Do., 25.05.2017

Kommentar zu Trumps erster Auslandsreise Bislang die falschen Signale gesetzt

Donald Trump auf Reisen.

Donald Trump auf Reisen. Foto: dpa

Von Thomas J. Spang

s chöne Bilder, strikte Regie – die Halbzeitbilanz Donald Trumps erster Auslandsreise fällt besser aus, als zu erwarten war. Dabei sollte eigentlich nicht überraschen, dass der Selbstdarsteller im Weißen Haus verkaufen kann. Das hat er sein ganzes Leben lang geübt. Bei der Präsentation der Trump-Marke, den Schönheitswettbewerben und als Moderator der Reality-TV-Show »The Apprentice«.

So gesehen war Trump gut darauf vorbereitet, bei seiner Premiere auf internationaler Bühne auch die Rolle des US-Präsidenten zu übernehmen. Erst recht in einem Programm, das einem übe­r Monate vorbereiteten Drehbuch folgt.

Anders als im schwierigen Tagesgeschäft von Washington bleibt auf Präsidentenreisen wenig dem Zufall überlassen. Die Abkommen und Vereinbarungen sind bereits verhandelt, die Reden geschrieben und die Abläufe eng getaktet.

Problematisch wird es immer dann, wenn Trump vom Skript abweicht. Der israelische Botschafter in den USA, Ron Dermer, fasste sich an die Stirn, als der Präsident bei der Begrüßung durch Benjamin Netanjahu in Israel vor laufenden Kameras verkündete, er komme gerade »zurück aus dem Mittleren Osten«. Nicht minder peinlich das beiläufige Eingeständnis, von Israel überlassene Geheimnisse an Russland weitergegeben zu haben. Oder der Eintrag ins Gästebuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Das Wort »amazing« (Deutsch: »unglaublich«, »fantastisch«, »beeindruckend«) dürfte den meisten Besuchern an diesem Ort nicht in den Sinn kommen.

Zuvor schon hatte Trump in Saudi-Arabien mit der tiefen Verbeugung vor dem absoluten Herrscher für Verwunderung gesorgt. Dass er König Salman mit dem biblischen König Salomon verwechselte und die »Straße von Hormus« multiplizierte, schrieb das Weiße Haus der Müdigkeit Trumps zu.

Jenseits der Stilkritik fällt auf, dass Trump in der Sache falsche Signale setzte. Der auf 350 Milliarden Dollar geschätzte Waffendeal mit Saudi-Arabien, das wie kein zweites Land der Welt radikale Prediger und Gedankengut exportiert, zeugt entweder von gnadenlosem Zynismus oder gefährlicher Naivität. Seine Appelle an Israelis und Palästinenser, zu einem »ultimativen Deal« zu gelangen, sind so rosig wie sie vage bleiben. Genau wie er die Gelegenheit im Vatikan verstreichen ließ, beim Papst das Festhalten am Pariser Klimaabkommen und eine Kurskorrektur bei den Mauerplänen vorzunehmen.

Die eigentliche Bewährungsprobe wartet am Ende seiner Reise, wenn Trump sich beim G-7-Gipfel, der NATO und der EU in einer weniger kontrollierbaren Umgebung bewegt. Bisher tat sich Trump mit Alleinherrschern und Autokraten leichter als mit Amerikas Alliierten.

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