per Videobotschaft senden konnte.

Alles also gar nicht so schlimm? Ein viel zu großer Aufwand? Und weshalb muss der Mann denn da überhaupt in diese Höhle krabbeln, sich unnötig in Gefahr begeben? Ist er da nicht selbst schuld?

Fragen, die allesamt mit falsch zu beantworten sind. Westhauser war vor allem in den ersten Tagen in akuter Lebensgefahr. Das erklärten schon die Mediziner in der Höhle. Die Ärzte in der Klinik bestätigten diese Einschätzung jetzt, diagnostizierten eine Blutung im Gehirn und einen Schädelbruch.

Für ein Menschenleben ist kein Aufwand zu groß

Und wenn es gilt, ein Menschenleben zu retten, darf kein Aufwand zu groß sein – das ist ein Gebot der Menschlichkeit. Dies haben die Helfer vor Ort in einem ebenso selbstlosen wie dramatischen Einsatz in insgesamt mehr als 270 Stunden eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Menschlichkeit, die sie nach der gelungenen Rettung auch mit Tränen der Rührung und Erleichterung zeigten.

Kein Frage, die Einsatzkräfte hätten sich natürlich bei jedem Touristen ebenfalls voll ins Zeug gelegt, um ihn aus einer Notlage zu befreien. Auch wenn diese augenscheinlich selbst verschuldet worden wäre. Und es hätte keine Diskussionen über den Aufwand gegeben. Nur die Frage nach der Kostenübernahme, die jetzt landauf landab diskutiert wird, würde sicherlich anders beantwortet. Wer in Sandalen oder Turnschuhen zum Bergsteigen aufbricht und damit eine Rettungsaktion auslöst, muss den Einsatz aufgrund seiner Fahrlässigkeit weitestgehend aus eigener Tasche bezahlen.

Ein erfahrener Forscher

Johann Westhauser aber ist ein erfahrener Höhlenforscher – wenn auch nicht beruflich, sondern in seiner Freizeit. Der 52-Jährige weiß, dass man kein unnötiges Risiko eingeht, dass jeder Fehler verhängnisvoll sein kann. Und – er hat in den vergangenen Jahren mit der Erkundung von Höhlen dazu beigetragen, dass wir mehr wissen über geologische Gegebenheiten, über Klimaveränderungen, über das Leben vor Jahrhunderten und Jahrtausenden. Vermutlich wird ihn auch dieses Unglück kaum davon abhalten, in Zukunft seine Erkundungstouren fortzusetzen und in Höhlen zu klettern. Angetrieben von seiner Neugier, seinem Forschergeist, seinem Wunsch, mehr zu erfahren.

Menschen wie Westhauser sind es, die mit ihrem Tatendrang die Menschheit voranbringen. Ja, sie klettern auch in Höhlen, setzen sich Gefahren aus. Andere fliegen ins Weltall oder tauchen ab in die Tiefen der Weltmeere. Selten aber tun sie das deshalb, um sich zu vergnügen. Sie tun es für uns und die nachfolgenden Generationen. Was liegt da näher, als dass die Allgemeinheit im Falle eines Falles die Kosten einer Rettung trägt.

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