So., 28.05.2017

Kommentar zum G7-Gipfel Eine ganz bittere Lektion

Donald Trump

Donald Trump Foto: dpa

Von Detlef Drewes

Es war ein Desaster. Nicht einmal die in diplomatischen Floskeln erfahrene Bundeskanzlerin konnte nach dem G7-Gipfel auf Sizilien verschleiern, wie viel Enttäuschung, Frustration und Verbitterung über den US-Präsidenten zurückblieben.

Dass Donald Trump nach Europa kam und keine abgestimmte Regierungsmeinung zum Klimaschutz mitbrachte, sondern diese erst für die kommenden Tage ankündigte, ist politische Dummheit oder politische Taktik. Beides wäre gleich schlimm.

Es scheint eine Tatsache zu sein, dass die wichtigsten Indus­trienationen der Welt keine eingeschworene Gemeinschaft mehr sind, sondern in den kommenden Jahren zu sechst gegen oder ohne einen Politik machen müssen. Dies wiegt deshalb so schwer, weil die USA beim zentralen Thema Klimaschutz offenbar gleich mehrere Schritte zurückgehen wollen. Das ist ein bitterer Rückschlag, weil die Bemühungen um eine Begrenzung der Erderwärmung zum Schlüssel für vieles geworden sind: von der Völkerwanderung, die weltweit eingesetzt hat, über die Situation der Wirtschaft bis zur Verhinderung von Naturkatastrophen.

USA klinken sich aus

Die USA klinken sich aus und dürften dies bereuen, weil auf dem Weltmarkt von morgen nur die Unternehmen eine Chance haben, die die Herausforderung ernst nehmen und sowohl ihre Produktion wie auch ihre Waren umweltfreundlich gestalten.

Dennoch werden dieser G7-Gipfel in Taormina, ebenso wie die Brüsseler Begegnungen, eine Wende sein. Die Europäer haben sich dieses Mal regelrecht überrollen lassen – von der Wucht eines US-Präsidenten, der ohne Rücksicht auf Freund und Feind auf bisherigen Beziehungen herumtrampelte und seine Gesprächspartner wie Statisten für seine Auftritte behandelte.

Das bleibt nicht so. EU, Nato und G7 wissen nun, mit wem sie es zu tun haben – und dass von Washington unter Trump in den kommenden Jahren nichts zu erwarten ist. Europa und die übrigen G7-Staaten wie Japan und Kanada werden mit China zusammenrücken.

Wenn Trump glaubt, er habe sich durchgesetzt, täuscht er sich. Er hat verloren – wichtige Verbündete, langjährige Freunde und vor allem die Möglichkeit, Koalitionen zu schmieden, die auch den USA nützen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4885229?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F