Fr., 27.06.2014

NRW-Tag Von schönen Blumen und Äckern

Von André Best

Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist von Bielefeld 180 Kilometer entfernt, aber am Wochenende dem Oberzentrum Ostwestfalens ganz nah. Mehr als 300.000 Besucher, darunter Hannelore Kraft und sämtliche zwölf Minister, werden zum NRW-Tag erwartet. Es ist ein besonderes Fest, zumal Ostwestfalen-Lippe nach 2012 in Detmold zum zweiten Mal Ausrichter sein darf. Aber zu einem klaren Bekenntnis der rot-grüne

Die hier lebenden Menschen neigen zwar nicht unbedingt dazu, extra zu betonen, wie schön es in ihrer Heimat und wie wirtschaftsstark Ostwestfalen ist. Aber manchem Rheinländer und Ruhrpottler, insbesondere den Landespolitikern unter ihnen, muss man offenbar die Stadt, die es ja eigentlich gar nicht gibt, und die Region, die so großartig ist, wohl immer wieder ans Herz legen, damit Ostwestfalen nicht unter die Räder gerät.

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Wir wollen zeigen, dass wir in Nordrhein-Westfalen zusammengehören.

Hannelore Kraft

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Zwar würde niemand aus der rot-grünen Landesregierung die Existenz Bielefelds jemals in Zweifel ziehen, aber manchmal verplappern sich die Politiker aus der Rhein-Metropole dann doch. So wie kürzlich Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) bei einem Besuch in Kirchlengern. Anlässlich der OWL-Möbelrunde sagte er: »Am Rande des Ackers wachsen die schönsten Blumen.«

Sein Acker ist NRW, der Rand Ostwestfalen. Nicht nur dem Gastgeber der Veranstaltung, Andreas Hettich, gefiel das blumige Bild des Ministers so gar nicht. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Unternehmensgruppe Hettich, die zu den weltweit führenden Herstellern von Möbelbeschlägen gehört und einer der zahlreichen Hidden Champions dieser Region ist, merkte schon häufiger an, dass die Ostwestfalen sich mehr von ihrer Landesregierung wünschen.

Fakt ist, dass die Regierung Kraft/Löhrmann Politik macht, die nicht selten an den Interessen Ostwestfalens vorbei geht. Beispiele dafür, dass die Region stiefmütterlich behandelt wird, gibt es viele. Sie reichen von der Medizin-Fakultät, auf die OWL bis heute wartet, weil sie von Rot-Grün zu wenig Unterstützung erhalten hat, bis zur Ärzteausbildung in Ostwestfalen mit 60 zusätzlichen Plätzen, die nicht voran kommt, weil das Land noch keine Kliniken in OWL festgelegt hat und Auswahlkriterien fehlen.

Hart treffen würde es Ostwestfalen auch, wenn der umstrittene Landesentwicklungsplan umgesetzt wird, wie es die Kraft-Regierung plant. Die Folgen für OWL wären dramatisch, weiterer Wohlstand und mehr Wachstum unmöglich. Und nicht zuletzt ist da noch der Kommunal-Soli. Die Millionen Euro teure Zwangsabgabe wäre für Ostwestfalens wirtschaftsstarke Kommunen eine riesengroße Belastung. Innerhalb des Landes würde OWL zu einer Geber-Region. Die Nehmer säßen an Rhein und Ruhr.

Nicht das Fördern, sondern das Feiern soll beim NRW-Tag im Vordergrund stehen. Wenn Hannelore Kraft und ihre Minister nach Bielefeld kommen, werden sie voll des Lobes sein, von einem großartigen Gastgeber und Ostwestfalen insgesamt schwärmen. Vielleicht entdecken sie bei ihrem Besuch nicht nur schöne Blumen, sondern auch die zahlreichen Äcker, auf denen in OWL viel gesät und geerntet wird.

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