Di., 11.04.2017

Kommentar zur Landesgartenschau Eine riesige Chance für den Kurort

Blumenpracht auf dem Gelände der Landesgartenschau in Bad Lippspringe.

Blumenpracht auf dem Gelände der Landesgartenschau in Bad Lippspringe. Foto: Jörn Hannemann

Von Ingo Schmitz

Wir sind Landesgartenschau! Nach Rheda-Wiedenbrück (1988), Schloß- und Auenpark Paderborn (1994), Bad Oeynhausen/Löhne (2000) und Rietberg (2008) ist nun der bislang kleinste Ort in Nordrhein-Westfalen an der Reihe, um die Serie in OWL fortzusetzen. Acht Jahre Vorbereitungen werden heute in Bad Lippspringe mit einer großen Eröffnungsfeier gekrönt. Doch wie immer in Ostwestfalen-Lippe bleibt man lieber zurückhaltend, wenn es um Superlative geht.

Zumindest bei der Beschreibung des Ereignisses, das nach vorsichtigen Schätzungen 480 000 Besucher anlocken wird, setzt man auf ein Alleinstellungsmerkmal: Zum ersten Mal präsentiert sich die Landesgartenschau vor einer Waldkulisse, was tolle Kontraste zwischen Blumen und Bäumen verspricht. Und noch etwas ist überdurchschnittlich: Die riesige Bereitschaft der Vereine und Menschen im Umland, diese Landesgartenschau mit Programm zu bereichern, ist bemerkenswert. 1500 Veranstaltungen sind bis zum Ende am 15. Oktober geplant. Eine ganze Region zeigt sich in Bad Lippspringe von ihrer besten Seite.

Diese Landesgartenschau ist jedoch weitaus mehr, als das Motto »Blumenpracht und Waldidylle« verrät. Hier geht es um funktionierende Entwicklungshilfe par excellence für eine Kommune, die diesen Anschub dringend benötigt hat. Insgesamt elf Millionen Euro haben geholfen, den Kurwald und -park zu einem sehenswerten und erlebnisreichen Ensemble zu formen. Zudem wurden auch Straßen und öffentliche Gebäude angepackt. Nicht zuletzt haben Handel, Hotels und Gastronomie erhebliche Investitionen gestemmt.

Bad Lippspringe litt in den vergangenen Jahren wegen des Sanierungsstaus unter einer sinkenden Attraktivität. Die Gästezahlen gingen zurück. Das Projekt »LGS« hat im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren diesen Trend aufgehalten, ja sogar umgekehrt. Innerhalb von einem Jahrzehnt sind die Gästezahlen um ein Drittel gestiegen, die Zahl der Einwohner wuchs in fünf Jahren um zehn Prozent. Und noch viel mehr ist passiert: Durch die mitreißende Dynamik der Initiatoren ist es gelungen, das viel zitierte »Wir-Gefühl« zu erzeugen.

Wenn Bad Lippspringe nun in den kommenden Monaten für Menschen aus ganz OWL und darüber hinaus zum Zen­trum zeitgenössischer Gartenbaukunst wird, hat der Gesundheitsstandort die einmalige Chance, nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. Dass dies gelingen kann, haben Rietberg und Schloß Neuhaus gezeigt. Noch heute profitieren die Orte vom Esprit ihrer Gartenschauen.

Die LGS-Macher in Bad Lippspringe erklären ihre Bescheidenheit bezüglich der eigenen Erwartungen damit, dass sie es gewohnt sind, die »Glocken nicht zu hoch zu hängen«. Aber auch niedrige Glocken können bekanntlich schöne Töne verbreiten. Und darauf dürfen sich die Besucher zu Recht freuen.

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