Fr., 26.05.2017

Kommentar zu Trump und den Europäern Deal statt Diplomatie

Angela Merkel und Donald Trump.

Angela Merkel und Donald Trump. Foto: dpa

Von Detlef Drewes

W

as hatten sich die Europäer nicht alles für  dieses Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten vorgenommen! Selbstbewusst wollten sie auftreten, klar Position beziehen, Donald Trump überzeugen – von guten Handelsbeziehungen, Klimaschutz und Freundschaft. Aber dafür hatte der Gast aus Washington kein Ohr.

Weder bei der EU noch im großen Rund der Nato-Mitgliedstaaten befasste man sich mit den üblichen Floskeln von Freundschaft und gewachsenen transatlantischen Beziehungen. Trump beschwört und lamentiert nicht, er fordert. Für den Kampf gegen den Terror braucht er die Europäer, für seine Vorstellungen von Handel und Klimaschutz nicht. Mit Druck erreichte er die Zustimmung der Allianz, in den Kampf gegen den IS einzusteigen, obwohl dieser Schritt weder strategisch sinnvoll noch militärisch zielführend ist. Er bleibt ein Showeffekt, mehr nicht. Um es zugespitzt zu sagen: Im Zweifel ist dem US-Präsidenten ein Mann wie Recep Tayyip Erdogan lieber als Angela Merkel. Der türkische Präsident redet nicht, sondern schickt Bomber gegen Terroristen los, während die deutsche Kanzlerin nachdenkt, abwägt und im Zweifel immer erst noch den Bundestag fragen muss, was sie tun darf.

Dies kennzeichnet das eigentliche Problem der neuen transatlantischen Beziehungen: Trump misstraut diesem undurchschaubaren europäischen Bündnis, in dem es stets Für und Wider gibt und sich deshalb wenig bewegt. Der einstige Unternehmer im Weißen Haus mag kein diplomatisches Geplänkel. Er drängt auf einen Deal zu seinen Bedingungen, die Europäer wollen Partnerschaft und Kompromisse. Fast schon symptomatisch dafür steht der regelrechte Missbrauch der Gedenkzeremonie vor dem neuen Nato-Hauptquartier, die Trump nicht für die Erneuerung des Beistandsversprechens nutzte, sondern für Angriffe auf die Zahlungsmoral der Verbündeten. Zu diesem Muster gehört auch die Beschimpfung Deutschlands wegen des Handelsbilanzüberschusses am Runden Tisch bei der Nato.

Nicht nur die Nato, sondern auch die EU müssen sich also umstellen. Beide Allianzen gelten für den US-Präsidenten nicht länger aus historischen Gründen als traditionelle Partner, sie sind vielmehr Instrumente des Prinzips »America first«. Dass Washington die amerikanische Führungsrolle im Bündnis nun derart eklatant beansprucht und dabei auf seinen hohen Beitrag am Budget der Nato verweist, ist nicht einmal überraschend oder neu. Die EU jedoch wird sich schwer tun mit der Dominanz, die Trump für sich in der Welt beansprucht und der er alle anderen unterwirft. Am Ende dieses Treffens scheint klarer denn je zu sein, dass die EU selbstbewusster und vor allem einiger werden muss, um auf Augenhöhe mitzuspielen. Das ist auch eine Chance.

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