Di., 14.03.2017

Kommentar zum »Horror-Haus«-Prozess Eine erste Erklärung

Wilfried W. auf der Anklagebank.

Wilfried W. auf der Anklagebank. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Wilfried W. hat den 13. Verhandlungstag im »Horror-Haus«-Prozess genutzt, um sich als Opfer darzustellen und seiner Ex-Frau die Schuld zu geben.

Ob man ihm das glauben kann, muss sich erst noch zeigen. Bemerkenswerter ist, dass seine Aussage erstmals erahnen lässt, wie es zu seiner Empathielosigkeit kam. Zu einer Gefühlskälte, die ihn tatenlos zusehen ließ, als die Opfer körperlich verfielen.

Als Kind wurde er nach eigenen Angaben regelmäßig vom Vater verprügelt, ohne dass die Mutter oder seine Lehrer ihn schützen konnten. Dann kam der neue Lebensgefährte der Mutter, der ihm wie ein Retter erschienen sein muss, bis er ihn durch schweren Missbrauch in einen noch tieferen Abgrund stieß.

Wie soll ein junger Mensch Mitgefühl entwickeln, wenn er es selbst nie kennengelernt hat? Wenn Gewalt das Normale war?

Das, was Wilfried W. gestern geschildert hat, kann seine Verbrechen, kann die Quälereien, die die Opfer in seiner Obhut ertragen mussten, nicht entschuldigen. Aber es erklärt zum ersten Mal bis zu einem gewissen Grad das Unfassbare.

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