Sa., 25.03.2017

Kommentar zum gestrichenen verkaufsoffenen Sonntag in Paderborn Blumenschau mit Dornen

Im April 2016 besuchten während des verkaufsoffenen Sonntags zum »Frühlingserwachen« zahlreiche Besucher die Paderborner Innenstadt.

Im April 2016 besuchten während des verkaufsoffenen Sonntags zum »Frühlingserwachen« zahlreiche Besucher die Paderborner Innenstadt. Foto: Jörn Hannemann

Von Karl Pickhardt

Die Einkaufsstadt Paderborn hat einen schmerzhaften Dämpfer erfahren. Unter dem Druck der Gewerkschaft Verdi zog die Werbegemeinschaft am Donnerstag ihren Antrag auf einen bereits genehmigten verkaufsoffenen Sonntag für den 2. April zurück, wenn in Paderborn Floristen die Veranstaltung »Frühlinsgerwachen« aufziehen.

Während in anderen Städten und Gemeinden der Region – auch in Bielefeld – die Geschäfte bei weitaus weniger attraktiven Veranstaltungen öffnen, machen die Läden in der Innenstadt und an der Peripherie dicht.

Selbst den Druck vom Kessel genommen

In der Kleinstadt Marsberg (Hochsauerlandkreis) durfte in der vergangenen Woche ein verkaufsoffener Sonntag stattfinden, der als Höhepunkt einen Luftballonwettbewerb einer örtlichen Bank mit einem 150-Euro-Einkaufsgutschein erlebte. Wer mag das noch nachvollziehen?

Der dornige Weg der Paderborner Kaufmannschaft ist der Einsicht geschuldet, dass die beklagte Stadt Paderborn beim Verwaltungsgericht in Minden mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Niederlage hätte einstecken müssen. So ist die Werbegemeinschaft gut beraten gewesen, selbst den Druck aus dem Kessel zu nehmen und von sich aus auf offene Geschäfte am 2. April zu verzichten.

Bekentniss vom Bürgermeister vermisst

Paderborns Floristen zeigen trotzdem Flagge und führen die Veranstaltung »Frühlingserwachen« auch ohne verkaufsoffenen Sonntag durch. Ein solches Bekenntnis hätte man sich auch vom Paderborner Bürgermeister Michael Dreier gewünscht, der sich auf eine dürftige Ein-Satz-Erklärung (»Ich bekenne mich eindeutig zum Einzelhandel und fordere die Landesregierung auf, eindeutige Rahmenbedingungen für die verkaufsoffenen Sonntage zu schaffen.«) zurückzog.

Dass seine CDU da deutlicher Position bezog, ist nur bedingt eine Entschädigung: »Wo ist Dreier?« war in Anlehnung an ein bekanntes Sportreporter-Zitat zu hören.

Auch ohne Bürgermeister hat die Werbegemeinschaft das Gespräch mit der Gewerkschaft gesucht, die im Übrigen völlig zu Recht kommentierte, dass diese Rolle der Stadt Paderborn mit dem ersten Mann an der Spitze zugestanden hätte. Denn genau hier ist der verkaufsoffene Sonntag ja auch genehmigt worden.

Unvorbelastet ins Gespräch gehen

Die Kaufleute haben mit ihrem Rückzug die Voraussetzung dafür geschaffen, mit der Gewerkschaft unbelastet von einem Gerichtsstreit über die nächsten verkaufsoffenen Sonntage in Paderborn zu sprechen.

Da bietet sich das Frühlingsfest am ersten Maiwochenende an, das mit einem Feuerwerk an Veranstaltungen (darunter das vom WESTFALEN BLATT gesponserte Glasperlenspiel-Konzert »Geiles Leben«) zum Publikumsmagneten für 300.000 Besucher werden dürfte. Sie alle sollten am Sonntag, 7. Mai, nicht wieder enttäuscht vor geschlossenen Geschäften stehen müssen.

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