So., 04.06.2017

Kommentar zu »50 Jahre Sechs-Tage-Krieg« Das heikle Land

Der israelische Kommandeur Motta Gur und seine Truppen beobachten vor ihrem Angriff im Juni 1967 die Altstadt von Jerusalem.

Der israelische Kommandeur Motta Gur und seine Truppen beobachten vor ihrem Angriff im Juni 1967 die Altstadt von Jerusalem. Foto: GPO/dpa

Von Andreas Schnadwinkel

Jahrestage können eine sensible Sache sein, wenn sie an ein Ereignis mit nachhaltig eher negativen Folgen erinnern und die Zahl der seitdem vergangenen Jahre rund ist. Das gilt im Nahost-Konflikt erst recht. 50 Jahre ist es jetzt her, dass Israel den Sechs-Tage-Krieg gewann.

In der Zeit unmittelbar nach dem Sieg gegen die verfeindeten arabisch-muslimischen Nachbarn konnte der jüdische Staat wenig mit den eroberten Territorien anfangen. Es dauerte eine Zeit bis zu der Erkenntnis, dass man nicht nur Land besetzt hat, sondern dass in diesen Gebieten auch Menschen leben.

Und weil Sicherheit der ursächliche Grund für die Besatzung ist und immer an oberster Stelle steht, mutet Israel der arabischen Bevölkerung im Westjordanland seit einem halben Jahrhundert einiges zu. In erster Linie die Siedlungen, die einen zusammenhängenden palästinensischen Staat verhindern – aber auch einen ungleichen Rechtsstatus: Für israelische Siedler gilt israelisches Recht, für Palästinenser israelisches Militärrecht.

Der jüdische Staat macht es seinen Freunden und Partnern oft schwer, wenn er Entscheidungen zu Lasten der Menschen in den besetzten Gebieten trifft. Aber klar ist eben auch: Israel würde lieber mit seinen Nachbarn in Frieden leben. Doch das ist nicht möglich, weil es sich seit dem ersten Tag seiner Existenz verteidigen muss. Dafür steht der Sechs-Tage-Krieg, der ein Präventivschlag war.

Der 50. Jahrestag macht deutlich, dass die Weltgemeinschaft in diesem Teil des Nahost-Konflikts nicht weiter ist als am 29. November 1947. Damals nahm die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Teilungsplan für Palästina an. Seitdem hat sich im Kern nichts geändert. Die arabische und muslimische Welt lehnt einen Staat für Juden dort ab, wo er existiert.

Ein Friedensabkommen ist heute unwahrscheinlicher denn je. Dabei liegen viele Pläne seit Jahren auf den Verhandlungstischen: die Grenzen von 1967 als Grundlage und ein Gebietsaustausch für die jüdischen Großsiedlungen. Doch den Siedlern sind Zugeständnisse nur mit gesellschaftlichen Verwerfungen abzuringen. Und die Palästinenser sind immer noch gespalten in Hamas und Fatah. Und so bleibt es beim Status Quo.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4901620?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F